Dienstag, 14. Juli 2015

Neue E-Werke: Die Hälfte der Gewässer ist tabu

Am Dienstag hat die Landesregierung die Kriterien für die Ausweisung sensibler Gewässer beschlossen. "Es ist uns gelungen, eine Balance zwischen Schützen und Nützen zu finden", zeigt sich der zuständige Energie- und Umweltlandesrat Richard Theiner zufrieden.

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Foto: © D

4800 öffentliche Fließgewässer gibt es in Südtirol. Ein großer Teil davon hat ein Einzugsgebiet von unter sechs Quadratkilometern und kommt für die hydroelektrische Nutzung von vornherein nicht in Frage.

Bei der Erstellung der Kriterien für die Ausweisung sensibler Gewässer hat das Landesamt für Gewässerschutz jene 420 Gewässer untersucht, die über ein Einzugsgebiet von über sechs Quadratkilometer verfügen.

Die Bestimmungen gelten nur für neue sowie bereits eingereichte und im Zuge des Genehmigungsverfahrens noch zu veröffentlichende E-Werksprojekte.

213 von 420 von Nutzung ausgeschlossen

Nach Einstufung der insgesamt 420 Gewässer mit einem Einzugsgebiet von über sechs Quadratkilometern ergibt sich folgendes Bild:

  • 213 Gewässer sind als besonders sensible Gewässer eingestuft worden und damit von einer neuen hydroelektrischen Nutzung ausgeschlossen;
  • 74 Gewässer sind als sensibel eingestuft worden, nachdem diese einen sehr guten ökologischen Zustand aufweisen; neue Ableitungen für die hydroelektrische Nutzung sind nur zulässig, wenn der sehr gute ökologische Zustand erhalten werden kann;
  • 109 Gewässer wurden als potentiell sensibel eingestuft. Eine zusätzliche energetische Nutzung dieser Gewässer ist nur möglich, wenn durch das neue E-Werk eine Verbesserung des gewässerökologischen Zustandes gegeben ist und der gute ökologische Zustand beibehalten werden kann.
  • 24 Gewässer wurden als gering sensibel eingestuft und sind für eine neue hydroelektrische Nutzung vermutlich geeignet. Diese ist im umwelttechnischen Genehmigungsverfahren zu bestätigen.

Theiner: „Potential weiter vorhanden“

"Wir haben uns in der Landesregierung für einen ausgewogenen Schutz der Gewässer mit Qualitätszielen ausgesprochen. Potential für die Nutzung der Wasserkraft ist aber auch in Zukunft noch vorhanden", resümiert Landesrat Richard Theiner.

Dieses Potential liege im Ausbau, in der Zusammenlegung und in der Verbesserung bestehender Werke. Auch der Bau von neuen E-Werken ist nicht ausgeschlossen, die ökologische Verträglichkeit muss jedoch nachgewiesen werden. Zudem können Anlagen für die Beregnung und das Trinkwasser im Rahmen der vorgeschriebenen Restwassermengen energiewirtschaftlich genutzt werden.

stol