So erklären Wirtschaftsvertreter, Gewerkschafter und Mediziner den deutlichen Anstieg der Krankmeldungen seit dem 15. Oktober. <BR /><BR /><BR /><BR />Um 21,5 Prozent mehr Krankschreibungen wurden am Freitag, 15. Oktober, dem Tag der Einführung der Green-Pass-Pflicht, bei öffentlichen und privaten Arbeitnehmern in ganz Italien verzeichnet – im Vergleich zu Freitag, 8. Oktober. Kamen am 8. Oktober noch 76.836 Beschäftigte krankheitsbedingt nicht zur Arbeit, so stieg diese Zahl genau eine Woche später auf 93.322. Das geht aus den Zahlen des NISF/INPS hervor. In Südtirol lag dieser Anstieg demnach bei 16,3 Prozent. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="699866_image" /></div> <BR /><BR />Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man die Krankschreibungen von vergangenen Montag, 18. Oktober, mit jenen von Montag, 11. Oktober vergleicht: Plus 16,4 Prozent an Krankschreibungen in ganz Italien am 18. Oktober, und in Südtirol sind es noch immerhin plus 15,7 Prozent. <BR />Im Trentino ist der Anstieg noch deutlicher ausgefallen: Plus 22,4 Prozent am Freitag, 15. Oktober (gegenüber Freitag, 8. Oktober), aber dann nur ein Plus von 7 Prozent am Montag 18. Oktober (gegenüber 11. Oktober). <BR /><BR /><b>„Einige Fälle gibt es doch“</b><BR /><BR />Der „Corriere della Sera“ geht davon aus, dass diese gestiegenen Krankmeldungen zuallererst mit der Green-Pass-Pflicht zusammenhängen: Damit würden Arbeitnehmer, die sich weder impfen oder testen lassen wollen, die Suspendierung und damit verbunden finanzielle Einbußen vermeiden. <BR /><BR />Von einigen Krankmeldungen in Südtirol aufgrund es Grünen Passes geht man auch beim Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh) aus. Präsident Martin Haller meint: „Es ist zwar im Handwerk kein breites Phänomen, aber einige Fälle sind es doch, bei denen sich Leute offenbar haben krank schreiben lassen, um nicht suspendiert zu werden. Solche Fälle sollten nicht Schule machen. Wir appellieren an die Ärzte, ihrer Pflicht nachzukommen und die Patienten in der Praxis oder zuhause zu untersuchen. Dies wird aber nicht immer so praktiziert. Die Ärzte sind hier aber gefordert, genau hinzuschauen. Der Gesetzgeber hat die Green-Pass-Regel vorgesehen, dann sollte sie auch umgesetzt werden – und man sollte da nicht nach anderen Lösungen suchen“, meint Haller. <BR /><BR /><b>Südtirol steht besser da</b><BR /><BR />Positiv sei, dass die Krankenstände in Südtirol weniger stark gestiegen seien als auf gesamtstaatlicher Ebene. Im Südtiroler Handwerk sei der Ausfall von Personal derzeit besonders bitter. „Denn die Personallage ist eh schon angespannt, wir haben relativ viele freie Stellen“, berichtet Haller. Und die Auslastung sei gut. <BR /><BR />ASGB-Chef Tony Tschenett geht davon aus, dass sich die Zahl derer, die sich wegen des Grünen Passes krank schreiben lassen, in Südtirol in Grenzen hält: „Wenn überhaupt, dann sind das nur einzelne“, betont Tschenett. „Bei uns ist die Situation sicherlich nicht wie im restlichen Staatsgebiet.“ Schon eher würden Arbeitnehmer in Südtirol derzeit vermehrt Urlaub nehmen.<BR /><BR /><b>„Viele grippale Infekte“</b><BR /><BR />Der Anstieg der Krankenstände dürfte wohl auch mit der kälter werdenden Jahreszeit und den sich ausbreitenden Infekten zusammenhängen. Wie die SÜGAM-Vorsitzende Dr. Doris Gatterer, bestätigt, „gibt es derzeit zahlreiche grippale Infekte“. Auch akute Rückenschmerzen und Mandelentzündungen seien verbreitet. <BR /><BR />Dr. Domenico Bossio, Basisarzt in Lana, betont: „Wenn sich jemand bei mir wegen der Grün-Pass-Pflicht krank schreiben lassen will, dann klopft er an die falsche Tür. Für solche Krankschreibungen habe ich kein offenes Ohr.“ Auch Bossio berichtet von vermehrten Krankenständen aufgrund von starken Erkältungen, Bronchitiden und Bauchgrippe. <BR />