Auch wenn sich die Hörsituation betroffener Menschen dank hochwertiger Hörgeräte und Cochlea-Implantate verbessert hätte, blieben die Auswirkungen vielfältig und oft nicht leicht erkennbar. „Eine Hörschädigung ist für das Gegenüber oft nicht sichtbar. Viele Betroffene wollen auch nicht auffallen. Manche fragen nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben, manche nicht“, sagt Logopädin Barbara Lorenzetti.<BR /><BR />In der Schule bedeute eine Hörschädigung für einen betroffenen Schüler eine sehr große Anstrengung. „Es ist sehr ermüdend für diese Kinder und Jugendlichen besonders genau hinhören zu müssen. Dabei ist es grundlegend, dass sie einen geeigneten Sitzplatz haben und, dass die Lehrpersonen und Mitschüler sie beim Sprechen anschauen. Für hörgeschädigte Schüler ist Mitschreiben, Zuhören und Verstehen mit großem Energieaufwand verbunden. Somit kann man sich vorstellen, wie mühsam es ist, mit den anderen Schülern mithalten zu können“, sagt Lorenzetti. Im Raum Meran/Burggrafenamt werden von Fachleuten rund 130 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre begleitet.<BR /><BR /> Fachleute empfehlen, die Decken der Klassenzimmer mit Schalldämmung zu versehen, denn Hintergrundgeräusche seien sehr störend. Aber es gebe leider nicht überall eine Schalldämmung.<h3> Wie sich das anfühlt</h3>„Um sich in die Welt eines Hörgeschädigten hineinfühlen zu können, kann man sich folgende Gruppensituation vorstellen: Es wird eine Sprache gesprochen, von der man selbst nur Bruchstücke versteht. Es ist schwer, dem Gespräch zu folgen und aktiv daran teilzunehmen. In solchen Situationen sind die visuelle Unterstützung, die Konzentration und die Geduld der Gruppenteilnehmer unabdingbar,“ sagt die Logopädin.<BR /><BR /> Für Hörgeschädigte bedeute Kommunikation „Anspannung und die Sorge, alles richtig verstanden zu haben. Die Menschen verspüren Angst und Unruhe, ob ihnen wohl nichts entgangen ist. Das kostet sehr viel Energie und dies nagt am Selbstbewusstsein und kann zu sozialem Rückzug führen,“ unterstreicht die Meraner Logopädin.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66383333_quote" /><BR /><BR />Um den Hörgeschädigten Hilfestellung zu geben, bieten die Logopädinnen im Gesundheitsbezirk Meran Gruppen- und Einzeltherapien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. „Außerdem werden Ausflüge und Treffen organisiert, bei denen sich Menschen austauschen, gegenseitig motivieren und stützen können“, sagt Lorenzetti. Im Bezirk Burggrafenamt werden rund 100 hörgeschädigte Erwachsene begleitet. <BR /><BR />Das Fachteam für hörgeschädigte Kinder und Erwachsene besteht aus Logopäden, Psychologen, Audiometristen, Audiologen, HNO-Ärzten und Chirurgen. „Wir treffen uns regelmäßig und begleiten die Patienten ganzheitlich. Um die Angebote zu erweitern, arbeitet das Fachteam für Hörgeschädigte eng mit dem Elternverband hörgeschädigter Kinder zusammen,“ sagt Lorenzetti.