Freitag, 26. März 2021

Niedrige Durchimpfungsrate trotz hoher Corona-Ansteckungsgefahr

Das Arbeitsinspektorat bestätigt den Verdacht: 90 Prozent der Infektionen am Arbeitsplatz wurden im Sanitäts- und Sozialbereich festgestellt.

Viele gingen mit gutem Beispiel voran und ließen sich impfen.
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Viele gingen mit gutem Beispiel voran und ließen sich impfen. - Foto: © EXPA/JOHANN GRODER
Fast die Hälfte davon – 42,6 Prozent der Ansteckungen im Zeitraum März 2020 bis Jänner 2021 – meldeten Mitarbeiter in Seniorenwohnheimen. Alles andere als beruhigend, wenn man bedenkt, dass dort rund die Hälfte des Personals noch nicht geimpft ist. Im Sanitätsbereich sind es noch 15 Prozent, die sich ohne triftigen Grund nicht zu einer Impfung angemeldet haben.

„Von 10.700 Verwaltungs- und Sanitätsmitarbeitern im Gesundheitsbetrieb sind 7700 bereits geimpft, 1100 haben die Krankheit durchgemacht, und 1500 bis 1600 sind noch nicht vorstellig geworden“, erklärt Pflegedirektorin Marianne Siller. Damit erreicht das Pflege- und Verwaltungspersonal im Sanitätsbetrieb eine Durchimpfungsrate von 72 Prozent. Rund 10 Prozent der Mitarbeiter dürfen noch nicht geimpft werden, da sie in den vergangenen Wochen und Monaten eine Corona-Infektion überstanden haben, und 15 Prozent hätten sich – offenbar ohne triftigen Grund – einfach nicht gemeldet. Siller setzt auf eine „Informations- und Sensibilisierungskampagne“, um eine noch höhere Durchimpfungsrate zu erreichen.

Diese Kampagne soll auch die 4968 Köpfe im Personal der Seniorenwohnheime erreichen, die in Sachen Immunisierung nicht gerade glänzen: Wie berichtet, wurde dort rund 2600 Mitarbeitern mindestens eine Impfdosis verabreicht – das entspricht einer Durchimpfungsrate von gerade mal 52 Prozent. Zusammengenommen sind damit nur 65,7 Prozent der Mitarbeiter im Sanitätsbetrieb und in den Altersheimen geimpft.

Dass eine hohe Durchimpfungsrate besonders in diesen Bereichen wichtig in der Bekämpfung der Pandemie ist, zeigen auch die Zahlen des gesamtstaatlichen Versicherungsinstituts für Arbeitsunfälle INAIL, die der Direktor des Arbeitsinspektorats, Sieghart Flader, den „Dolomiten“ übermittelte. Demnach wurden zwischen März 2020 und Jänner 2021 in Südtirol insgesamt 2131 Covid-19-Arbeitsunfälle gemeldet – das entspricht 1,4 Prozent aller staatsweit gemeldeten Infektionen am Arbeitsplatz. Von diesen 2131 Corona-Arbeitsunfällen betrafen 1633 (76,6 Prozent) Frauen und 498 (23,4 Prozent) Männer – die am stärksten betroffene Altersklasse ist jene der 50- bis 64-Jährigen (4 von 10 Erkrankungsfällen).

Über 1900 Infektionen im Gesundheitssektor

Rund 1600 Ärzte, Pfleger und Pflegehelfer haben sich in diesem Zeitraum am Arbeitsplatz mit Covid-19 angesteckt – das sind mehr als 3 Viertel aller gemeldeten Covid-19-Arbeitsunfälle in Südtirol. Werden dabei auch nicht-sanitären Berufe in der Sanität berücksichtigt (etwa Verwaltungspersonal), steigt der Anteil sogar auf 90,5 Prozent.

Damit haben sich über 1900 Menschen in der Sanität nachweislich am Arbeitsplatz mit Corona infiziert – 907 davon außerhalb des Sanitätsbetriebs, also überwiegend in den Seniorenwohnheimen des Landes. Dass aber noch mehr Personen, die dieser Berufsgruppe angehören, die Impfung – bislang – verweigert haben, lässt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie schwinden: Für das Virus gibt es leider noch Luft nach oben.

Das sagt der Landesverband der Sozialberufe

Marta von Wohlgemuth vom Landesverband der Sozialberufe erklärt in einer Aussendung aber, dass die Impfung nicht der alleinige Weg sein dürfe. Die Politik müsse Arbeitnehmerschutz und öffentliche Gesundheit ohne Impfzwang unter einen Hut bringen.

Bezug nehmend auf ein Urteil in Belluno, das die Suspendierung von nicht-geimpften Mitarbeitern von Seniorenwohnheimen für rechtens erklärte, warnt von Wohlgemuth vor dem „Pflexit“: Südtirol tue sich bereits schwer, Pflege- und Sozialfachkräfte zu finden. „Wenn noch das Damoklesschwert der Suspendierungen über diesen Berufen hängt, kann man/frau sich ausrechnen, was für Folgewirkungen das hat“, so von Wohlgemuth, die auch mehr Lohn für diese Berufe fordert.

mic