Denn immer mehr Menschen in Südtirol sind von Obdachlosigkeit und ihren extremen sozialen Folgen bedroht, warnt die Caritas.„Angesichts der tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen hat die Obdachlosigkeit ein neues Gesicht bekommen. Immer mehr Männer und Frauen mit einer bisher stabilen Lebensgeschichte laufen Gefahr, ihr Heim zu verlieren und ins soziale Abseits zu geraten“, betonten die beiden Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im „Haus Margaret“. Um dies zu verhindern seien zusätzliche Maßnahmen und Präventivprogramme notwendig. Den diesjährigen Caritas-Sonntag nützt die Caritas Diözese Bozen-Brixen deshalb, um die Südtiroler Öffentlichkeit auf die „neuen“ Obdachlosen aufmerksam zu machen.Das sind Männer und Frauen, die noch bis vor kurzem ein stabiles Leben geführt haben, aber infolge wirtschaftlichen und familiären Veränderungen ins soziale Abseits geraten sind, unterstrich Schweigkofler. „Die Betroffenen stammen immer öfter aus Bevölkerungsschichten, die noch vor wenigen Jahren weit entfernt von einem Leben auf der Straße waren. Es sind junge Arbeitslose, Rentner oder auch Getrennte und Geschiedene, die auf dem Wohnungsmarkt keine finanzierbare Unterkunft finden“, erklärt Fontana.Laut einer Studie der Caritas Italiana, der fio.PSD („Federazione Italiana Organismi per le Persone Senza Dimora“) und dem Ministerium für Arbeit und Soziales sind die neuen Obdachlosen zu 90 Prozent Männer, die ihre Arbeit verloren haben oder an ihrem Arbeitsplatz zu wenig verdienen, um die Miete für eine menschenwürdige Unterkunft zu bezahlen und deshalb auf der Straße leben. Die meisten der italienweit 50.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf verlieren mit ihrer Unterkunft gleichzeitig die Ansässigkeit und damit das Recht, soziale Dienste in Anspruch zu nehmen. „Sie verschwinden aus den Datenbanken und werden nicht betreut“, so Schweigkofler und Fontana. Bis zu 500 Obdachlose in SüdtirolIn Südtirol leben nach Einschätzung des Landessozialberichtes 2011 zwischen 400 und 500 Menschen auf der Straße – vorwiegend in den Städten. “Die Ergebnisse aus der italienweiten Erhebung spiegeln sich auch in Südtirol wieder”, unterstreicht die Caritas-Bereichsleiterin für Obdachlosenarbeit, Patrizia Federer. Demnach sei auch in Südtirol das Risiko, das eigene Heim zu verlieren, gestiegen. Am meisten gefährdet seien heute die so genannten ‘working poors’, also Menschen die trotz Arbeitsplatz ein zu geringes Einkommen haben, um über die Runden zu kommen, und Rentner mit Mindestpension. Während noch vor wenigen Jahren schwierige Lebensgeschichten, Abhängigkeitserkrankungen und psychische Problematiken Hauptgründe für die Obdachlosigkeit waren, werden die Obdachlosenhäuser, Notschlafstellen und Tagesstätten heute immer häufiger von so genannten wohnungslosen Menschen genutzt. „Das sind Männer und Frauen, die vor allem materielle Probleme haben und aufgrund des immer schwierigeren Arbeitsmarktes oder nach Trennungen und Scheidungen unter die Armutsgrenze gerutscht sind und die Miete nicht mehr bezahlen können“, so Federer. Sie gelte es, rechtzeitig aufzufangen, bevor die Wohnungslosigkeit chronisch wird. Laut Untersuchungen der Caritas ist damit zu rechnen, dass die "Wohnungslosigkeit" in Südtirol zunimmt: Als Folge von einer wachsenden Zahl von Trennungen und Scheidungen, aufgrund eines zunehmend problematischen Arbeitsmarktes und nicht zuletzt wegen der hohen Wohnungskosten. Die Kollekte am Caritas-Sonntag erfolgt wie jedes Jahr zu Gunsten der Caritas. Ein Drittel der Kollekte kann für die Aktivitäten der örtlichen Pfarrcaritas verwendet werden und zwei Drittel werden an die Diözesancaritas überwiesen.