<b>Herr Karmacharya, Sie koordinieren derzeit Hilfseinsätze vor Ort. Welche Nachrichten erreichen Sie aus den Katastrophengebieten?</b><BR />Dr. Biraj Karmacharya: In den betroffenen Gebieten laufen die Rettungsmaßnahmen auf Hochtouren. Dennoch konnten mehrere Regionen noch immer nicht erreicht werden und das Schicksal von fast 1.000 Menschen ist nach wie vor ungewiss. Bislang wurden rund 490 Todesfälle bestätigt.<BR /><BR /><b>Warum gestaltet es sich so schwierig, zu den Menschen vorzudringen?</b><BR /> Dr. Karmacharya: Schlamm, Wasser und gewaltige Mengen an Trümmern bedecken weite Teile der überfluteten Gebiete. Dadurch ist die Suche nach Überlebenden, aber auch nach Toten, massiv eingeschränkt. Viele Straßen sind nicht mehr befahrbar oder sogar vollständig zerstört. Bestimmte Gebiete können deshalb nur noch per Hubschrauber erreicht werden.<BR /><BR /><b>Das Dhulikhel Hospital arbeitet seit Jahren eng mit Südtiroler Ärzte für die Welt zusammen. Welche Rolle übernimmt das Krankenhaus?</b><BR />Dr. Karmacharya: Das Dhulikhel Hospital selbst ist nicht direkt betroffen, und bisher wurden keine Patienten aus den Katastrophengebieten zu uns gebracht. Unser Team ist aber direkt vor Ort. Gleichzeitig befindet sich das Krankenhaus in Bereitschaft, falls Verletzte zur weiteren Behandlung zu uns gebracht werden müssen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1352838_image" /></div> <b>Die Rettung hat absolute Priorität. Was brauchen Menschen und Helfer jetzt vor Ort?</b><BR />Dr. Karmacharya: Neben dem Zugang zu den betroffenen Regionen stellt auch die Bergung der Toten eine Herausforderung dar. Es werden dringend Leichensäcke und Kühlräume benötigt, um die Leichen bis zur Identifizierung aufzubewahren. In vielen Gebieten fehlt es außerdem am Nötigsten: an Unterkünften, Trinkwasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Regelmäßige medizinische Versorgung und Medikamente sind zudem unerlässlich.<BR /><BR /><b>Doch auch nach der Flut ist die Gefahr noch nicht vorbei...</b><BR />Dr. Karmacharya: Jetzt müssen wir vor allem verhindern, dass sich Krankheiten wie Cholera ausbreiten. Wir versuchen, betroffene Gebiete frühzeitig zu identifizieren und dort entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Der Wiederaufbau der Infrastruktur ist wichtig, steht angesichts der akuten Situation aber zunächst im Hintergrund.<BR /><BR /><b>Berichten zufolge hat sich ein See hinter den Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut. Droht möglicherweise schon die nächste Katastrophe?</b><BR />Dr. Karmacharya: Es scheint auch weiterhin Überschwemmungsgefahr zu bestehen, Genaueres wissen wir aber zu diesem Zeitpunkt nicht.