<?Schrift Spationierung="0ru"> <BR /><?_Schrift> <b>Frau Dr. Meraner, warum ist Nitazen so gefährlich?</b><BR />Dr. Bettina Meraner: Nitazen ist ein synthetisches Opioid mit sehr hoher Potenz. Für Menschen ohne Opioid-Toleranz – also jene, die nicht daran gewöhnt sind, solche Substanzen zu konsumieren – kann es schnell lebensgefährlich werden. Es führt zu einer starken Verlangsamung der Atmung und des Herzschlags, was bis zum Tod führen kann. Eine Überdosis wirkt ähnlich wie bei Heroin, nur ist Nitazen viel potenter. <BR /><BR /><b>Wie kommen solche Substanzen überhaupt in den Umlauf – über das Internet?</b><BR />Dr. Meraner: Auf unterschiedlichste Weise. Wichtig ist aber: Der diskutierte Todesfall liegt bereits ein Jahr zurück. Jetzt läuft die Gerichtsverhandlung, von einer akuten Bedrohungslage können wir daher nicht sprechen. Die Gefahr besteht immer und überall. Denn niemand, der illegale Substanzen konsumiert, weiß genau, was er da zu sich nimmt. Die Hauptsubstanzen sind meist unbekannt, ebenso wie die Streckmittel oder die genaue Dosierung. Selbst allergische Reaktionen sind möglich – auf Stoffe, von denen die Person nicht einmal weiß, dass sie enthalten sind. Der Konsum ist immer riskant.<BR /><BR /><b>Gab es seither ähnliche Fälle in Südtirol?</b><BR />Dr. Meraner: Leider können wir das nicht sicher sagen. Verdächtige Todesfälle werden von der Staatsanwaltschaft untersucht. Während laufender Ermittlungen gilt das Amtsgeheimnis – deshalb erhalten auch wir keine Informationen. Solange ermittelt wird, darf nichts bekannt gegeben werden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.<BR /><BR /><b>Wie schätzen Sie die Lage in Bezug auf Drogen im Allgemeinen in Südtirol ein?</b><BR />Dr. Meraner: Bei den „Smart Drugs“ liegt Südtirol im italienweiten Vergleich glücklicherweise noch relativ weit hinten. Das größte Problem sind nach wie vor die klassischen Substanzen. Besonders häufig werden Kokain und Heroin konsumiert – oft in Mischungen mit anderen Wirkstoffen. Teilweise wird sogar Kokain mit Opioiden oder Medikamenten gestreckt. Das erhöht das Risiko für die Konsumenten erheblich. Ein zunehmendes Thema ist auch der Missbrauch von Psychopharmaka.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71999897_quote" /><BR /><BR />Gerade bei jungen Menschen beobachten wir vermehrt den Konsum von Medikamenten – insbesondere Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine –, die nicht ärztlich verschrieben wurden. Oft stammen sie aus dem Medikamentenschrank von Familienmitgliedern oder werden unter Freunden weitergegeben. Das Problem: Diese Medikamente machen schnell abhängig. Viele nehmen sie, um mit Problemen wie Schlafstörungen, Ängsten oder depressiven Verstimmungen umzugehen. Aber ohne fachliche Begleitung ist das sehr riskant. <BR /><BR /><b>Und wie sieht es mit Fentanyl aus?</b><BR />Dr. Meraner: In Italien – und auch in Südtirol – ist Fentanyl bislang kein großes Thema. In den USA war das anders: Dort fehlte zeitweise Heroin auf dem Markt, unter anderem wegen der Konflikte im Nahen Osten. Gleichzeitig gibt es in den USA kaum staatliche Unterstützung für Menschen mit Suchterkrankungen. Viele waren auf sich allein gestellt und sind auf Fentanyl oder ähnliche Schmerzmittel ausgewichen. In Italien haben wir öffentliche Dienste, die rasch, anonym und kostenfrei helfen – das ist ein entscheidender Unterschied und wirkt vorbeugend.<BR /><b><BR />Abschließend noch eine Frage zu Cannabis: Wie ist dazu die aktuelle Lage?</b><BR />Dr. Meraner: Nur sehr wenige suchen bei uns Hilfe wegen einer reinen Cannabisabhängigkeit. Aber Cannabis ist weit verbreitet – und gefährlicher, als viele denken. Niemand weiß genau, wie hoch der THC-Gehalt ist oder ob CBD enthalten ist, das schützend wirken kann. Kollegen in der Psychiatrie berichten zunehmend von jungen Menschen, die nach Cannabiskonsum schwere psychische Störungen entwickeln. Das heutige Cannabis ist hochgezüchtet, also deutlich potenter als früher. Gerade Jugendliche unterschätzen die Risiken.