Sonntag, 26. April 2015

Neue Demonstrationen in Baltimore

Bei Protesten in der US-Großstadt Baltimore nach dem Tod eines Schwarzen in Polizeigewahrsam ist es am Samstag zu Krawallen gekommen. Demonstranten warfen am Samstag Steine auf Polizeiwagen und Geschäfte. Zunächst hatten bis zu zweitausend Menschen friedlich an der Kundgebung in Baltimore teilgenommen, bei der Gerechtigkeit für den 25-jährigen Freddie Gray gefordert wurde.

In Baltimore gingen die Menschen nach Freddie Grays Tod auf die Straßen.
In Baltimore gingen die Menschen nach Freddie Grays Tod auf die Straßen. - Foto: © APA/EPA

Die Menge versammelte sich vor dem Rathaus in Baltimore. Redner forderten US-Präsident Barack Obama auf, eine nationale Untersuchung zu Polizeigewalt einzuleiten. „Das muss aufhören. Das muss wirklich aufhören, denn es hätte jeder von uns sein können“, sagte ein entfernter Verwandter Grays.

Die zunächst bis zu 300 Demonstranten waren von dem Wohnblock, in dem Gray festgenommen wurde, bis zu einer Polizeiwache gelaufen. Dabei skandierten sie „Ohne Gerechtigkeit kein Frieden“. Im Laufe des Marsches schwoll die Zahl der Teilnehmer immer weiter an.
Die Lage eskalierte, als mehrere dutzend junge Demonstranten zum Camden Yards-Baseballstadion weiterzogen. Örtliche Fernsehsender zeigten Hubschrauberaufnahmen von der Menge, die Flaschen und Abfalleimer auf Polizisten warf. „Die Demonstranten schmeißen jetzt Fenster ein und werfen Gegenstände auf uns“, erklärte die Polizei von Baltimore im Kurznachrichtendienst Twitter. Zugleich rief sie die Bevölkerung auf, die Ruhe zu bewahren.

Die Randalierer schlugen auch die Schaufenster von Geschäften ein, plünderten einen kleinen Supermarkt und blockierten Straßenkreuzungen, wie der Sender WBAL berichtete. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass die Scheiben von fünf Polizeiwagen zerstört wurden, bevor Spezial-Sicherheitskräfte einschritten. Zwölf Menschen wurden festgenommen, wie Polizeivertreter Anthony Batts sagte.

Grays Zwillingsschwester Fredericka rief die Demonstranten zur Ruhe auf. „Bitte, bitte hört auf mit der Gewalt. Freddie würde das nicht wollen“, sagte sie an der Seite von Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Diese äußerte sich „tief enttäuscht“ über die Unruhen, für die sie eine „kleine Gruppe von Agitatoren“ verantwortlich machte.

Gray war am vergangenen Sonntag, eine Woche nach seiner Festnahme, an Rückenmarksverletzungen gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse vom 12. April ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handy-Video von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

apa/afp/reuters

stol