Dienstag, 26. Juni 2018

Neue Rechte für Pauschalreisen

Am 1. Juli 2018 tritt in der ganzen EU eine neue Pauschalreiserichtlinie in Kraft. Das Ziel, den Schutz für Urlauber umfassender und moderner zu gestalten, sorgt allerdings auch für mehr Komplexität.

In der ganzen EU tritt ab 1. Juli 2018 eine neue Pauschalreiserichtlinie in Kraft.
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In der ganzen EU tritt ab 1. Juli 2018 eine neue Pauschalreiserichtlinie in Kraft. - Foto: © shutterstock

„Der Begriff Pauschalreise wird nun um einiges umfangreichen und komplexer“, erklärt Monika Nardo vom Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Bozen. Bislang hat der Reisende einfach aus einem Katalog oder der Webseite eines Reiseveranstalters ein fertiges Paket ausgewählt und gebucht.

Begriff Pauschalreis neu definiert

Jetzt hingegen beinhaltet die Definition auch individuell auf den Verbraucher zugeschnittene Kombinationen, so zum Beispiel die sogenannten Durchklick-Buchungen, die von mehreren Fluggesellschaften online angeboten werden.

Durchklick-Buchungen in der Praxis

Hier ein Beispiel: Der Reisende bucht auf der Webseite der Fluggesellschaft einen Flug von Verona nach London, klickt auf den Buchungsbutton und bezahlt mit Kreditkarte. Unmittelbar darauf wird ihm auf der Webseite noch ein Mietwagen angeboten. Er bucht diesen noch dazu, ohne seine Daten nochmals angeben zu müssen, denn diese werden automatisch von der Airline an das Mietwagenunternehmen weitergeleitet. Ab 1. Juli wird dieser Vorgang als Pauschalreise angesehen, Reiseveranstalter ist dabei die Airline.

Neue Standardformulare vorbereitet

Die Südtiroler Reisebüros haben die vom Gesetz vorgeschriebenen Standardformulare vorbereitet. Mit diesen wird der Kunde unter anderem vorab über den Versicherungsschutz bei Zahlungsunfähigkeit oder Konkurs des Veranstalters oder Vermittlers informiert.

Die Insolvenzversicherung garantiert die Rückerstattung der bezahlten Beträge für den Kauf der Pauschalreise sowie die eventuell notwendige Rückführung, sowie gegebenenfalls die Bezahlung von Lebensmitteln und Unterkünften vor der Rückführung.

Verjährungsfrist auf zwei Jahre ausgedehnt

Auch bei Reklamation im Fall von Nichterfüllung oder Reisemängel ändert sich ab 1. Juli einiges. „Die Pflicht der schriftlichen Reklamation an den Reiseveranstalter innerhalb von 10 Arbeitstagen nach der Rückkehr gibt es bei den neuen Verträgen nicht mehr“, erklärt Barbara Klotzner vom EVZ. „Außerdem wurde die Verjährungsfrist für die gerichtliche Geltendmachung der Ansprüche von einem auf zwei Jahre ausgedehnt.“

Bei Probleme Veranstalter kontaktieren

Für die Geltendmachung des Schadens aus entgangener Urlaubsfreude gilt sogar die selbe Frist von drei Jahren, wie bei Personenschäden. Die Pflicht, den Veranstalter direkt oder über das Reisebüro, welches zur Weiterleitung des Meldung verpflichtet ist, unverzüglich bei eventuellen Problemen die während der Reise auftreten zu kontaktiern, bleibt.

„Der Reisevertrag muss aus diesem Grund die Kontaktdaten des Vertreters des Reiseveranstalters vor Ort, einer Kontaktstelle oder eines anderen Dienstes, an die sich der Reisende wenden kann, um mit dem Reiseveranstalter rasch in Verbindung zu treten und effizient mit ihm zu kommunizieren, enthalten.“

Gänzlich neu ist die Pflicht im Vertrag Informationen zu bestehenden internen Beschwerdeverfahren und zu alternativen Streitbeilegungsverfahren (ADR – Alternative Dispute Regulation) und zur Online-Streitbeilegungsplattform (ODR) vorzusehen.

stol

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