Im Interview schildert sie ihre Anerkennungs-Odyssee. <BR /><BR /><BR /><b>Frau Kuen, Sie sind nun schon seit mehreren Jahren in der Schweiz als Neurologin tätig und somit eine jener bestens ausgebildeten medizinischen Fachkräfte, die man händeringend gerne in Südtirol hätte. Das Stichwort Brain Drain ist ja in aller Munde ...</b><BR />Dr. Doris Kuen: Ja, davon habe ich natürlich gehört. Tatsächlich ist es in meinem Fall so, dass ich mit einer Rückkehr nach Südtirol liebäugeln würde, aber leider geht mit der Anerkennung meiner Titel bei der zuständigen Behörde im Gesundheitsministerium in Rom nichts weiter. Im August 2023 habe ich alle notwendigen Unterlagen geschickt, im September 2025 einen zweiten Anlauf genommen, aber bisher war alles umsonst. Es ist, als ob man gegen eine unsichtbare Wand laufen würde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1309620_image" /></div> <BR /><b>Sie warten also seit bald drei Jahren auf die Anerkennung Ihrer Studientitel durch die Behörde in Rom? Wie kann das sein?</b><BR />Dr. Kuen: Ja, das frage ich mich selbst. Nach Angaben des Ministeriums sollte diese Prozedur drei Monate in Anspruch nehmen. Bei meinem ersten Anlauf im August 2023 habe ich die notwendigen Dokumente zunächst von der Ärztekammer in Bozen auf Vollständigkeit prüfen lassen und dabei auch grünes Licht bekommen. Alles war okay. Die Kopie meines Reisepasses wurde von der Behörde in Rom für gut befunden, daraufhin folgte die Frage, warum ich denn mit dem in Italien abgelegten Staatsexamen nicht gleichzeitig die Anerkennungsmodalitäten in die Wege geleitet habe. Das ist natürlich möglich, allerdings nicht zwingend notwendig. Jedenfalls wartete ich danach ein Jahr bis zu einer Antwort, die da lautete: Ihr Antrag wird abgelehnt. <BR /><BR /><b>Wobei selbst die Ärztekammer die Richtigkeit und Vollständigkeit der Dokumente bestätigt hat?</b><BR />Dr. Kuen: So ist es. Umso mehr ist mir die Ablehnung der Behörde ein Rätsel. Jedenfalls unternahm ich im September 2025 einen weiteren Anlauf, auch weil ich in der Zwischenzeit mit einer Rückkehr liebäugelte. Mein Partner ist Italiener, wir würden entweder gerne nach Mailand oder Südtirol übersiedeln und arbeiten. Und so wie sich unsere Situation heute darstellt, möchten wir etwas Sicherheit und Stabilität haben, denn mittlerweile erwarte ich ein Kind. Aber ohne gültige Anerkennung besteht natürlich keine Chance auf eine Anstellung in Südtirol bzw. Italien. <BR /><BR /><b>Ist der zweite Anlauf zur Anerkennung ebenfalls im Sande verlaufen?</b><BR />Dr. Kuen: Bisher leider schon. Ich hatte sämtliche Dokumente geprüft, die neue Wohnadresse aktualisiert, nochmals Stempelmarken geklebt, erneut die Ärztekammer behelligt und mich in meiner Verzweiflung sogar an die Senatorin Julia Unterberger gewandt. Von der Ärztekammer habe ich stets eine schnelle Antwort bekommen, sie zeigten sich sehr hilfsbereit, allerdings können sie letztlich auch nichts machen. Auch die Senatorin Unterberger hat sich netterweise um mein Anliegen gekümmert, sie hat eine Antwort von der Behörde bekommen. Diese lautete: „Das Ansuchen ist in Bearbeitung“. Allerdings war das im Februar dieses Jahres. Zermürbend ist an der ganzen Sache, dass man mit der Behörde nicht in Kontakt treten kann, keine Nachfrage stellen kann. Man muss einfach seine Unterlagen mailen in der Hoffnung, dass alles glatt läuft. Und darauf warte ich, wie geschildert, seit beinahe drei Jahren. <BR /><BR /><b>Wissen Sie in Ihrem Umfeld von ähnlichen Fällen?</b><BR />Dr. Kuen: Ich weiß von einer Kollegin, die nach langer Warterei sich irgendwann an den damaligen Senator Karl Zeller gewandt hat. Mit diesem Umweg hatte es schließlich funktioniert. Aber das kann es doch nicht sein, dass man für derartige bürokratische Angelegenheiten die Südtiroler Senatoren in Rom um Hilfe bitten muss. Wie ich sonst aus meinem Umfeld vernehme, klappt es in aller Regel auch mit den Anerkennungsmodalitäten. Umso unverständlicher ist mein persönlicher Fall. Wahr ist aber auch, dass man immer wieder mal von Schwierigkeiten und Verzögerungen hört. <BR /><BR /><b>Vielleicht wäre das eine Stellschraube in den Bemühungen, qualifizierte Ärzte und Ärztinnen, die ihre Ausbildung im Ausland gemacht haben, wieder nach Südtirol zu holen, oder?</b><BR />Dr. Kuen: Ich denke schon. Ich habe in Innsbruck Medizin studiert, habe mich dann in der Schweiz auf Neurologie spezialisiert. Übrigens hat die Neurologie in Bern, wo ich nach der Ausbildung zehn Jahre tätig war, einen erstklassigen Ruf. Seit 2024 arbeite ich nun im Krankenhaus von Lugano im Tessin. Ich bin des Öfteren bei meiner Familie in Bozen zu Besuch, da bekommt man dann schon dies und jenes mit. Wenn man dann von dem Ärztemangel hört, muss man unweigerlich den Kopf schütteln.<BR /><BR />Interview: Alex Zingerle