Sonntag, 08. März 2020

Neues Dekret zum Coronavirus: Das ändert sich für Südtirol

In der Nacht auf Sonntag hat Ministerpräsident Giuseppe Conte ein neues Dekret unterzeichnet, mit dem die Lombardei und 14 weitere Gebiete zur Sperrzone erklärt wurden. Auch landesweite Maßnahmen sind darin formuliert, die auch für Südtirol gelten.

Ministerpräsident Giuseppe Conte hat in der Nacht auf Sonntag das Dekret unterzeichnet.
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Ministerpräsident Giuseppe Conte hat in der Nacht auf Sonntag das Dekret unterzeichnet. - Foto: © ANSA / PALAZZO CHIGI
Das 12 Seiten lange Dekret, das am heutigen Sonntag in Kraft tritt und bis 3. April gültig ist, beinhaltet 5 Artikel.

Artikel 1 enthält, wie berichtet, verschärfte Maßnahmen, die ausschließlich in gewissen Gebieten gelten.

Dazu gehören neben der gesamten Lombardei auch die Provinzen von Modena, Parma, Piacenza, Reggio Emilia, Rimini, Pesaro und Urbino, Alessandria, Asti, Novara, Verbano Cusio Ossola, Vercelli, Padua, Treviso und Venedig.

Südtirol: Kinos, Museen und Theater bleiben zu

Artikel 2 des Dekrets hingegen enthält Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die für alle restlichen Provinzen gelten, auch für Südtirol.

So müssen sämtliche Kongresse und Tagungen bis auf Weiteres verschoben werden, ebenso Kundgebungen, Events sowie Vorstellungen, etwa im Theater und im Kino.

Auch Museen und andere kulturelle Einrichtungen müssen bis 3. April geschlossen bleiben.

Keine Messen, Beerdigungen nur im engsten Kreis

Zivilrechtliche und religiöse Zeremonien sind bis 3. April ausgesetzt.

Entgegen erster Meldungen hat die Diözese Bozen-Brixen verfügt, dass Beerdigungen weiterhin stattfinden dürfen, allerdings nur im engsten Kreis.

Einkaufszentren dürfen weiterhin geöffnet bleiben, die Verantwortlichen müssen allerdings dafür sorgen, dass der empfohlene Mindestabstand von einem Meter zwischen Personen eingehalten werden kann.

Diskos und Pubs müssen schließen, Bars und Restaurants dürfen offen bleiben

Diskotheken, Pubs, Tanzsäle, Spielhallen und ähnliche müssen bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Wie HVG-Präsident Manfred Pinzger gegenüber STOL erklärt, betreffe die Schließung nur Pubs, die als solche in der Lizenz eingetragen sind.

Jene Diskotheken, die Mitglieder beim HGV sind, hätten die neuen Maßnahmen bereits in der Nacht auf Sonntag befolgt und nicht geöffnet, so Pinzger.

„Die Verabreichung von Speisen und Getränken in Restaurants, Bars und Cafès kann weiterhin durchgeführt werden. Der Betreiber muss allerdings dafür Sorge tragen, dass der Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Gästen eingehalten wird. Bei Missachtung dieser Vorschriften wird die Schließung des Betriebes angeordnet. Die Öffnungszeiten von Bars, Cafès und Restaurants in Südtirol bleiben unverändert“, schreibt der Hoteliers- und Gastwirteverband zudem in einer Aussendung.

Sport ja, aber nur mit Mindestabstand

Sportveranstaltungen dürfen nur hinter geschlossenen Türen und ohne Publikum stattfinden.

Sportliche Betätigung in Turnhallen, Schwimmbädern, Sportzentren und Fitnessräumen ist nur dann gestattet, wenn ein Mindestabstand von einem Meter gewährleistet werden kann.

Es wird empfohlen, auf Gruppensport zu verzichten und Einzelsportarten zu bevorzugen.

Schulen weiterhin bis 15. März geschlossen

Die Schließung bzw. Unterbrechung der Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten und Universitäten sowie Fortbildungen bis 15. März bleibt aufrecht, selbes gilt für Schulausflüge bis 3. April.

Arbeitgebern wird angeraten, ihren Angestellten Ausgleichszeit oder Urlaub zu genehmigen.

In Artikel 2, Absatz p) wird Begleitpersonen von Kranken bzw. Verletzten verboten, sich im Wartesaal der Ersten Hilfe oder der Notaufnahme aufzuhalten, es sei denn mit Genehmigung des Sanitätspersonals vor Ort.

Angehörige und Besucher von Langzeitpflegeeinrichtungen, betreuten Wohneinrichtungen, Hospizen, Rehabilitationseinrichtungen und Seniorenheimen dürfen ihre Angehörigen nur besuchen, falls die ärztliche Leitung der Einrichtung ihre Einwilligung dazu gibt.

Personen, denen häusliche Isolation (Quarantäne) auferlegt wurde oder die positiv auf das Virus getestet wurden, dürfen ihre Wohnung oder ihren Wohnsitz nicht verlassen.

Hinweise und Ratschläge in Artikel 3

Artikel 3 des Dekrets beinhaltet informative Maßnahmen und Ratschläge.

So wird Personen mit Atembeschwerden oder Fieber ab 37,5 Grad geraten, zu Hause zu bleiben und Menschenansammlungen zu vermeiden.

Generell sollten Menschenansammlungen im öffentlichen wie im privaten Bereich vermieden werden, nicht nötige Gänge und Fahrten seien zu unterlassen.

Ältere Menschen oder Personen, die an chronischen Krankheiten oder Mehrfacherkrankungen leiden, sind dringlich dazu angehalten, ihr Zuhause nur im Falle äußerster Notwendigkeit zu verlassen und, sollte dies doch erfolgen müssen, immer einen Abstand von einem Meter zu anderen Personen einzuhalten.

In Artikel 4 erklärt sich der Präfekt dafür verantwortlich, die Einhaltung der obengenannten Maßnahmen zu kontrollieren und eine Nichteinhaltung gegebenenfalls zu sanktionieren.

Artikel 5 beinhaltet abschließende Erläuterungen, etwa die Gültigkeit des Dekrets bis 3. April und dass es auch für Regionen mit Sonderautonomien, wie etwa Trentino und Südtirol, gilt.

Für allgemeine Informationen steht wie immer die Grüne Nummer 800 751 751 täglich von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung.

Das gesamte Dekret im Anhang:



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liz