Freitag, 05. Juli 2019

Notstand im Apotheker-Schrank

„Ausverkauft“ – das heißt es derzeit in vielen Apotheken Österreichs. Bis zu 50 Medikamente sind nicht lieferbar, für manche Präparate ist bis Herbst zu warten. Auch in Südtirol gibt es solche Engpässe, sagt der Apotheker Peter von Aufschnaiter. Und für die Patienten kann das durchaus problematisch werden, erklärt der Hausarzt Dr. Adolf Engl.

Medikamenten-Engpässe können nicht vermieden werden.
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Medikamenten-Engpässe können nicht vermieden werden. - Foto: © shutterstock

Erst kürzlich hat Peter von Aufschnaiter in seiner Apotheke in Bozen ein Blutdruckmedikament nicht mehr erhalten. Kurze Zeit später ein Parkinsonmedikament. „Das ist für den betroffenen Patienten definitiv ein Problem“, sagt er. Natürlich könne man nicht alle über einen Kamm scheren. „Wenn ein Schmerzmittel fehlt, dann kann man vielleicht ganz unkompliziert auf ein anderes umsteigen, aber bei einem Blutdruckmedikament, auf das man eingestellt ist, geht das nicht so einfach. Und schon gar nicht bei einem Parkinsonmedikament“, sagt von Aufschnaiter.

Das bestätigt auch Dr. Adolf Engl. „Wenn jemand auf ein Medikament eingestellt ist, dann bereitet eine Umstellung auf ein anderes Probleme“, sagt er. Natürlich reagiere jeder Patient anders, „aber eine Unannehmlichkeit ist es auf jeden Fall, für fragile Patienten kann es auch problematisch werden. Und das ist dann auch für uns Ärzte eine Belastung“, sagt der Hausarzt.

Dass ein Medikament auf einmal nicht mehr erhältlich ist, kann mehrere Gründe haben: Zum einen ist Italien, so wie Griechenland und Spanien, ein Tiefpreisland. „Bei uns sind viele Medikamente billiger als in Deutschland oder der Schweiz. Deshalb deckt man sich häufig hier bei uns ein; es gibt Firmen, die sich auf den Import und Export von Medikamenten spezialisiert haben“, erklärt von Aufschnaiter. Entsprechend fehlen diese Medikamente auf dem hiesigen Markt. Auch Österreich, wo derzeit Apotheker und Ärzte gegen den Arzneimittelengpass mobil machen, ist ein Billigpreisland: Die Industrie liefere lieber dorthin, wo sie für ihre Arzneimittel mehr bekomme als in Österreich, ärgerte sich Max Wudy, Allgemeinmediziner und Referent für Medikamentenversorgung in der niederösterreichischen Ärztekammer.

Dass Medikamente immer mal wieder nicht erhältlich seien, liege oft auch an Problemen in der Herstellung. Zum Beispiel könne die Ausgangssubstanz fehlen, sodass nicht einfach die Produktion gesteigert werden könne. Im Vorjahr sei es vorgekommen, dass ein Blutdruckmedikament vom Markt genommen wurde, weil ein gesundheitsschädliches Nebenprodukt entdeckt wurde, erklärt von Aufschnaiter. „Bis hier ein neuer Weg der Produktion gefunden wird, in dem dieses Nebenprodukt nicht mehr anfällt – das kann dauern.“ Wenn es Engpässe gibt, würden Medikamente zwar kontingentiert und auf die Apotheken gerecht verteilt. Auch sind Apotheker verpflichtet, Engpässe auf einer Plattform zu melden, damit das Ministerium intervenieren kann. „Trotzdem können Ausfälle und Engpässe nicht vermieden werden“, bedauert von Aufschnaiter.

D/wib

stol