Mittwoch, 07. April 2021

Verpflichtende Nasenflügeltests für Schüler: Rom interveniert

Südtirols Schüler sind mit heute endlich alle wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Damit dieser weiter hätte gewährleistet werden können, hätten sich die Schüler verpflichtenden Nasenflügeltests unterziehen müssen. So der Plan. Doch nun steht dieses Konzept auf der Kippe. Rom hat interveniert. Was das nun bedeutet, ist derzeit noch nicht klar. „Wir prüfen den Sachverhalt gerade“, so Bildungslandesrat Philipp Achammer gegenüber STOL.

Der verpflichtende Test an Südtirols Schülern steht auf der Kippe.
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Der verpflichtende Test an Südtirols Schülern steht auf der Kippe. - Foto: © lie
Diese regelmäßigen und flächendeckenden Antigen-Selbsttestungen an den Schulen aller Stufen hätten in Südtirol ab heute verpflichtend sein sollen, sind sie doch eine Chance, die Schulen nicht nur zu öffnen, sondern sie auch langfristig offen zu halten und den Präsenzunterricht zu gewährleisten.

Jene Schüler, die sich nicht an den Test beteiligt hätten bzw, die Eltern ihr Einverständnis dazu nicht gegeben hätten, wären in den Fernunterricht überstellt worden.

Doch nun interveniert Rom. In einem Rundschreiben an Südtirols Schulen wurde am Mittwoch klargestellt: Die aktuelle Gesetzeslage sieht nicht vor, dass der Präsenzunterricht von einem Test abhängig gemacht werden kann. Wie Bildungslandesrat Philipp Achammer gegenüber STOL betont, werde das Rundschreiben gerade geprüft. Weitere Informationen folgen.

Was halten Sie von den Nasenflügeltests für den Neustart in Schule und Wirtschaft? Stimmen Sie ab.



Opposition sieht Gesetzwidrigkeit

Die Süd-Tiroler Freiheit wies am Dienstag in einer Aussendung auf die Gesetzeswidrigkeit von verpflichtenden Tests hin. „Den Präsenzunterricht auf jene Schüler zu beschränken, die sich regelmäßig dem sogenannten Nasenbohrertest unterziehen“, ist laut der Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Myriam Atz Tammerle, gesetzeswidrig.


Das staatliche Gesetzesdekret Nr. 44 vom 1. April 2021 schreibe klar und deutlich vor, dass der Präsenzunterricht ab dem 7. April 2021 jedenfalls bis zur ersten Klasse Mittelschule und mit Vorbehalten darüber hinaus gewährleistet werden muss. An den Präsenzunterricht bis zur ersten Klasse Mittelschule dürfen keinerlei Bedingungen, wie beispielsweise die verpflichtende Teilnahme an den Nasenbohrertests, geknüpft werden, so die Süd-Tiroler Freiheit.

Schmerzfreie Test-Methode

Beim Nasenflügeltest handelt es sich um ein Pre-Screening, die Spezifizität und die Sensibilität ist sehr hoch, das Testergebnis nach 15 Minuten sichtbar. Laut Sanitätsbetrieb kommen hierzulande der „Panbio COVID-19 Antigen-Schnelltest Nasal“ von Abbott (Sensitivität: 98,1 Prozent, Spezifizität: 99,8 Prozent) und der SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test Nasal von Roche (Sensitivität: 84,4 Prozent, Spezifizität: 99,2 Prozent) zum Einsatz.

Der Selbsttest ist nicht schmerzhaft, weil das Wattestäbchen nur im vorderen Nasenbereich eingeführt werden muss. Im Vergleich zu den herkömmlichen Antigen-Schnelltests wird dieser Test als wesentlich angenehmer empfunden und hat daher speziell bei Kindern eine hohe Akzeptanz. Die Anwendung ist im Moment ab einem Alter von 6 Jahren möglich. Was die Kinder mit Beeinträchtigung betrifft, gilt dies von Fall zu Fall individuell abzustimmen, gegebenenfalls auch mit Unterstützung des Facharztes.

Projekt soll auf Wirtschaft ausgeweitet werden

Das bereits in den Schulen erprobte Pilotprojekt soll bald auch in den Privatbetrieben und in der öffentlichen Verwaltung angewandt werden. Personen mit einem positiven Ergebnis des Nasenflügeltests müssen sich danach zur Bestätigung Antigen- oder einem PCR-Test unterziehen. Die Betriebe müssen die Kosten des Testprojekts selbst übernehmen, können die Testkits aber zum Selbstkostenpreis ankaufen.

Ziel ist eine Vereinbarung auf Landesebene, damit das Projekt aus rechtlicher Sicht auf solide Beine gestellt werden kann.

Schnell und einfach

Der Nasenflügeltest gibt – wie auch andere Schnelltests – innerhalb von 15 Minuten Aufschluss darüber, ob die Testperson zum Zeitpunkt der Testung mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht, ob sie ansteckend oder nicht ansteckend ist. Neu an diesem Corona-Schnelltest ist, dass er von der Testperson selbst durchgeführt werden kann.

Der Nasenflügeltest ist einfach zu handhaben. Im Vergleich zum professionellen tiefen Abstrich wird der Abstrich beim Selbsttest im vorderen Nasenbereich und an den Nasenflügeln durchgeführt. Nasenflügeltests sind durch ihre Schnelligkeit und einfache Anwendung eine vernünftige Ergänzung zu den geltenden Sicherheitsmaßnahmen und der Teststrategie im Allgemeinen, um die Pandemie einzudämmen.

Mit einem Nasenflügeltest können vor allem Personen mit einer hohen Virenlast verlässlich ausfindig gemacht werden, also genau jene Personen, von denen eine erhöhte Ansteckungsgefahr für das direkte Umfeld ausgeht.

stol/vs