Dienstag, 26. April 2016

Nicht nur Flüchtlinge brauchen Antworten, auch die Helfer

Richtig helfen will gelernt sein. Wer sich in Südtirol für jene einsetzt, die vor Krieg und Armut aus ihrer Heimat geflohen sind und hierzulande Schutz suchen, braucht Rüstzeug, um der Situation gewachsen zu sein. Freiwillige im Flüchtlingsbereich sollen daher kostenlos geschult werden - aktueller Termin ist der 30. April.

Ein Freiwilliger gib Sprachunterricht.
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Ein Freiwilliger gib Sprachunterricht.

Der freiwillige Einsatz in den Flüchtlingsstrukturen ist bereichernd, doch er wirft auch Fragen auf. Zahlreiche Helfer haben sich deshalb mehr Informationen und Tipps im Umgang mit Menschen gewünscht, die aus anderen Ländern und Kulturen kommen. Mit dem Weiterbildungstag am Samstag möchte die Caritas in Zusammenarbeit mit dem Verein Volontarius Antworten auf die Fragen der Freiwilligen geben. Ein Gespräch:

Südtirol Online: Sie bieten Freiwilligen im Flüchtlingsbereich eine Art Info- und Weiterbildungstag. Warum? 
Francesca Boccotti, Gesandte der Caritas: Bei den Flüchtlingsströmen handelt es sich um ein neues Phänomen für unsere Gesellschaft. Durch den Kontakt mit Betroffenen kommt es zwangsläufig zu Fragen - jene weltpolitischen, die man sich als Helfer selbst stellt. Woher kommen die Menschen und warum? 
Dann auch im Umgang mit den Flüchtlingen selbst. Wie steht es etwa um die rechtlichen Dinge? Warum dürfen einige im Unterschied zu anderen nur ein Jahr bleiben? In erster Linie richtet sich das Event an ehrenamtliche Helfer unserer Strukturen. 

STOL: Es handelt sich um eine Hilfestellung, weil Ehrenamtliche an ihre Grenzen stoßen und eine Art Überforderung erleben?
Boccotti: Diese Art von Überforderung gibt es sicher. Und es gibt mehr und mehr Fragen, die man sich stellt. Und es sind große Fragen. Die angestellten Mitarbeiter haben alle die ein oder andere Schulung in dem Bereich, die Freiwilligen oftmals auch, doch andere engagieren sich einfach neben ihrer alltäglichen Arbeit - und da kann es eine erste Hilfestellung sein.

STOL: Eines der Hauptthemen ist die rechtliche Lage von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Einwanderern in Europa und in Italien. Was gibt es dazu zu sagen?
Boccotti: Zu sagen ist, dass die rechtliche Lage grundsätzlich sehr komplex ist. Denn es gibt nicht nur ja oder nein, sondern verschiedene Formen des Aufenthaltsstatus. Die Freiwilligen sind auch nicht dafür zuständig, auf diese Fragen der Flüchtlinge zu antworten, sie sind keine rechtlichen Berater. Doch viele möchten mehr darüber erfahren, es ist eine allgemeine Einführung. 

STOL: Von wie vielen ehrenamtlichen Freiwilligen sprechen wir?
Boccotti: Bezogen auf die Strukturen in Bozen sind es an die 60 Ehrenamtliche; auf das ganze Land weiß ich gar nicht so genau - ca. 180 Freiwillige. 

STOL: Auch um die Integration geht es - Inwiefern werden die Teilnehmer in Sachen Begleitung von Flüchtlingen und Asylsuchenden geschult?
Boccotti: Die Begleitung von Flüchtlingen ist an sich schon schwierig. Es geht vor allem um die suspendierte Zeit, die Zeit, wenn die Asylansuchenden oft sehr lange auf eine Antwort warten. Das ist eine zermürbende Situation für die Flüchtlinge und das spiegelt sich auch bei den Helfern wieder. 
Generell stellt sich die Frage nach der Begleitung, etwa in Form von Sprachkursen, die wir anbieten. Wir hoffen durch die Infoveranstaltung auch auf neue Inputs - und vielleicht ergeben sich ja konkrete Maßnahmen. 
Die Teilnehmer erhalten weiters Informationen über zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten zu den Themen Interkulturalität und Integration von Flüchtlingen und Migranten. 

stol/ker

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Der Informationstag findet am 30. April von 8.30 bis 16.30 Uhr am Hauptsitz der Caritas in Bozen, Sparkassenstraße 1, statt. Die Teilnahme daran ist kostenlos, allerdings wird um eine Anmeldung innerhalb Donnerstag, 28. April im Caritas-Büro für Freiwilligenarbeit und Pfarrcaritas in Bozen (Tel. 0471/304332) gebeten. 

stol