Donnerstag, 05. März 2020

„Noch 100 Jahre bis zur Chancengleichheit“

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, brauchen wir noch 100 Jahre bis zur wahren Chancengleichheit zwischen Mann und Frau“, zitiert SVP-Landesreferentin Renate Gebhard zum Tag der Frau am 8. März den „Global Gender Gap Report 2020“ des Weltwirtschaftsforums.

Landesreferentin Renate Gebhard sieht noch Handlungsbedarf beim Thema Chancengleichheit zwischen Mann und Frau.
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Landesreferentin Renate Gebhard sieht noch Handlungsbedarf beim Thema Chancengleichheit zwischen Mann und Frau. - Foto: © SVP-Frauenbewegung
„Um einen kulturellen Wandel einzuleiten, althergebrachte Rollenbilder zu überwinden und Frauen endlich jenen gesellschaftlichen Stellenwert einzuräumen, den sie sich auch verdienen, müssen wir jetzt aufwachen und handeln“, so Gebhard.

Mit einem Beschlussantrag fordert die römische Abgeordnetenkammer die Regierung im Vorfeld des Internationalen Tages der Frau am 8. März dazu auf, alle Anstrengungen zu unternehmen um die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau zu stärken, die Gewalt an Frauen einzudämmen und die Ausgeglichenheit der Geschlechter in öffentlichen Führungsrollen sowie politischen Ämtern zu fördern.

Italien im internationalen Vergleich an 76. Stelle

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt der aktuelle „Global Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums: Italien steht in der Bewertung der Chancengleichheit an 76. Stelle von insgesamt 153 bewerteten Ländern.

„Es stimmt schon, dass sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat“, erklärt SVP-Landesfrauenreferentin und Kammerabgeordnete Renate Gebhard, „wenn wir den Frauen aber noch in diesem Jahrhundert jenen Stellenwert einräumen wollen, der ihnen zusteht, müssen wir einen Zahn zulegen.“

Aktuell gehen nur knapp ein Drittel der Führungspositionen an Frauen, die vielmehr in ihrem Job oft unterfordert und unterbezahlt sind. Die Gründe dafür liegen nahe: Althergebrachte Rollenbilder und fehlende Vorbilder. Gewalt an Frauen hingegen ist fast ein tagtägliches Thema und „eine bittere Realität, die mangelnde Wertschätzung, fehlenden Respekt und grenzenlose Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen bezeugt“, so Renate Gebhard.

Kulturellem Problem mit gezielten Aktionen begegnen

Die Forderungen des italienischen Parlamentes an die Regierung sind klar: Die Gesellschaft sensibilisieren, Gewalt an Frauen thematisieren, Familien und Mutterschaft fördern.

„Um einen gesellschaftlichen Wandel auf den Weg zu bringen müssen wir aber nicht nur aufklären und unterrichten, sondern auch sichtbar machen“, betont Renate Gebhard, „das heißt: Frauen in Führungs- und Schlüsselpositionen fördern. Das gilt für die Wirtschaft, für die Verwaltung, für die Politik“, so die SVP-Landesfrauenreferentin. „Der diesjährige Tag der Frau soll uns ein Ansporn sein, gemeinsam daran zu bauen – damit es nicht mehr 100 Jahre bis zur Chancengleichheit zwischen Mann und Frau dauert.“

Medizinische Universität Innsbruck: Ausstellung zum Weltfrauentag

Vor rund 100 Jahren war es noch keinesfalls üblich, dass Frauen den Beruf zur Medizinerin ergriffen haben: Anlässlich des Weltfrauentages 2020 am 8. März erinnert an der Medizinischen Universität Innsbruck eine Ausstellung an diesen langen Weg.

Die Lebensgeschichten von 9 Ärztinnen, die es trotz aller damaligen Widerstände geschafft haben, in ihrem Beruf Fuß zu fassen, sollen anderen Frauen Mut machen.

Dass Frauen Medizin studieren, war nicht immer selbstverständlich: Erst seit September 1900 ist dies überhaupt in Innsbruck möglich. Damals hing die Zulassung allerdings noch von der Zustimmung des Professoren-Collegiums ab. Wie sich die Frauen in rund 120 Jahren ihren Weg zum Beruf der Medizinerin erkämpften, dokumentiert die Ausstellung „Sie will gar einen Doktorhut!“, die vom 02. bis 20. März in der Fritz-Pregl-Straße 3 zu sehen sein wird.

9 Ärztinnen, die als Vorreiterinnen herausragen, werden portraitiert. „Unsere Botschaft an die Medizinstudentinnen und jungen Ärztinnen ist, sich nicht entmutigen zu lassen“, erklärt Margarethe Hochleitner, Univ.-Prof.in für Medizin und Diversität an der Medizinischen Universität Innsbruck sowie Leiterin der Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Diversität.

Dass die Ausstellung im neuen zentralen Lehr- und Lerngebäude der Medizinischen Universität Innsbruck gezeigt wird, ist daher kein Zufall. „Wir wollen der nächsten Generation zeigen, dass sich die Medizin immer auch den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen muss und daher zunehmend weiblicher wird“, ergänzt der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, W. Wolfgang Fleischhacker. Kuratorin der Ausstellung, die 2012 bereits einmal in Innsbruck zu sehen war, ist die Volkskundlerin Mag. Renate Erhart.

Ehrentraut Lanner: Die erste Absolventin aus Innsbruck

Eine der Frauen, auf deren Lebensweg im Rahmen der Ausstellung näher eingegangen wird ist Ehrentraut Lanner. Nach ihrer Matura 1915 im „Reform-Realgymnasium“ der Ursulinen in Innsbruck war Lanner die erste Frau, die ihr gesamtes Studium als ordentliche Studentin an der damaligen Medizinischen Fakultät in Innsbruck absolvierte und schließlich 1921 abschloss.

In der Folge war sie für mehr als 3 Jahre als Assistentin am Institut für Hygiene der Universität Innsbruck tätig. 1925 wechselte Ehrentraut Lanner an das Institut für Hygiene der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Walther Kruse. Nach ihrer Heirat 1927 lebte sie mit ihrer Familie in Waidhofen an der Ybbs, später in Wien.

stol