„Seit knapp einem Monat lebe ich auf der Straße“, erzählt ein Marokkaner. Er wollte, wie alle anderen Befragten, anonym bleiben. Seit 2006 lebt der Mann in Italien, zunächst in Venedig, ehe er 2021 nach Bozen kam. <BR /><BR />„Ich hatte hier mehrere Arbeiten, war unter anderem bei einem Transportunternehmen, einem Hotel in Bozen und zuletzt bei einem Gastbetrieb am Karerpass beschäftigt“, erzählt der 34-Jährige. Diesen Job hat er in diesem Winter nicht mehr bekommen.<h3> „Bis 4 Uhr kann man schlafen“</h3>Auf seine ersten Erfahrungen vom Schlafen im Freien angesprochen, meint der Mann: „Bis 4 Uhr kann man schlafen. Anschließend sinken die Temperaturen nochmal drastisch.“ Um nicht zu erfrieren und sich aufzuwärmen, gehe er ein paar Runden zu Fuß.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1260465_image" /></div> <BR />Gefährlich ist das Übernachten im Freien aber nicht nur der Kälte wegen. Kürzlich wurde der Nordafrikaner im Schlaf bestohlen. „Mein Handy und meine Geldtasche waren weg“, berichtet er. Eine Anzeige habe er bereits erstattet, zum Glück sei seine Aufenthaltsgenehmigung noch da. Aktuell sei er auf Arbeitssuche, was allerdings alles andere als einfach sei. „Als ich nach Bozen kam, war Arbeit in Hülle und Fülle da. Das hat sich mittlerweile geändert. Es ist sehr schwierig, einen Job zu finden“, meint der Marokkaner.<h3> Nachts im Auto, tagsüber als Putzkraft tätig</h3>„Ich schlafe nachts im Auto“, berichtet ein anderer Obdachloser. Sein Fahrzeug steht in unmittelbarer Nähe des Nachtquartiers. „Bevor ich schlafen gehe, starte ich den Pkw und lasse die Heizung für einige Minuten laufen“, erläutert er sein Konzept gegen die Kälte. „Trotzdem habe ich im Fahrzeug zu kalt.“ Im Ex-Alimarket möchte er die Nachtstunden keinesfalls verbringen. „Da ist es mir zu gefährlich, ich habe Angst, bestohlen zu werden“, meint er. Aktuell arbeitet er als Putzkraft, ist aber auf der Suche nach einem Job als Fahrer – er besitzt den Führerschein der Klasse B.<BR /><BR />Ein weiterer Marokkaner erklärt auf Englisch, dass er in der Obdachlosenunterkunft in Leifers untergebracht ist. „Um 7 Uhr werden wir weggeschickt und dürfen erst abends wiederkommen“, berichtet er. Die tägliche Mahlzeit erhalten die Bedürftigen in Bozen. „Das Essen ist kostenlos. Meistens gibt es Reis mit Gemüse. Aber ich bin froh um jede Mahlzeit, die ich bekomme“, zeigt er sich dankbar.<h3> Schuhe und Jacken für alle</h3>Unterstützt werden die Obdachlosen von Ehrenamtlichen des Vereins Bozen Solidale, die ihnen regelmäßig Schuhe, dicke Wollsocken, Hosen, Jacken sowie Decken und Schlafsäcke bringen. „Das sind alles Sachspenden, die wir erhalten“, erklärt Federica Franchi, die Präsidentin der Organisation. Deutlich schwerer sei es dagegen, ein Zelt zu ergattern.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1260468_image" /></div> „Seit heuer müssen die Arbeiter, die im Ex-Alimarket übernachten, einen monatlichen Beitrag von 150 Euro bezahlen“, betont Franchi. Dies schrecke die Obdachlosen aber nicht ab. „Es gibt schlicht und einfach keine anderen verfügbaren Schlafplätze“, unterstreicht die Ehrenamtliche im Gespräch mit uns.