Mittwoch, 25. August 2021

„Noch ein ,Zuggerle‘ für unsere Schüler“

Es sind viele Gedanken, Fragen und Wünsche, die Schüler, Eltern, Lehrer oder einfach an Schule und Bildung Interessierte knapp 2 Wochen vor Schulbeginn beschäftigen. Das zeigen die vielen Zuschriften, die die „Dolomiten“-Redaktion erreicht haben.

Groß und Klein fiebern dem Schulbeginn in knapp 2 Wochen entgegen – ein jeder wohl mit anderen Gedanken. Ob die Schüler mit oder ohne Maske in die Schule stürmen und im Klassenzimmer sitzen werden, das beschäftigt viele.
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Groß und Klein fiebern dem Schulbeginn in knapp 2 Wochen entgegen – ein jeder wohl mit anderen Gedanken. Ob die Schüler mit oder ohne Maske in die Schule stürmen und im Klassenzimmer sitzen werden, das beschäftigt viele. - Foto: © Shutterstock
Den meisten ist Präsenzunterricht ein Anliegen, vielen, dass die Maskenpflicht am Platz fällt und gleich mehrere sprechen sich klar für die Impfung aus, die den Weg zur Normalität ebne.

„Die Angebote unserer Gesundheitsdienste zu nützen, ist ein Akt der Solidarität und das Gebot der Stunde“, schreibt Siegfried Messner aus St. Leonhard bei Brixen. „Nutzen wir die Chance und schaffen wir gemeinsam die Voraussetzung für ein gutes Schuljahr. Dadurch ist es weitgehend wieder möglich, Mitmenschen zu schützen, in die Köpfe unserer Jugend zu investieren. Es ist die einzige Möglichkeit, unsere Zukunft und unser Land zu gestalten!“

Vor 3 Jahren hätten sich noch viele Schüler weniger oder gar keine Schule mehr gewünscht. Jetzt sei die Zeit in der Schule stark reduziert „und wir sind alles andere als glücklich und froh darüber“, schreibt Carolin Schölzhorn aus Vahrn, Schülerin der Landesberufsschule „Emma Hellenstainer“ in Brixen. „Viele Jugendliche sind in Depressionen gefallen, haben Essstörungen bekommen oder sind nicht mehr mit sich selbst ausgekommen“, so Schölzhorn. Oft habe es geheißen, die Oberschüler schaffen den Fernunterricht leichter als die Jüngeren. „Nein! Wir wurden von allem getrennt, was uns glücklich macht: Sich mit Freunden treffen, Sport machen, feiern gehen“, schreibt die Schülerin. Selbst als Präsenzunterricht wieder möglich war – mit Nasenflügeltest –, sei man in den Pausen von den Schülern anderer Klassen getrennt worden, „die Party-Macher wurden für die Neuinfektionen verantwortlich gemacht“ – obwohl alle negativ getestet worden seien. „Manchmal stellte man sich schon die Frage, ob die Nasenflügeltests viel Sinn ergaben“, sagt Schölzhorn. Für das kommende Schuljahr wünsche sie sich, „dass wir durch das Impfen endlich wieder ein wenig Realität im Leben zurückbekommen. ,Normal‘ wird es nie mehr, aber Corona ist ein Teil unseres Lebens geworden, und das werden wir akzeptieren müssen. Unabhängig davon, ob wir es wollen oder nicht“, schreibt die Vahrnerin.

Nach 2 alles andere als einfachen Jahren blickt Manuel Grandegger als Heimleiter im Antonianum in Bozen und als Vater zweier Söhne „voller Optimismus“ dem neuen Schuljahr entgegen. „Mit den „Waffen“, die uns zur Verfügung stehen, können wir die Präsenz sehr wohl gewährleisten (wenn auch mit viel Aufwand) und würde generell (nicht nur im Schulbereich) eine erneute Schließung nicht rechtfertigen“, so Grandegger. Schüler bräuchten den Unterricht in Präsenz, „nicht nur, um den Schulstoff besser aufzunehmen, sondern auch um die Kontakte aufrechtzuerhalten, die auch und trotz bzw. gerade wegen der Pandemie für die Psyche sehr wichtig sind“ Er wünsche sich ein „Zuggerle“ für die Testungen bzw. für die geimpften Schüler, nämlich dass die Maskenpflicht am Platz fällt. „Denn wir können ihnen kaum erklären, dass wir Italien als Europameister ohne Maske feiern „dürfen“, aber sie wiederum ein ganzes Schuljahr mit Maske in den Klassen sitzen müssen, weil wir Erwachsene es einfach nicht hinbekommen“, so Grandegger.

Sarah schreibt: „Ich, Lehrerin, Anfang 30, mitten in der Familienplanung möchte mich (wegen Familienplanung) nicht impfen lassen. Nun muss ich alle 3 Tage zum Antigentest, wie lange ich dem Druck standhalte, 100 Prozent Lehrauftrag, Haus zum Bezahlen, Sohn 2 Jahre, Haushalt und 3 Mal pro Woche testen, weiß ich nicht.“

„Wir finden die Nasenflügeltests sehr sinnvoll, allerdings sollen die Schüler und die Lehrer dann in der Klasse ohne Maske sitzen dürfen. Bitte keinen Fernunterricht mehr!“, schreibt Silvia Tröger aus Riffian, deren Kinder die Grundschule Riffian und das Sozialpädagogische Gymnasium in Meran besuchen.

„Ich bin einfach empört. Gestern habe ich das Schulamt kontaktiert, da die betreffende Grundschule meiner Tochter mir nicht sagen konnte, ob für heuer der reguläre Nachmittagsunterricht geplant ist. Diese konnten mir auch keine Auskunft geben und das knappe 2 Wochen vor Schulbeginn!“, schreibt Hyun Ja Lorenzini aus Bozen.

Meggy Berger ist der Meinung, dass sich alle „Arbeitnehmer, die mit Menschen arbeiten, wie zum Beispiel Pfleger, Lehrer, Doktoren usw.“ längst hätten impfen lassen sollen. Viele würden dies nur verweigern, weil es für sie – im Sanitätsbetrieb – Pflicht sei. „Das ist kein gute Aussage“, findet Berger. Alle sollten auf die Wirtschaft und die Gesellschaft achten. „Damit wir alle wieder normal leben können“, so Berger.

Toni Erlacher aus St. Lorenzen hat nur eines zu sagen: „Die Menschheit hat nur durch die Impfung überlebt.“

„Möchte man in das sogenannte normale Leben zurück, ist die Voraussetzung die Impfpflicht“, findet Michael Demetz aus Überwasser/Kastelruth, der Präsident des Schulrates des Kunstlyzeums „Cademia“ in St.Ulrich ist. „Es ist nun millionenfach nachweisbar, dass die Impfung mit mRNA-Impfstoffen eine effektive und die einzige Möglichkeit ist, diese Pandemie zu beenden.“ Das Bildungssystem könne vielfach nur in Präsenz funktionieren. „ Ganz abgesehen von der Wichtigkeit des sozialen Miteinander für die Schüler und Studenten.“ Bildung sei nicht nur „das trockene und nüchterne Erlernen von Daten, Zahlen oder Wissen allgemein. Teil der Bildung ist es auch, ein Gespür für das Ganze, für die Gesellschaft und darüber hinaus, für Solidarität zu vermitteln“, so Demetz. „Unsere Welt, in der wir diese Generation hinaussenden, wird nur als Gemeinschaft bestehen können. Dazu gehört die Erziehung zur Nächstenliebe und damit zum Schutz des Schwächeren. Schwach ist nicht nur der Minderbemittelte, es ist besonders auch die oder der unter uns, der anfälliger gegenüber diesem Virus ist. Sie oder er haben das gleiche Recht, geschützt zu werden. Dazu müssen alle beitragen.“

Aaron Pfitscher meint: „Jedem Lehrer sollte freigestellt werden, ob er sich impfen lässt oder nicht, jedoch jene, die sich nicht impfen lassen, sollten sich testen lassen und eine FFP2-Maske tragen.“

Mit welchen Gedanken gehen Sie ins neue Schuljahr, welche Wünsche, welche Befürchtungen hegen Sie?

Schreiben Sie in einem Mail, was Sie bewegt – an [email protected] - Betreff „Schulbeginn“.

dol