In einer teilweise hitzigen, aber dennoch respektvoll geführten Debatte wurden die unterschiedlichen Standpunkte zu den neuen Schutzhüttenprojekten in Südtirol offensichtlich und auch und Denkimpulse gegeben.Architekt Paolo Bellenzier erläuterte in Vertretung des Ressortdirektors für Bauten, Josef March, die drei wichtigsten Vorgaben für die Planer: Funktionalität, Anpassung ans Gelände und Wirtschaftlichkeit. Das Ziel des Planungswettbewerbs mit jeweils acht geladenen Architekten aus Südtirol sei es gewesen, für jede der drei Hütten die beste Lösung zu finden. Dieses Ziel sei erreicht worden. "Hütten müssen funktionieren"Erwin Altstätter, seit vielen Jahren Chef der Martellerhütte, erklärte, die Siegerprojekte seien zwar nicht unbedingt nach seinem Geschmack, wichtig sei aber, dass die Hütten funktionierten und möglichst lange hielten. In diesem Sinne forderte er das Land auf, bei der Bauausführung nicht am falschen Ort zu sparen, aber auch noch Geld für die Renovierung der anderen Schutzhütten zu reservieren. "Einfachheit, Klarheit und Funktionalität"Auch für die Alpinredakteurin Ulrike Huber zählt vor allem, dass die Schutzhütten die Bedürfnisse der Bergsteiger erfüllen, und nicht, ob sie jedermann von Anfang an als schön empfinde. Hermann Taber meinte dagegen: „Die Berge sind unser Wohnzimmer. Und dort wollen wir Südtiroler und unsere Gäste diese moderne Architektur nicht.“ Etwas differenzierter die Meinung des Schützenkommandanten Elmar Thaler: „Neue Schutzhütten sollten den traditionellen Baustil weiterentwickeln, aber nicht ganz mit dem Althergebrachten brechen. Dann würden sie auch größere Akzeptanz finden.“ Dagegen konterte Architekt Georg Klotzner: „Unsere Projekte haben mit den alten Schweigen und Almhütten mehr gemeinsam – Einfachheit, Klarheit und Funktionalität – als viele in den letzten Jahren im sogenannten Tirolerstil gebauten Almhütten.“ "Innovation von heute wird einmal gute Tradition werden"Thomas Aichner, Touristikmanager und passionierte Bergsteiger, erklärte, dass es bei dieser Debatte letztendlich um das richtige Verständnis von Tradition gehe. Die Innovation von vorgestern sei die Tradition von heute, die Innovation von heute werde einmal gute Tradition werden. So sei die vor 100 Jahren ungewöhnliche Tätigkeit eines Bergführers inzwischen ein Beruf mit Tradition geworden. Aichner äußerte sich auch skeptisch gegenüber der Aussage, man müsse sich nach dem Geschmack der Gäste richten, und zitierte Henry Ford „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.""Land sind enge Grenzen gesetzt"In der anschließenden Diskussion äußerten die zahlreich anwesenden Kritiker der neuen Projekte die Gefühle und Bedenken jener Südtiroler, die sich mit dieser modernen Architektur im Gebirge nicht anfreunden können und denen vor allem die äußere Form und das „Mantele“ nicht gefällt. Mehrere Architekten unterstrichen dagegen, dass im alpinen Gelände weiterhin die Landschaft der Protagonist bleibe.Sie durchwegs aus Massivholz gebauten und großteils mit Metall verkleideten neuen Schutzhütten hätten einzig die Funktion, weithin gesehen zu werden und Schutz vor Wind und Wetter, ein warmes Essen und eine angenehme Unterkunft zu bieten. Hans-Peter Santer, für den Bau der Schwarzensteinhütte verantwortlicher Landesbeamter, erklärte, dass dem Land bei solchen Bauten aufgrund der strengen Brandschutzbestimmungen u.a. bei der Verwendung von Lärchenschindeln enge Grenzen gesetzt seien. Er berichtete, dass er bei seinen vielen Aufenthalten in Schutzhütten sowohl von Hüttenwirten wie von Einheimischen immer wieder ermuntert werde, diese Hüttenprojekte trotz aller Kritik voranzutreiben und zu realisieren. Und Thomas Aichner schloss mit dem Satz „Ich vertraue der Kompetenz der Jury, die diese Siegerprojekte ausgewählt hat, und bin überzeugt, dass die Südtiroler und ihre Gäste diese neuen Hütten über kurz oder lang lieben werden.“