Die scheidenden Koordinatorinnen Dr. Donatella Arcangeli und Dr. Andreas Huber konnten bei der Gelegenheit einen beeindruckenden Tätigkeitsbericht liefern. Seit seiner Gründung 2018 hat das Netzwerk eine landesweite Kinderpsychiatrie mit kompetenter Leitung genauso aufgebaut wie eine geeignete psychologische und psychiatrische Betreuung für Menschen mit Beeinträchtigung und für Flüchtlinge.<BR /><BR /> Eine eigene Betreuungslandschaft für Patienten mit Autismus Spektrum Störungen konnte geschaffen werden. Große Schritte hin zur Entwicklung einer autonomen Schulpsychologie sind gelungen. Auch das Berufsbild des Basispsychologen, der den Gemeindearzt ergänzen soll, ist in Entstehung – übrigens in ganz Italien, das auf diese Weise aus der Coronakrise eine Lehre zieht. Im April 2023 konnte die Einsatzleitung PSYHELP zur Bewältigung der Coronakrise zwar aufgelöst werden, aus der dramatischen dreijährigen Erfahrung entstand aber das Psychologische Krisentelefon 800101800.<BR /><BR />Auch haben alle 13 Organisationen des Netzwerks einen Bereitschaftsdienst während ihrer Öffnungszeiten errichtet. Der 24-Stunden-Bereitschaftsdienst in der Kinderpsychiatrie ist ausgebaut worden – in der Erwachsenenpsychiatrie besteht er seit 25 Jahren. <BR /><BR />Noch 2020 wurde innerhalb weniger Wochen die Website <a href="https://www.dubistnichtallein.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.dubistnichtallein.it</a> geschaffen, die allen Interessierten einfache Handlungsweisen gegen Angst, Erschöpfung, Grübeln, Schlaflosigkeit, Aggressivität und Suchtverhalten gibt, und im Falle des Scheiterns dieser Vorkehrungen auf Angebote für den Notfall, klinische Dienste oder Beratungseinrichtungen verweist. <BR /><BR />PSYNET hat auch die Entwicklung des Netzwerks Suizidprävention vorangetrieben, inzwischen werden flächendeckend Psychische Erste-Hilfe-Kurse angeboten, Fachleute und Laien geschult, Podiumsdiskussionen abgehalten und Filme wie „Lichter im Chaos“ gezeigt, jährlich Fachtagungen abgehalten. All das fließt in den neuen Suizidpräventionsplan ein, der in Kürze der Politik vorgestellt wird.<BR />In Meran wird seit 2021 ein vollkommen neues Team zur Behandlung von Essstörungen unter der Leitung von Margit Coenen aufgebaut.<BR /><BR /> In Bozen ist seit April 2022 das Zentrum für Essstörungen Villa Eea zunehmend aktiv – es ist gerade noch rechtzeitig eröffnet worden, denn Essstörungen haben seit der Coronakrise um fast 30 Prozent zugenommen. Das Netzwerk für Essstörungen EATNET spürt diesen Ansturm und muss immer enger kooperieren, auch über gemeinsame Fortbildungen mit nationalen Fachleuten zusammenwachsen. <BR /><BR />Die Zusammenarbeit mit den Familienberatungsstellen – das sind 6 verschiedene Organisationen in Südtirol – ist vereinheitlicht worden, genauso wie die Verflechtung zwischen Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September und der Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober werden inzwischen in Südtirol unter der Ägide von PSYNET begangen, mit Infokampagnen, Fachtagungen, aber auch kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen, die das Tabu um die psychische Gesundheit aufbrechen sollen. Niemand soll sich mehr einer psychischen Krankheit schämen müssen. <BR /><BR />Zur Gewährleistung einer Rotation, werden die Koordinator:innen des Netzwerkes Psychische Gesundheit alle zwei Jahre neu gewählt. Bei der Wahl der neuen Koordinatoren entfielen 14 von 17 Stimmen auf die Psychologin Bettina Meraner, Chefin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen Bozen, und 13 auf den Arzt Roger Pycha, Primar der Psychiatrie Brixen. <BR /><BR />Damit koordinieren zwei sehr erfahrene und engagierte Fachleute die Arbeiten des Netzwerks für die kommenden zwei Jahre. Den Auftrag, das Sekretariat von PSYNET zu übernehmen, hat Barbara Klotz, geschäftsführende Direktorin des Psychologischen Dienstes Meran, sofort entgegenkommend angenommen. <BR /><BR />Sanitätsdirektor Dr. Josef Widmann hat dem Netzwerk längst sein höchstes Kompliment ausgesprochen – er hat es 2023 als dritte Organisationsform neben den Departments und den verbindlichen Kooperationen im Gesundheitsbetrieb eingeführt. Netzwerke können flexibler als hierarchische Organisationen auf Veränderungen reagieren und spontaner handeln – so arbeitet nämlich auch unser Gehirn.