Der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, erklärte, mindestens 60 Menschen seien verletzt worden. Es gebe offenbar auch noch etliche Vermisste, die Zahlen schwankten zwischen fünf und 20.Zwei von Schlammlawinen getroffene Häuser stürzten teilweise ein und begruben Menschen unter den Trümmern. Ein Mann ertrank in seinem Auto. Von den Wassermassen isolierte Menschen in Scaletta und Giampilieri im Süden von Messina konnten bisher nur per Helikopter und Schiff erreicht werden. Zahlreiche Menschen warteten am Morgen noch auf den Dächern ihrer Häuser auf Hilfe. In manchen Ortschaften türmte sich der Schlamm nach Angaben von Augenzeugen bis zu sieben Meter hoch.Bertolaso: "Wir befürchten noch viel mehr Tote""Wir fürchten, dass sich unter den Trümmern noch viel mehr Tote befinden", so Bertolaso. "Die Lage ist sehr kritisch. Mehrere Risikozonen sind mit den Hubschraubern nicht erreichbar, was die angelaufenen Rettungsmaßnahmen ungemein behindert". Vor allem in Giampilieri gleiche die Situation einem Höllenszenario. Vielfach werde mit bloßen Händen im Schlamm nach Verschütteten gegraben. Hunderte Freiwillige haben sich den Rettungskräften angeschlossen, um zu helfen. „Ich war im Auto, als der Schlamm mich komplett überrollt hat", erzählte ein Jugendlicher im Fernsehen, sichtlich unter Schock. Eine gerettete Frau berichtete vom Krankenbett aus, dass zwei Stockwerke ihres Wohnhauses „im Schlamm verschwanden". Mitarbeiter der Rettungstruppen sprachen von einem „furchtbaren Anblick".„Der Bürgermeister von Messina, Giuseppe Buzzanca, hat an Ärzte, Krankenschwestern und Feuerwehren der umliegenden Gegenden einen Appell gerichtet und um deren Hilfe gebeten.Für den Bürgermeister von Scaletta, Mario Briguglio, handelt es sich um eine Katastrophe, die absehbar war. "Dasselbe ist vor ein paar Jahren schon einmal passiert. Nur gab es damals keine Toten." Bertolaso pflichtete ihm diesbezüglich bei. Er wolle „nicht polemisch sein", aber viele der Erdrutsche seien durch Bauen ohne Genehmigung erst möglich geworden. Verkehrsverbindungen sind teilweise unterbrochenNach einem Erdrutsch waren die Autobahn südlich von Messina und die Eisenbahnstrecke zeitweise nicht passierbar. Mehr als 60 Verletzte konnten nicht auf dem Landweg ins Krankenhaus gebracht werden, sondern mussten zunächst zum Strand und von dort mit Booten zum Hafen von Messina gebracht werden. Die Schwerverletzten wurden mit dem Hubschrauber weiter in die Kliniken geflogen.dpa/joi