Freitag, 15. Januar 2021

„Narrischer“ Auerhahn gibt viele Rätsel auf

Ein Video kursiert seit gestern auf den Social-Media-Kanälen der Südtiroler. Protagonisten: Ein etwas ungeschickter Langläufer und ein überaus mutiger Auerhahn.

Normalerweise ist das Auerwild scheu und man bekommt es nur selten zu Gesicht. Manchmal aber kommt es zu Begegnungen, die für die Hähne oft leider schlecht enden. - Foto: © d
Der Langläufer fällt vor lauter Verwunderung neben dem Tier hin, dieses zeigt keine Scheu und will sofort den Wintersportler in die Flucht schlagen.

Schnell machte das kuriose Video die Runde und wurde fleißigst auf Whatsapp weitergeleitet und auf Facebook gepostet. Einmal heißt es, die Szenen sollen sich in Tramin abgespielt haben, dann im Gadertal oder in Asiago. Lokale Medien berichteten sogar, in Terenten.

STOL sprach mit einem ehemaligen Mitarbeiter der dortigen Langlaufloipe und der versicherte, dass es sich „definitiv nicht um Terenten handelt. Weder Schild noch Baummarkierung sind auf unserer Loipe.“ Genau dieses grüne Schild und die Baumnummerierung auf 2 Seiten sind nicht typisch für Südtirol.

Es bleibt also fraglich, ob es sich überhaupt um einen Südtiroler Auerhahn handelt. Da der mutige Auerhahn aber so berühmt in Südtirol geworden ist, wollte STOL zumindest wissen, was ihn zu so einem Verhalten treibt. Wildtiere sind bekanntlich ja sehr scheu und suchen schon lange das Weite, bevor wir Menschen sie überhaupt wahrnehmen.

Der Direktor des Südtiroler Jagdverbandes Benedikt Terzer weiß Folgendes über das Phänomen zu berichten: „Von ,narrischen' oder ,verrückten' Auerhähnen wird schon in alter Jagdliteratur immer wieder berichtet. Bis heute ist dieses Phänomen nicht restlos erforscht.“ Die Ursache für das abnorme Verhalten könne ein stark erhöhter Testosteronspiegel sein, aber auch eine Fehlprägung auf den Menschen werde als mögliche Erklärung angeführt. Insgesamt sei es aber relativ selten.

„Leider ist abnormen Hähnen mitunter ein kurzes Leben beschieden, weil Menschen sich in der falschen Annahme, einem gefährlichen Angriff ausgesetzt zu sein, übertrieben zur Wehr setzen. So wurde etwa im April 2019 in Gröden ein Auerhahn von einem Skifahrer mit einem Skistock getötet“, weiß Terzer.

„Normalerweise ist das Auerwild scheu und man bekommt es nur selten zu Gesicht. Von vielbegangenen Wegen und Menschen hält es sich fern, da es sensibel auf Störungen reagiert. Gerade im Winter braucht es viel Ruhe und ausreichend Rückzugsorte, denn in dieser Zeit ist die Nahrung knapp und die Tiere müssen sparsam mit ihren Energiereserven umgehen. Bei Begegnungen mit solchen Tieren ist es das Beste, bereits frühzeitig Abstand zu halten und das Tier gar nicht erst an sich rankommen zu lassen. Ansonsten gilt es, sich langsam von dem Tier wegzubewegen und sich zurückzuziehen.“

stol