Im Interview spricht Neo-Präsidentin Clara Martone über ihr Verhältnis zu Vater Gianni, ihre in die Wiege gelegte Pferde-Leidenschaft und ihren Wunsch für den Rennplatz.<BR /><BR /><b> Frau Martone, Sie übernehmen die Präsidentschaft der Meran Galopp GmbH von Ihrem Vater Gianni. Was ändert sich, was behalten Sie bei?</b><BR />Clara Martone: Ich führe die Linie meines Vaters fort – die Öffnung des Pferderennplatzes für alle. Dieses Ziel hat er seit der Gründung der Meran Galopp GmbH 2013 immer verfolgt. Ein erster Schritt war die Öffnung für die Haflinger. Bis dahin waren die Haflinger nur im April und im Oktober am Rennplatz präsent. Jetzt nehmen sie fast jeden Sonntag an den Pferderennen teil, es sei denn, sie weiden auf der Alm. Wir haben mit ihnen ein wunderbares Verhältnis.<BR /><b><BR />Warum dann der Wechsel?</b><BR />Martone: Wegen neuer Energie. Mein Vater und ich verstehen uns aus dem Bauch heraus, ohne viele Worte. Und wir sind, was den Pferderennplatz angeht, ein bisschen verrückt. Das mussten wir sein, um 2013 nach dem Konkurs der Meran Mais AG den Pferderennplatz zu übernehmen. Mein Vater befürchtete damals, dass der Pferderennplatz geschlossen und danach nicht mehr wiedereröffnet werden könnte.<BR /><BR /><b> Die deutsche Bevölkerungsgruppe hat den Pferderennplatz lange als fremde, italienische Domäne wahrgenommen.</b><BR />Martone: Ja, das stimmt. Es gab aber nicht nur diese Grenze zwischen Deutschen und Italienern, sondern auch ein Teil der italienischen Sprachgruppe hatte das Gefühl, dass der Pferderennplatz nur einem gewissen Zirkel vorbehalten ist. Im Laufe der Jahre hatte sich auch ein Gefühl der Traurigkeit und einer generellen Entfremdung breitgemacht. Der Lack war ein wenig ab. Daher dieser Antrieb meines Vaters, den Pferderennplatz wieder mit Leben zu füllen. Detail am Rande: In unserer Gesellschaft mit 20 Mitgliedern sind Italiener, Deutsche und Schweizer vertreten. Das Ansinnen ist, den Rennplatz zu öffnen, die Menschen hereinzulassen – nicht auf die Rennbahn, aber ins Drumherum. Eine Bar ist ganzjährig geöffnet, wir haben eine Pony-Schule und Hippotherapie. Und wir haben die Führungen initiiert. Damit Menschen, das sehen können, was man von außen nicht sieht. Diese haben uns an die deutsche Bevölkerung herangeführt.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Martone: Es sind sehr viele Touristen, die die Führungen mitmachen und von denen wir viel positives Feedback bekommen. Sie geben es auch an die Hotelbetreiber weiter und das sind meist Deutschsprachige. <BR /><BR /><b> Apropos Deutsch-Italienisch: Jetzt ist das Land Mehrheitseigner des Pferderennplatzes. Das war von der italienischen Rechten nicht gern gesehen. Was sagen Sie?</b><BR />Martone: Wir halten uns aus der Politik draußen und ich bin sehr glücklich, dass das Land eingestiegen ist. Jetzt sind die Voraussetzungen da, dass in den Pferderennplatz investiert wird. Und ich muss sagen, dass mich sehr gefreut hat, dass allseits – Politik, Wirtschaftstreibende und Gesellschaft – die Wichtigkeit und das Potenzial des Pferderennplatzes als einzigartige Einrichtung mit internationalem Charakter anerkannt wurden.<BR /><BR /><b> Ihr Wunsch für den Pferderennplatz in zehn Jahren?</b><BR />Martone: Dass der Pferderennplatz ein beliebter und insofern alltäglicher Treffpunkt für die Meraner und Südtiroler wird. Dass wir gemeinsam stolz sind, diesen einzigartigen Ort zu haben und er voller Leben ist. <BR /><b><BR />Woher Ihre Passion für die Pferde?</b><BR />Martone: Die wurde mir in die Wiege gelegt. Ich denke, ich war schon im Bauch meiner Mutter das erste Mal am Pferderennplatz. Mein neapolitanischer ,Nonno‘ Giuseppe war bereits ein Pferdenarr. Als mein Vater beruflich und privat in Meran Wurzeln geschlagen hat – meine Mutter ist Boznerin, von der Familie Buratti –, hielt es der ,Mann des Meeres‘ nur schwer länger in Meran aus, zum Leidwesen meiner ,Nonna‘ . Also haben wir ein Pferd gekauft und die „Scuderia Allegria“ war geboren. Von da an blieb der ,Nonno‘ sechs, sieben Monate im Jahr in Meran – viel am Pferderennplatz. Die Pferde haben sozusagen unsere Familie wieder vereint. Mit unserem Engagement in der Meran Galopp versuchen wir etwas davon dem Pferderennplatz zurückzugeben.<BR /><BR /><b>Wirft die GmbH etwas ab?</b><BR />Martone: Nein, wir arbeiten im Prinzip ehrenamtlich. Nur darf man als Ehrenamtsverein keinen Pferderennplatz betreiben, das ist gesetzlich so geregelt. Also sind wir eine Gesellschaft, die aber keine Vergütungen auszahlt und keine Gewinne ausschüttet.