Die Lage in den Gefängnissen sei unerträglich, das internationale Ansehen Italiens sei dadurch gefährdet.Bisher hatte noch kein Präsident ein Mailänder Gefängnis besichtigt. San Vittore gilt als Paradebeispiel für die chronische Plage der überbelegten Gefängnisse. 1600 Sträflinge sind in dieser Strafanstalt zusammengepfercht, die eigentlich nur für die Hälfte der Plätze eingerichtet wurde. 60 Prozent der Sträflinge sind Ausländer.Radikale fordern AmnestieNapolitano wurde gestern von einer Gruppe von Anhängern der Radikalen Partei um Marco Pannella empfangen, die Slogans für eine Amnestie skandierten. Der Präsident erklärte sich bereit, eine Amnestie zu unterzeichnen, die politischen Bedingungen seien jedoch dafür nicht vorhanden, klagte er.Napolitano unterstrich, dass der europäische Gerichtshof für die Menschenrechte Italien zuletzt wiederholt wegen der unmenschlichen Lebensbedingungen in den Haftanstalten unter Druck gesetzt hatte. Besonders kritisch sei die Lage inhaftierter Mütter mit Kleinkindern unter drei Jahren.Anläßlich des Besuchs Napolitanos tagte der Mailänder Gemeinderat erstmals in einem Saal des San Vittore-Gefängnisses. „Wir wollen damit hervorheben, dass San Vittore Teil unserer Stadt ist und seine Probleme nicht ignoriert werden dürfen“, so ein Sprecher des Gemeinderats.mit