Sonntag, 28. März 2021

Oberösterreich: Patient irrtümlich die gesunde Prostata entfernt

Im Linzer Kepler-Universitätsklinikum (KUK) ist einem Patienten irrtümlich die gesunde Prostata entfernt worden, weil die Krebsverdachts-Gewebeproben zweier Männer verwechselt wurden.

Im Linzer Kepler-Universitätsklinikum (KUK) ist einem Patienten irrtümlich die gesunde Prostata entfernt worden,
Im Linzer Kepler-Universitätsklinikum (KUK) ist einem Patienten irrtümlich die gesunde Prostata entfernt worden, - Foto: © APA (Archiv) / HEINZ ZIEGLER
Das berichtete die „Kronen Zeitung“ am Sonntag. In einer Stellungnahme des KUK hieß es, derzeit bestehe noch keine Klarheit darüber, wie und wo es zu dieser Vertauschung der Gewebeproben kommen konnte. Zur Klärung übermittelte das KUK eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Linz.

„Wir bedauern diesen Vorfall und haben die beiden betroffenen Patienten natürlich bereits in persönlichen Gesprächen über die Vertauschung informiert“, erklärte der Ärztliche Direktor des Kepler Universitätsklinikums, Karl-Heinz Stadlbauer, am Sonntag in einer Presseaussendung. Bei jenem Patienten mit der tatsächlichen Tumor-Diagnose sei die Behandlung wieder aufgenommen worden.

Genaue Analyse und Aufarbeitung folgen

Wo die Verwechslung passiert ist, ist derzeit unklar. Das sei noch Gegenstand einer genauen Analyse und Aufarbeitung, wurde seitens des Uniklinikums erklärt. „Im November 2020 wurden bei 2 Patienten mit Verdacht auf ein Prostata-Karzinom Prostata-Biopsien (Gewebeproben, Anm.) durchgeführt. Die entnommenen Proben wurden zur Diagnostik an eine darauf spezialisierte Pathologie in Erlangen (Deutschland) geschickt“, erläuterte der Vorstand der Klinik für Urologie und Andrologie, Frens-Steffen Krause.

Die Befunde aus Erlangen hätten gezeigt, dass einer der beiden Patienten an einem Prostata-Karzinom litt, der andere jedoch keine Auffälligkeiten bei der Biopsie zeigte. Am 19. Jänner 2021 sei der Patient mit der vermeintlichen Karzinom-Diagnose operiert worden. „Im Anschluss an die OP wurden – wie in solchen Fällen üblich – die entfernten Gewebeteile neuerlich pathologisch untersucht. Dabei stellte sich eine Diskrepanz zum ursprünglichen Biopsiebefund heraus, die auf eine Probenvertauschung hingedeutet hat,“ schilderte Krause.

Nur aufgrund der Nachuntersuchung und akribischen Aufarbeitung am Institut für Pathologie am Kepler Universitätsklinikum habe die zweite Probe, mit der die Vertauschung stattgefunden haben muss, identifiziert werden können. Um diesen Verdacht zu erhärten, seien die benötigten Gewebeproben nochmals zur Verifizierung an Erlangen übermittelt worden. „Am Abend des 24. März 2021 wurde der Verdacht, dass es zu einer Probenvertauschung gekommen sein muss, vom pathologischen Institut in Erlangen bestätigt“, wurde in der Aussendung des Kepler-Uniklinikums erklärt.

Aktuell keine Klarheit über Vertauschung

Derzeit bestehe noch keine Klarheit darüber, wie und wo es zu dieser Vertauschung der Gewebeproben kommen konnte. „Die sehr exakt beschriebenen und dokumentierten Prozesse haben bisher keine Fehlerquelle im Kepler Universitätsklinikum erkennen lassen“, hieß es seitens des KUK. Es lasse sich daher nicht mit abschließender Sicherheit feststellen, ob die Vertauschung am Kepler Universitätsklinikum oder an der Universität in Erlangen stattgefunden haben könnte.

Nachdem der operierte Mann über die Geschehnisse aufgeklärt worden war, habe zunächst seine Freude überwogen, nicht an Krebs erkrankt zu sein, ist in dem „Krone“-Bericht zu lesen. Er sei über die rechtlichen Wege zu einer Entschädigung aufgeklärt worden.

apa