Samstag, 21. April 2018

Nach zwei Zugsunfällen überlegen ÖBB Sofortmaßnahmen

Die Ursachen der beiden Zugsunfälle am Freitag in Salzburg und Oberösterreich sind noch nicht geklärt. Am Salzburger Hauptbahnhof kam es beim Ankoppeln von zwei Nachtzügen zu einem Zusammenstoß mit 54 Verletzten. Am Bahnhof Friedburg-Lengau (Bezirk Braunau) „entrollten” vier Güterwaggons und entgleisten nach 20 Minuten vor Braunau. Die ÖBB erwägen weitere Sicherheitsvorkehrungen.

In OÖ entgleisten am Freitag vier herrenlose Güterwaggons Foto: APA
In OÖ entgleisten am Freitag vier herrenlose Güterwaggons Foto: APA

Nach den Unfällen vom Freitag orten die ÖBB kein Sicherheitsproblem. Auch wenn es eine bedauerliche Häufung sei, in Anbetracht des Zehn-Jahres-Schnitts ereigneten sich nicht mehr und nicht weniger Unfälle als in den vergangenen Jahren, sagte ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger am Samstag zur APA.

Er verwies auf die Statistik, wonach es pro Jahr zwei bis sechs Zusammenstöße von Zügen gebe und acht bis 14 sonstige Unfälle mit Zügen, zum Beispiel eine „Entrollung”. Angesichts der gefahrenen Schienenkilometer und der Fahrgastzahlen sei die Zahl der Unfälle im internationalen Vergleich gering.

Allerdings sind die ÖBB dabei, Sofortmaßnahmen auf den Weg zu bringen und beim Verschieben von Zügen weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wie Hahslinger betonte. Angedacht werden neue Checklisten für das Personal, weiters der Ausbau der technischen Infrastruktur sowie Optimierungsmaßnahmen, um die Aufmerksamkeit des Personals zu erhöhen - beispielsweise durch Signale.

Im oberösterreichischen Fall gehen die ÖBB inzwischen von menschlichem Versagen als Unfallursache aus. Ein Verschubmitarbeiter hatte nach eigenen Angaben nicht den Hemmschuh gelegt, sagte ÖBB-Sprecher Karl Leitner zur APA. Mit diesem Keil werden Waggons nach dem Abkoppeln gesichert. Der Mitarbeiter wurde zunächst bis zum Abschluss der Untersuchungen suspendiert. Der Mann habe erklärt, dass er den Hemmschuh nicht gelegt habe, Aufgrund der Angaben des Mitarbeiters

In Salzburg ist noch nicht geklärt, ob technisches oder menschliches Versagen ausschlaggebend war. Die 41-jährige Lokführerin der Verschublok, die am Salzburger Hauptbahnhof bei dem Zusammenkoppeln zweier Nachtzüge aus Zürich und Venedig durch den heftigen Aufprall leicht verletzt worden war, „wird in der nächsten Woche einvernommen”, sagte Verena Rainer, Sprecherin der Landespolizeidirektion Salzburg, zur APA.

Das Gerücht, wonach ein Schwächeanfall der Lokführerin den Unfall ausgelöst haben könnte, wurde bisher von behördlicher Seite nicht bestätigt. „Die Unfallursache ist bis jetzt nicht bekannt”, sagte Rainer. Die „Sicherheitsuntersuchungsstelle Schiene” des Verkehrsministeriums begann am Freitag mit den Untersuchungen zur Klärung der Unfallursache. Ein Ergebnis steht noch aus. Auch die Höhe des Sachschadens war vorerst nicht bekannt.

apa

stol