Den Ausstieg aus dem Naturpark fasst der Beschluss allerdings (noch) nicht ins Auge. Vielmehr wurde bei einem Arbeitstreffen mit großer Mehrheit beschlossen, einen Änderungsantrag zum Naturparkdekret zu stellen. Dieser wird nun formuliert, dann vom Gemeindeausschuss genehmigt und daraufhin den zuständigen Behörden im Land zugeschickt werden. Doch was steckt hinter der Sache?<BR /><BR /> In Prettau fühlt man sich vom Naturpark offenbar mehr und mehr geknebelt. „73 Prozent unserer Gemeindefläche ist Naturparkgebiet“, erklärt Bürgermeister Robert Alexander Steger. Und weil der Naturpark auch Natura-2000-Gebiet sei, werde dort für die Bauern das Arbeiten immer schwieriger.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="961801_image" /></div> <BR /><BR />Konkret geht es zum einen um das Verbot von Almerschließungen durch Zufahrtswege. In dieser Sache war es in der Vergangenheit vor allem im Bezug auf die Lahner Alm zu einem Schlagabtausch zwischen dem Land und den Naturschützern auf der einen Seite und der Gemeinde und den Bauern auf der anderen gekommen. „Man muss die Landwirtschaft arbeiten lassen, sonst haben wir bald Zustände wie im Cadore, wo immer weniger Flächen bewirtschaftet und damit gepflegt werden“, erklärt der Bürgermeister.<BR /><BR />Ein anderes Problem sei das Verbot von Wasserkraftwerken. „Das wiegt bei uns natürlich sehr schwer, weil wir viele Möglichkeiten hätten. Damit werden der Gemeinde große Einnahmequellen versagt“, meint Steger.<BR />Vermeintlich nichtig, aber in Prettau doch nicht unbedeutend seien die Verbote, im Naturpark Mineralien zu sammeln und Pilze zu pflücken. Auch hier wolle man eine Änderung, zumal das vom Land zunächst erlaubt worden war und erst mit dem neuen Gesetz untersagt wurde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="961804_image" /></div> <BR /><BR />Sorgen machen dem Bürgermeister obendrein die europäischen Rewilding-Richtlinien. Diese sehen laut Steger vor, dass 20 Prozent des Kulturgrundes der Wildnis zurückgegeben werden sollte. „Ich fürchte, dass die Naturparke als erste da hineinfallen – und das wäre für die Landwirtschaft in Prettau eine Katastrophe.“ <BR /><BR />Jedenfalls hat die Gemeinde nun mit seinem Beschluss ein Änderungsverfahren im Bezug auf den Naturpark eingeleitet. Vor allem die Almerschließungen und den Bau von Wasserkraftwerken will man in Prettau erwirken. „Ob das gelingt, werden wir sehen.“<BR /><BR />Werde das Ansinnen abgelehnt und auch dem Beharrungsbeschluss der Gemeinde von der Landesregierung nicht stattgegeben, dann könnte nach Ansicht des Bürgermeisters ein Ausstieg der Gemeinde Prettau aus dem Naturpark endgültig zum Thema werden. Denn so könne es nicht mehr weitergehen, ist Steger überzeugt, der ganz grundsätzlich am Sinn der Südtiroler Naturparke zweifelt. Hier spiele nur der Umweltschutz eine Rolle, sagt er. <BR /><BR />„Wir müssten uns an den Nationalparks in Österreich ein Beispiel nehmen.“ Dort gehe es neben dem Umweltschutz auch um die Menschen, dass sie hier leben und arbeiten können, und um jene, die im Naturpark unterwegs sind. „Diese Verlagerung der Sichtweise käme der Bevölkerung zugute“, ist Bürgermeister Robert Alexander Steger überzeugt. Ansonsten dürfe man sich nicht wundern, wenn die Menschen mehr und mehr abwandern.<BR />