Sonntag, 07. Juni 2020

Österreicher umfahren Grenzsperre und machen Urlaub in Jesolo

Österreichische Urlauber trotzen den noch geltenden Reisebeschränkungen nach Italien und gönnen sich einen Strandurlaub. Mehrere Österreicher trafen bereits in Jesolo an der oberen Adria ein. Dafür wurde ein langer Umweg in Kauf genommen.

Gäste aus Deutschland und aus Österreich sind bereits in Jesolo eingetroffen.
Gäste aus Deutschland und aus Österreich sind bereits in Jesolo eingetroffen. - Foto: © ANSA / Stringer
„Ein Salzburger Gast, der bei mir schon seit seiner Kindheit urlaubt, hat beschlossen, mit seiner Freundin über die Schweiz nach Italien zu reisen, um uns hier in Jesolo zu besuchen. Bei der Heimreise will er die selbe Route fahren, um die zweiwöchige Quarantäne zu umgehen“, berichtet Antonio Vigolo, Inhaber des Hotels Cavalieri Palace in Jesolo, im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Sein Hotel ist seit dem 30. Mai wieder offen und vor allem deutschsprachige Kunden sind bereits eingetroffen.

„Die erste Familie, die ich nach der Wiederöffnung empfangen habe, ist die einer langjährigen Kundin, die von Stuttgart abgefahren ist. Sie hat in München Kinder und Enkel abgeholt und zusammen sind sie die ganze Nacht durchgereist. In der Früh um 9.00 Uhr saßen sie zum Frühstück in unserem Restaurant. Das ist eine große Belohnung für uns Hoteliers, die wir uns trotz noch schwieriger Aussichten zum Neustart entschlossen haben“, berichtet der 77-jährige Vigolo, der mit einer Österreicherin verheiratet ist und 13 Jahre lang in der Hotellerie in Wien gearbeitet hat.

„Das tolle Verhalten unserer Gäste, die wir zum Teil schon seit 40 Jahren kennen, ermutigt uns. Viele erzählen, dass sie seit Jahren Fronleichnam in Jesolo verbringen. Auch Covid-19 darf unsere Tradition nicht unterbrechen', sagte mir kürzlich ein deutscher Gast. Das ist eine Ermutigung nach den schwierigen Zeiten, die wir erlebt haben“, sagt der Hotelier, auch Betreiber des angesehenen Hotels Hermitage in Jesolo.

„Meine Kinder sind in Wien auf die Welt gekommen und ich fühle mich als halber Österreicher. Daher hoffe ich, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz auf meinen Appell hört und die Grenzen nach Italien wieder öffnet. Wir gehören alle zu Europa“, sagte Vigol. „Natürlich können Österreicher in diesem Sommer in Österreich und Italiener in Italien urlauben, doch es ist wichtig, dass wir wieder zu einem normalen Leben zurückfinden und der Urlaub gehört dazu. Die Region Venetien ist ein sicheres Urlaubsziel. In Jesolo haben wir seit Februar lediglich 4 Infektionsfälle gemeldet“, rührte er die Werbetrommel.

Die Badeortschaft Jesolo ist um österreichische Urlauber besonders bemüht. Vor zwei Wochen hatten die lokalen Hoteliers einen Offenen Brief an Bundespräsidenten Alexander van der Bellen gerichtet. „Wir sind bereit, österreichische Touristen wieder willkommen zu heißen. Die Beziehung zwischen Österreich und Italien ist viel mehr als nur geographische Nähe“, hieß es im Schreiben.

apa

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