Montag, 11. Mai 2020

Oberarzt verlässt OP – Patient stirbt

Ein Oberarzt, der offenbar im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) während einer heiklen Operation das Spital verlassen und die OP an einen Assistenzarzt übergeben haben soll, ist am Montag entlassen worden. Der 77-jährige Patient starb. Dem Mediziner drohen außer den dienst-, auch straf- und standesrechtliche Konsequenzen. Im Raum steht der Verdacht der fahrlässigen oder der grob fahrlässigen Tötung.

Patient starb, nachdem der Oberarzt die Operation verlassen hatte.
Patient starb, nachdem der Oberarzt die Operation verlassen hatte. - Foto: © LEISS VERENA
Interne Ermittlungen hätten „die Verdachtsmomente hinsichtlich der Verletzung der Dienstpflicht verdichtet“, womit die Entlassung „unumgänglich war“, meinte der ärztliche Leiter des KUK, Ferdinand Waldenberger in einer Aussendung.

Zudem hat er für „eine rechtliche Beurteilung“ alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Im Raum stehen der Verdacht der fahrlässigen Tötung mit einem Strafrahmen von bis zu einem Jahr Haft oder gar der grob fahrlässigen Tötung (bis zu 3 Jahre). Auch Konsequenzen durch die Ärztekammer - Stichwort Berufsverbot - könnte es geben, so der ärztliche Leiter.

Am Dienstag war der 77-jährige Patient wegen eines Aortarisses mit dem Rettungshubschrauber ins KUK eingeliefert und operiert worden. Der Oberarzt, der den Eingriff leitete, soll während einer noch kritischen Phase der Operation an einen Assistenzarzt übergeben haben, um in seine Privatordination zu gehen. Nach Schwierigkeiten bei der OP starb der Mann laut einer Obduktion an einem Hinterwandinfarkt, den er während des Eingriffs erlitten hatte.


apa/stol