<b>Von Micaela Taroni<BR /></b><BR />Möglich seien auch persönliche Gespräche mit dem Verdächtigen. Nach Angaben der Ermittler schrieb Sempio darin über sein Verhältnis zu Frauen, rechtfertigte Vergewaltigungen und hielt eigene „Obsessionen“ und „Fragilitäten“ fest. Die Verteidigung könnte eine solche Untersuchung jedoch ablehnen.<BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft begründete die Maßnahme mit der Notwendigkeit, die Schuldfähigkeit Sempios zum Zeitpunkt der Tat sowie seine Prozessfähigkeit zu prüfen. Zudem solle geklärt werden, ob eine „gesellschaftliche Gefährlichkeit“ vorliege. Ein entsprechender Befund könnte den Ermittlern als Grundlage für die Beantragung von Sicherungsmaßnahmen dienen.<BR /><BR />Die Anwälte des Verdächtigen, Angela Taccia und Liborio Cataliotti, reagierten überrascht auf den Schritt der Ermittler. Nach ihren Angaben hätten sie vielmehr eine Auseinandersetzung mit objektiven Beweismitteln erwartet. Dabei verwiesen sie insbesondere auf eine Fußspur am Tatort, die nach Ansicht der Verteidigung nicht mit Sempios Fußmaß vereinbar sei.<BR /><BR />Die Verteidigung prüft nun nach eigenen Angaben, ob sie ein eigenes psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben oder beim Gericht ein Beweisverfahren mit einem unabhängigen Sachverständigen beantragen soll. Die Staatsanwaltschaft erklärte zugleich, die Vorermittlungen liefen noch bis zum 28. September. In dieser Zeit sollten weitere Untersuchungen vorgenommen werden, auch um mehrere von der Verteidigung eingereichte Gutachten auf ihre wissenschaftliche Belastbarkeit zu prüfen.<BR /><BR />Nach Einschätzung der Ermittler könnte die Persönlichkeit Sempios anders sein als das öffentliche Bild eines zu Unrecht verfolgten Mannes. Die Staatsanwaltschaft sieht ein mögliches Tatmotiv in einer mutmaßlichen Fixierung des Verdächtigen auf Chiara Poggi sowie in dem Versuch, sich der jungen Frau zu nähern, als diese allein zu Hause war. Weil Poggi ihn zurückgewiesen habe, soll Sempio, ein Freund von Chiaras Bruder Marco,die Wirtschaftsstudentin ermordet haben.