Freitag, 14. August 2015

Noch nie so viele Eier gezählt: Tigermücken-Plage in Südtirol

Sie nerven, stechen, saugen: Mücken sind ohnehin meist unbeliebte Tiere. Doch die asiatische Tigermücke setzt noch einen drauf: Sie fliegt am Tag und sticht auch durch Jeans-Stoff. Aus Südostasien stammend, hat sie sich nun auch in Südtirol eingenistet. Heuer erreicht ihre Population Rekordwerte.

Die Tigermücke - Foto: Amt für Hygiene und Öffentliche Gesundheit
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Die Tigermücke - Foto: Amt für Hygiene und Öffentliche Gesundheit

Erhebungen des Landes zeigen, dass sich die Tigermücke in diesem Sommer besonders gut entfalten konnte. „Seltsam, wo der Tigermücke doch heiße und trockene Sommer gar nicht gut bekommen sollten“, wundert sich Alberta Stenico, die Amtsdirektorin des Biologischen Labors. „Aber die Mücken passen sich eben blitzschnell an neue Bedingungen an.“

So kommt es, dass an einigen Eiablagefallen in Bozen und Leifers Ende Juli 2015 an die 1000 Tigermücken-Eier gezählt wurden. Die Anzahl an abgelegten Eiern gibt indirekt Auskunft über die Tigermücken-Belastung.

 

Bozen in der dritten/vierten Juli-Woche: An den roten Punkten wurden über 300 Tigermücken-Eier gezählt - Foto: Screenshot/Abteilung Landesagentur für Umwelt

 

1000 Eier – „ein absoluter Rekordwert“, sagt Stenico. Andere Jahre habe man meist um die 300 Eier gezählt.

Die erste Plage vor fünf Jahren

Seit 2010 beherbergt Südtirol die unbeliebten Gäste: Im Spätsommer vor fünf Jahren wurde zum ersten Mal eine Tigermücken-Plage in der Landeshauptstadt verzeichnet. Im Nachhinein kein Wunder: Die Tigermücke liebt die klimatischen Bedingungen, die sich im Bozner Talkessel, im Unterland und im Etschtal bieten.

Städte bei Mücken besonders beliebt

Die Tigermücke kommt in tropischen, subtropischen und gemäßigten Gebieten vor, insbesondere im städtischen und vorstädtischen Umfeld.

Unabdingbar für die Entwicklung ihrer Larven sind stehende Gewässer. Besonders wählerisch ist die Mücke dabei nicht: Auch geringe Wassermengen – wie beispielsweise Regenwasser in Autoreifen – weiß das Insekt für sich zu nutzen.

Stehendes Wasser, eine wahre Brutstätte

Das Land und die Gemeinden rufen deshalb schon seit langem auf: Im Freien stehendes Wasser gilt es von April bis Oktober unbedingt zu vermeiden. Hundeschüsseln, beispielsweise, sollten regelmäßig geleert und neu gefüllt werden. „Unzugängliche Wasserstellen, wie Gullys, sollten mit Larviziden behandelt werden“, rät Alberta Stenico. „Die sind z.B. im Gartenmarkt erhältlich und für Mensch und Tier komplett unschädlich.“

Denn: „Im Frühjahr fallen einzelne Tigermücken noch nicht auf. Wenn man jedoch bis zum Auftreten der Tigermücken-Plage im Spätsommer wartet, ist das Problem kaum mehr in den Griff zu bekommen“, schreibt die Landesagentur für Umwelt auf ihrer Homepage.

Mit dem heurigen Tigermücken-Rekord scheint die Lage jetzt schon leicht außer Kontrolle. Und der Höhepunkt der Mücken-Plage kommt womöglich erst noch in den nächsten Wochen. Doch: Grund zur Panik gebe es nicht.

Schmerzhaft, aber nicht bedrohlich

Denn ja, die Mücken seien lästig und ihre Stiche, die sich nicht von gewöhnlichen Mückenstichen unterscheiden, schmerzhaft, sagt Amtsdirektorin Stenico. Aber bedrohlich für die Gesundheit seien die Mücken in Südtirol bisher nicht.

Die Tigermücken sind zwar dafür bekannt, dass sie tropische Krankheiten übertragen können. "Doch bei den Fällen tropischer Erkrankungen, die wir in Südtirol verzeichnet haben, wurden die Personen im Ausland von den Mücken gestochen – und hierzulande glücklicherweise nicht wieder von einer Tigermücke attackiert“, erklärt Stenico. So habe sich die Krankheit nicht ausbreiten können.

stol

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