„Dies reicht nicht annähernd an die Ambition heran, die wir bei der Emissionsminderung brauchen“, erklärte EU-Kommissar Wopke Hoekstra. Die französische Ministerin für ökologischen Wandel, Monique Barbut, sagte, fossile Energien seien zu mehr als 80 Prozent für den Klimawandel verantwortlich. Diese in dem Beschlusstext nicht zu erwähnen, sei daher eine „unbegreifliche Unterlassung“ mitten in der Klimakrise. Nach einer kurzen Ansprache der COP-Präsidentschaft im Plenum am Vormittag brasilianischer Zeit liefen die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen weiter.<BR /><BR />Beobachter der Verhandler erzählten der APA, dass es sehr unklar sei, wie es nun weitergehen könnte. Selbst eine COP ohne Einigung sei denkbar. In einzelnen Arbeitsgruppen sollen nun noch einmal Kompromisse erarbeitet werden. Eine Arbeitsgruppe solle aber etwa nur geführt werden, um zu besprechen, welche Themen überhaupt behandelt werden sollen. Auch über die Vorsitzführung gab es Diskussionen.<h3> „Kampf gegen die Klimakrise kann ohne Ausstieg aus der fossilen Ära zwecklos“</h3>Denn nicht nur die EU und der mächtige Block um Länder wie Kanada, Japan, Australien oder Norwegen, sondern auch mehrere andere Fraktionen, wie etwa die Allianz der kleinen Inselstaaten, die Unabhängige Vereinigung von Lateinamerika und der Karibik oder die am wenigsten entwickelten Länder, könnten dem Entwurfstext nicht zustimmen. Die brasilianische Präsidentschaft habe sich laut Angaben aus gut informierten Kreisen verkalkuliert: Die Brasilianer mit ihrer Vorsitzführung hätten sich im Vorfeld zwar die Zustimmung des mächtigen Saudi-Arabiens und von Chinas gesichert, aber nicht die der anderen Länder. Laut Beobachtern wird vor Samstag mit keinem neuen Entwurfstext gerechnet.<BR /><BR />„Niemand kann ernsthaft erwarten, dass wir den Kampf gegen die Klimakrise gewinnen, wenn wir ausgerechnet den Kern des Problems, den Ausstieg aus der fossilen Ära, ausklammern“, sagte die EU-Abgeordnete Lena Schilling (Grüne) vor Ort. Jetzt müssten sich wirklich alle zusammenreißen. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) war laut eigenen Angaben aus Termingründen bereits abgereist. „Es wirkt so, als würde der Klimaschutz nur auf den Schultern der EU und wenigen weiteren westlichen Staaten liegen. Das ist aus Sicht Österreichs und der Europäischen Union nicht akzeptabel“, teilte Totschnig schriftlich mit.<h3> „Ein Beschluss ohne klaren Fahrplan wäre eine komplette Bankrotterklärung dieser Konferenz“</h3>„Ein Beschluss ohne klaren Fahrplan wäre eine komplette Bankrotterklärung dieser Konferenz und gefährdet unsere gemeinsame Klimasicherheit massiv. Selbst ein buchstäbliches Feuer am Gelände ließ die fossilen Blockierer eiskalt“, teilte NEOS-Europaabgeordnete Anna Stürgkh mit.<BR /><BR />Verfechter eines Fahrplans zum Ausstieg aus fossilen Energien waren unter anderem Deutschland samt Unterstützung aus Österreich sowie einige Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels infolge der Erderwärmung besonders betroffen sind. Diese rund 30 Staaten hatten zuvor damit gedroht, einem Beschluss ohne einen Fahrplan für eine Abkehr von fossilen Energieträgern nicht zuzustimmen. Sie legten dies in einem Brief an die brasilianische COP30-Präsidentschaft dar.<BR /><BR />Die Unterzeichner äußern in dem Schreiben „tiefe Besorgnis hinsichtlich des Vorschlags, der gegenwärtig geprüft wird“ und nach dem Prinzip „Nehmt es oder lasst es“ verfahre.<h3> „Vorschlag erfüllt nicht einmal die Minimalbedingungen für ein glaubwürdiges Ergebnis der COP“</h3>„Lassen Sie uns ehrlich sein: In seiner jetzigen Form erfüllt der Vorschlag nicht einmal die Minimalbedingungen für ein glaubwürdiges Ergebnis der COP“, kritisierten die rund 30 Staaten in Ihrem Brief. „Wir können kein Ergebnis unterstützen, das keinen Fahrplan für die Umsetzung eines gerechten, geordneten und fairen Übergangs weg von fossilen Energieträgern enthält.“<BR /><BR />Dieser Fahrplan war ursprünglich von Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva vorgeschlagen worden und eines der zentralen Verhandlungsthemen der zweiwöchigen Verhandlungen bei der UNO-Klimakonferenz. Am Mittwoch hatte Lula allerdings bei einem Besuch am Konferenzort gesagt, die Länder sollten den Ausstieg aus den klimaschädlichen Energien entsprechend ihrer „Möglichkeiten“ vollziehen. Dies solle erfolgen, „ohne irgendjemandem etwas vorzuschreiben, ohne eine Frist festzulegen“.<BR /><BR />Auf der aktuellen COP schlugen indes die Wogen seit Freitagvormittag hoch: „Die neuen Textentwürfe sind inakzeptabel und bringen uns kein Stück weiter im Kampf gegen die Klimakrise“, kritisierte Jasmin Duregger, Klimaexpertin Greenpeace Österreich.<h3> Zweifel aufgekommen an Weltklimakonferenzen</h3>Generell sind in den vergangenen Jahren zunehmend Zweifel aufgekommen, ob die Weltklimakonferenzen, auf denen Beschlüsse einstimmig gefasst werden müssen, der Eskalation der Klimakrise schnell genug etwas entgegensetzen können. Koalitionen williger Länder werden als mögliche Alternative diskutiert.<BR /><BR />Die Klimakonferenz sollte formell am Freitag enden, eine Verlängerung ist außer Frage. Ein durchaus ambitionierter Start mit viel Tempo prägte den ersten Teil der zweiten Verhandlungswoche. Doch auch der Brand am COP-Gelände am Donnerstag samt Evakuierung brachte den Zeitplan - neben den inhaltlichen Differenzen - schwer ins Wanken. Zu lange darf die Klimakonferenz aber nicht mehr dauern - eine ausreichende Anzahl an Mitgliedsländern muss noch vor Ort anwesend sein, um im Plenum abstimmen zu können. Und viele Delegationen haben ab Freitagabend ihre Rückreise geplant.