„Der Dekan ist eine Art Direktor der Hochschule“, erklärt der amtierende Dekan Alexander Notdurfter. Gewählt wird der Leiter der Hochschule vom Hochschulkollegium, in dem unter anderem die Professorinnen und Professoren, Lehrbeauftragte, Studierende und die Partner-Unis vertreten sind. Ist das römische Veto zur Wahl von P. Lintner ein Zeichen dafür, dass die Brixner Hochschule aus der Sicht der obersten Kirchenleitung „zu liberal“ unterwegs ist, wie ihr von Kritikern regelmäßig vorgeworfen wird?<BR /><BR />Von einem solchen Generalverdacht kann laut Bischof Ivo Muser nicht die Rede sein. Der Grund für die Ablehnung des gewählten Dekans sind – wie auch von der Hochschule mitgeteilt – „einige Publikationen zu Fragen der kirchlichen Sexualmoral“ von P. Lintner. <BR /><BR />Ende November 2022 habe er im Vatikan um das „Nihil obstat“ („keine Einwände“) für den neugewählten Dekan angesucht, erklärt der Diözesanbischof. Dass Rom sehr wohl Einwände habe, liege an einigen offenen Fragen, die „sachlich, ohne Polemik und im nüchternen Studium der Sachlage“ geklärt werden müssen, so Bischof Muser. <BR /><BR />Auf ausdrückliche Bitte von P. Lintner habe er auf einen Rekurs gegen die Entscheidung verzichtet, nun gelte es, diese „Fragen, die im Raum stehen“ zu lösen. Er stehe seit Wochen im Kontakt mit P. Lintner, mit dem Dekan der Hochschule und den zuständigen Stellen im Vatikan. <h3> „Offene Fragen“ zu klären</h3>Bischof Muser stellt gleichzeitig klar, dass diese „offenen Fragen“ nichts am grundsätzlichen Vertrauen in die Brixner Hochschule und ihren Moraltheologen ändere. „Das Hochschulkollegium hat sicher mit Überzeugung seine Wahl getroffen. P. Martin ist schließlich mit allen Rechten und Pflichten Professor unserer Hochschule. Dafür hat er bei seiner Bestellung zum Professor für Moraltheologie auch das römische Nihil obstat bekommen“, bekräftigt Bischof Muser.<BR /><BR />Auch Dekan Alexander Notdurfter betont in einer Stellungnahme, dass die <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/nein-aus-rom-p-martin-lintner-wird-nicht-dekan-der-hochschule-in-brixen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Einwände aus Rom</a> „einige ganz konkrete Punkte“ beträfen, aber nicht die theologische Hochschule als Institution. „Wir hatten in den vergangenen Jahren niemals Schwierigkeiten, es gab keine Beanstandungen genereller Art“, unterstreicht Notdurfter, der übrigens als erster Nicht-Geweihter (Laie) das Amt des Dekans bekleidet – in mehr als 400 Jahren Hochschulgeschichte. <BR /><BR />Diese Aufgabe wird der Theologe und Familienvater Notdurfter also sicher noch mehrere Monate lang weiterführen, denn frühestens im November wird das Hochschulkollegium einen zweiten Anlauf zur Neuwahl des Dekans in die Wege leiten. Danach startet wieder das Verfahren um die Genehmigung aus Rom. <BR /><BR />