Donnerstag, 05. Dezember 2019

Notfall oder nicht? Notaufnahme in Bozen wird neu geregelt

Am 18. Dezember nimmt das neue Ambulatorium für Grundversorgung und Betreuungskontinuität seine Tätigkeit in der Notaufnahme Bozen auf. Damit soll die Erste Hilfe entlastet werden.

Künftig werden nicht dringende Fälle im neuen Ambulatorium für Grundversorgung untersucht, um die Erste Hilfe zu entlasten.
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Künftig werden nicht dringende Fälle im neuen Ambulatorium für Grundversorgung untersucht, um die Erste Hilfe zu entlasten. - Foto: © DLife

Am Donnerstag wurde das neue Ambulatorium für Grundversorgung und Betreuungskontinuität am Krankenhaus Bozen vorgestellt.

Dieses soll den nicht oder weniger dringenden Fällen der Kodexe blau und grün vorbehalten sein. „Die Notaufnahme“, führte Landesrat Thomas Widmann aus, „ist eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung und muss vor allem für Notfälle frei bleiben. Mit dieser neuen Dienstleistung wollen wir sicherstellen, dass jeder Patient die ihm zustehende Aufmerksamkeit, Versorgung und Expertise erhält, die ihm zusteht.“

Gleichzeitig gehe es darum, die Notaufnahme weiter zu entlasten, damit diese den Notfällen die bestmögliche und auch schnellstmögliche Versorgung garantieren kann.

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Wartezeit von 3 Stunden soll halbiert werden

Momentan liegt die durchschnittliche Wartezeit bei 3 Stunden und 50 Minuten, diese soll innerhalb des Jahres 2020 halbiert werden.

Erreicht werden soll dies mit einem Maßnahmenpaket, das unter anderem die Kostenbeteiligung von 25 Euro für nicht dringenden Fälle vorsieht.

Allgemeinmediziner als Ansprechpartner

„Unsere Vorstellung von Gesundheitsversorgung ist derzeit vielfach zu krankenhauslastig“, sagte der Gesundheitslandesrat. Der Fokus müsse viel stärker vom Krankenhaus auf die wohnortnahe Versorgung gerichtet werden.

Längerfristig gehe es darum, das Bewusstsein zu schaffen, dass bei kleineren Beschwerden und für chronische Patienten der Hausarzt der optimalste Ansprechpartner sei.

„Allgemeinmediziner haben vielfältige Kompetenzen und greifen auf ein sehr breites Leistungsspektrum zurück“, hob Widmann hervor. Dieses fachübergreifende Wissen sei vor allem bei der Erstdiagnose das Um und Auf.

Das Ambulatorium ist ein Pilotprojekt, das auf 2 Jahre ausgelegt ist. In dieser Zeit werden die Ergebnisse überwacht und ausgewertet. Anschließend soll über eine mögliche Ausdehnung auf ganz Südtirol befunden werden.

Mit Grippe ins Ambulatorium, nicht in Notaufnahme

Künftig sollen Patienten, deren Beschwerden in der Ersteinschätzung als Fall für den Hausarzt eingestuft werden, ins neue Ambulatorium weitergeleitet werden.

„Dort kümmern sich Fachleute um die Patienten, verschreiben Rezepte oder Visiten, die dann über die Einheitliche Vormerkzentrale vorzumerken sind“, erklärte Primar Mario La Guardia.

Es ist allerdings auch möglich, dass ein Patient vom Ambulatorium wieder in die Notaufnahme überstellt wird. „Es geht nicht darum, uns von Patienten bzw. von nicht dringenden Fällen zu 'befreien', weil ihre Beschwerden nicht ernst genommen werden. Vielmehr ist ein Allgemeinarzt in diesem Fall oft die geeignetste Ansprechperson“, sagte La Guardia.

Den Dienst leisten rund 30 Allgemeinmediziner und die Ärzte des Dienstes für Betreuungskontinuität. Sie stehen den Ärzten der Notaufnahme in den Tagesstunden - genauer von 8.00 bis 20.00 Uhr - unterstützend zur Seite.

Künftig werden unter anderem folgende Krankheitsbilder dem neuen Ambulatorium für Grundversorgung zugewiesen: Störungen der Skelettmuskulatur (z.B. nicht traumatische Rückenschmerzen), dermatologische Beschwerden (z.B. Insektenstiche, Hautausschlag, Lymphdrüsenschwellung), Augen- oder HNO-Beschwerden, Beschwerden aus dem Bereich der Urologie, Gynäkologie, Gastroenterologie (z.B. Magen-Darm-Grippe) oder Grippesymptome.

lpa