Sonntag, 06. Dezember 2020

Niederschläge nehmen zu: Noch keine Entwarnung in Sicht

Auch um 14 Uhr wurde im Lagezentrum bei der Berufsfeuerwehr in Bozen am Sonntag wieder ein Überblick über die aktuelle Unwettersituation im Land gegeben. Fazit: Die Einsätze seit den frühen Morgenstunden hielten sich in Grenzen. Entwarnung gibt es allerdings noch nicht. Am Nachmittag nehmen die Niederschläge örtlich nämlich wieder zu.

Auch der Straßendienst ist im Dauereinsatz.
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Auch der Straßendienst ist im Dauereinsatz. - Foto: © Landesstraßendienst
Mittags hat das staatliche Verkehrseinsatzkomitee (Comitato Operativo Viabilità Cov) die aktuelle Verkehrssituation besprochen, mit Regierungskommissär Vito Cusumano tagten Vertreter der Brennerautobahn A22 und der Straßenpolizei, der Quästur und Berufsfeuerwehr-Kommandant Florian Alber mit Landesstraßendienst-Abteilungsdirektor Philipp Sicher und dem stellvertretenden Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Günther Walcher. Schwerpunkt war die Bewertung über die Öffnung der Nordspur der Brennerautobahn zwischen Gossensaß und dem Brenner, berichtet Walcher: Der Bürgermeister von Brenner wurde ersucht, die Lage von der Lawinenkommission bewerten zu lassen. Dies geschieht um 16.30 Uhr.

Nahe der Talstation der Kohlerer Seilbahn in Bozen hat die Berufsfeuerwehr am Sonntagvormittag den überschwemmten Parkplatz freigepumpt und ein durch einen Murenabgang verlegtes Abflussgitter freigelegt und damit die Gefährdung des Hauptverteilers für Methangas abgewandt. Im Einsatz war dabei auch die Freiwillige Feuerwehr Bozen.

In der Trientstraße in Bozen hat eine Vermurung die Bahngeleise erreicht. Der Bergrettungsdienst Südtirol führte mit einer Drohne einen Lokalaugenschein durch.

Landesweit haben sich zudem mehrere weitere Murenabgänge ereignet. In Naturns ist eine Mure bei einem Hof abgegangen, mehrere Personen mussten evakuiert werden. Außerdem erreichte eine Schlammlawine ein Kondominium in Meran.

Auf der Brennerautobahn ist die Situation nach wie vor unverändert: Die Nordspur der ist wegen Lawinengefahr ab Sterzing geschlossen, offen ist die Südspur. Auch der Zugverkehr ist gleichbleibend größtenteils lahmgelegt.

Gesperrte Straßen, geöffnete Straßen

Immer wieder müssen Straßen gesperrt werden, berichtet der Koordinator der Landesverkehrsmeldezentrale Markus Rauch. Andere Verbindungswege können derweil nach und nach wieder geöffnet werden: So ist die Pustertaler Straße wieder frei befahrbar, auch von der Staatsstraße südlich von Brixen wurde ein Hindernis geräumt, zudem ist auch der Abschnitt zwischen Franzensfeste und Mauls wieder offen. Das Grödental ist ebenfalls wieder mit Fahrzeugen erreichbar. Auch einige Landesstraßen konnten wieder für den Verkehr freigegeben werden, etwa jene ins Villnösstal. Nach wie vor abgeschnitten bleibt das Ultental, auch die Zufahrt nach Proveis konnte noch nicht wiederhergestellt werden.

Weniger Anrufe in der Verkehrsmeldezentrale

Im Vergleich zum Unwetterereignis vor rund einem Jahr (13. bis 19. November 2019) sind heuer wegen des epidemiologischen Notstandes keine Touristen und insgesamt weniger Leute unterwegs: dies erklärt auch, dass weniger Anrufe in der Verkehrsmeldezentrale eingehen, berichtet VMZ-Koordinator Rauch.

10.000 Haushalte ohne Strom

An die 10.000 Haushalte in Südtirol sind derzeit noch immer ohne Stromversorgung, vor allem im Passeiertal und im Ultental.

Geschlossene Schulen und Kindergärten

In einigen Gemeinden bleiben Kindergärten und Schulen morgen (7. Dezember) aus Sicherheitsgründen geschlossen, unter anderem in St. Pankraz und Ulten, im Martelltal und in St. Martin in Passeier sowie im Sarntal.

Schneehöhen bis zu 2 Meter

Von den Wetterstationen wurden in den vergangenen 24 Stunden verzeichnet: in Weißbrunn im Ultental (1890 Meter Meereshöhe) fielen 95 Zentimeter Neuschnee, die Gesamtschneehöhe liegt dort derzeit bei 165 Zentimeter. Aus Kasern im Ahrntal (1590 Meter Meereshöhe) wurde ein Meter Gesamtschneehöhe gemeldet, davon 74 Zentimeter Neuschnee. In Pens im Sarntal auf 1487 Meereshöhe beträgt die Gesamtschneehöhe 97 Zentimeter, davon 62 Zentimeter Neuschnee. Der von einem Wetterbeobachter gemeldete Maximalwert beträgt derzeit zwei Meter am Grünsee in Ulten (auf knapp über 2500 Metern Meereshöhe), davon sind 1,05 Meter Neuschnee.

Voralarm Bravo bestätigt

Die Bevölkerung ist nach wie vor aufgerufen, von unnötigen Fahrten abzusehen und bei Aufenthalten im freien Gelände äußerst vorsichtig zu sein. Die Situation in Südtirol ist immer noch kritisch und angespannt, der Zivilschutzstatus Voralarm Bravo wurde bestätigt, berichtet der Vorsitzende der Bewertungskommission und Direktor des Landeswarnzentrums Willigis Gallmetzer.

Niederschläge nehmen noch einmal zu

In den vergangenen Stunden sind zahlreiche Lawinen und Gleitschneelawinen abgegangen, mit Lawinenabgängen ist bei steigenden Niederschlägen zunehmend auch am Nachmittag zu rechnen. Im Gebiet um Sexten gilt die höchste Lawinenwarnstufe 5, im Großteil des Landes bleibt die Lawinengefahr mit der Stufe 4 groß.

Am Nachmittag werden die Niederschläge wieder stärker, der Schwerpunkt liegt im Osten Südtirols und besonders in den Bereichen rund um Sexten und im Gadertal. In Sexten werden 60 bis 80 Zentimeter Neuschnee fallen. Die Schneefallgrenze sinkt bis zum Abend wieder. Auch die Temperaturen nehmen ab.

In der Nacht lassen die Niederschläge nach. Morgen (7. Dezember) bleibt das Wetter zwar unbeständig, es werden aber keine großen Niederschlagsmengen mehr erwartet.

lpa/stol

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