„Wir stehen vor großen Umbrüchen“, sagte der Generalminister mit Blick auf sich verändernde Zahlen von Ordensberufungen bei einem Treffen mit der österreichischen Provinzleitung in Salzburg.<BR /><BR />Einige Ordensprovinzen – vornehmlich in Europa und Nordamerika – erlebten einen starken Rückgang der Eintritte, andere – etwa in Asien oder Afrika – einen schnellen und fordernden Zuwachs: „Beides bringt auch Schwierigkeiten mit sich. Aber wir sollten diese Entwicklung als Chance begreifen, um unsere Gewohnheiten zu überdenken“, meinte Fusarelli.<h3> Zusammen leben statt zusammen arbeiten</h3>Der gebürtige Römer wurde im Juli 2021 zum Generalminister des Ordens gewählt und ist damit der 121. Nachfolger des heiligen Franz von Assisi. Bei seinem Besuch in Österreich trifft er Mitbrüder, Mitarbeiter und Freunde des Ordens.<BR /><BR />In Salzburg verwies er dabei auch auf jüngste Bemühungen zu einem verstärkten Ausgleich zwischen Priestern, Laienbrüdern und Laien: „Die Frage ist nicht, wie wir besser miteinander arbeiten. Die Frage ist, wie wir besser miteinander leben, und welche Modelle wir finden, dieses Miteinander auch in unseren Klöstern zu leben“, sagte er vor den Brüdern.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="821081_image" /></div> <BR /><BR />Ein Franziskaner sei angehalten, sein Ordensleben als „Geschichte des Heils“ zu verstehen: eine Heilsgeschichte als Kirche mit den Gläubigen, aber auch eine persönliche Heilsgeschichte: „Der heilige Franz findet in seinem Testament Dutzende Male die Formulierung 'Der Herr hat mir geschenkt'. Jeder Franziskaner kann im eigenen Leben Momente finden – gute wie schwierige -, die er als ein Geschenk des Herrn versteht“, erläuterte P. Massimo.<BR /><BR />Nach ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Zahlen gibt es weltweit derzeit 12.127 Franziskaner in 119 Ländern, davon leben 3136 in West- und 2209 Brüder in Osteuropa.<h3> Provinzial: Schwerpunkt Arme</h3>Hoffnungsvoll blickt Österreichs Provinzialminister, P. Fritz Wenigwieser ofm (56), in die Zukunft: „Die Einladung des Generalministers zum Sich-Öffnen ist ein mutmachender Auftrag: Wir brauchen neue Modelle des Zusammenlebens“, sagte er am Mittwoch in Salzburg.<BR /><BR />Das gelte vor allem für die Armen und Notleidenden. Allein in Salzburg engagieren sich die Brüder seit Jahren, auch im Herzen der Stadt Notleidenden zu helfen.<BR /><BR />Vor diesem Hintergrund erinnerte Generalminister Fusarelli in Salzburg an einen Grundsatz des heiligen Franziskaner-Theologen Bonaventura von Bagnoregio (1221-1274), wonach die Ordensbrüder „nicht für die Armen, sondern mit den Armen leben“ sollten.<BR /><BR />Die Franziskanerprovinz zum heiligen Leopold in Österreich und Südtirol umfasst 18 Niederlassungen, in denen 107 Mitbrüder leben. Gemeinsam mit dem für Mitteleuropa zuständigen Generaldefinitor, P. Albert Schmucki ofm, begleitet er den Generalminister auf dessen Tour von Hall in Nordtirol über Salzburg und Graz nach Wien.<h3> Über den Sinn des Lebens</h3>Bereits am Dienstag hatte Fusarelli das Kloster in Hall in Nordtirol und das dort angesiedelte Franziskanergymnasium besucht. Bei einer Diskussion mit Schülern meinte er Franziskaner-General, dass der Sinn des Lebens nicht gefunden werden könne, „wenn man nur in sich hineinschaut. Der Sinn des Lebens verwirklicht sich in der Begegnung und in der Beziehung zu den Menschen, vor allem zu den Armen.“