Der Zug 7008 hielt um 9.20 Uhr am Bahnhof Plaus. „Die Passagiere waren eingestiegen und ich schaute noch durch die Tür auf den Bahnsteig, ob auch alle Fahrgäste eingestiegen waren. Da sah ich einen Mann auf einer Wartebank sitzen, der nur geradeaus gestarrt hat. Also bin ich aus dem Zug hinaus und zu ihm hinüber gerannt. Auch der Lokführer hatte noch aus dem Zug geschaut und den Zug angehalten“, erzählt die junge SAD-Kontrolleurin Deborah Hofer.<BR />Der Mann, ein bundesdeutscher Tourist um die 65 Jahre alt, reagierte nicht mehr auf ihre Rufe, sein Blick starr. Die Frau des Mannes, die neben ihm saß, war völlig hilflos und aufgelöst. „ Ich habe ihn dann langsam auf die Bank hingelegt und den Puls gefühlt, aber es war kein Puls mehr zu spüren. Also habe ich mit der Herzdruckmassage begonnen. Da denkt man nicht mehr, da funktioniert man“, sagt Hofer. Erste Hilfe Maßnahmen und damit auch die Herzmassage hatte sie bei den Kursen gelernt, die für SAD-Angestellte verpflichtend sind. Inzwischen hatte sich Lokführer Simone Capozzolo im Zug den Defibrillator geschnappt und war zu seiner Kollegin gelaufen. Alle Züge sind mit Defibrillatoren ausgestattet.<BR />Sie haben dem Mann dann die Kleidung nach oben geschoben und ihn angeschlossen. „Wir haben dem Mann mit dem Defibrillator nur einen Schock versetzt und haben dann abwechselnd mit der Herzdruckmassage weitergemacht“, erzählt Deborah Hofer. Über die Landesnotrufnummer 112 hatte sie zudem die Rettung gerufen. <BR />Bis Notärztin und Rettung eingetroffen sind, seien rund 15 Minuten vergangenen. 1, 2, 3, 4 – Herzdruckmassage. Wie oft die beiden gezählt und dann auf den Brustkorb gedrückt haben, weiß Hofer nicht, es habe sich lange angefühlt, sagt sie. „Wir haben nie aufgehört. ,Bitte kommen Sie zurück‘, sagte ich zu ihm. Man muss mit dem Menschen reden, damit er hört, das jemand da ist und sich kümmert“, schildert Deborah Hofer die fiebrig-hektische Situation. Der Mann reagierte mit Schnappatmung. <BR />Gleichzeitig galt es die Zugpassagiere wieder zurück in den Zug zu bitten, damit der Rettungswagen freie Fahrt hatte, schildert Hofer die Situation. Mit Eintreffen der Notärztin und der Rettungssanitäter konnten die Beiden die Verantwortung in deren Hände legen. „Die Notärztin hat uns Komplimente gemacht und meinte, dass der Mann ohne uns wohl gestorben wäre“, sagt Hofer. <BR />Die Frau des Mannes war ganz ruhig. „Sie war unter Schock. Wir haben uns dann nur umarmt und beide geweint. Wir waren alle k.o. und völlig fertig“, sagt die SAD-Kontrolleurin. Es sei Teamwork gewesen, nur im Team mit Simone Capozzolo sei das Durchhalten möglich gewesen. „Wir waren im richtigen Moment am richtigen Ort. Heute (gestern, Anm. d. Red.) war ja Zugstreik. Wäre der Zug bestreikt worden, wäre wohl alles anders gekommen“, fügt Hofer hinzu.