Mittwoch, 28. November 2018

Ohne Not in Notaufnahme: Bald kostenpflichtig

Druckventil für überlaufene Notaufnahmen: Wer ab dem 1. Mai 2019 eine der 7 Notaufnahmen im Land aufsucht, obwohl keine Notwendigkeit bestand, der muss zahlen – und zwar mindestens 35 Euro. Dies berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ am Mittwoch.

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Foto: © STOL

Besonders die Notaufnahmen in Bozen und Meran sehen sich tagtäglich einem enormen Patientenzustrom gegenüber – allein in Bozen sind es 90.000 Patientenzugänge pro Jahr. Um den Zustrom einzudämmen, war bereits vor 16 Jahren – im fernen Jahr 2002 – von der Landesregierung beschlossen worden, dass Patienten, die ungerechtfertigterweise in der Notaufnahme auftauchen statt zum Hausarzt zu gehen, 50 Euro berappen müssen.

Dieses Vorhaben ist dann allerdings vor allem in den Notaufnahmen von Bozen und Meran gescheitert, weil sich Ärzte auf Nachfrage von Politikern immer wieder rechtfertigen mussten, warum der Patient XY für die Leistung in der Notaufnahme hatte zahlen müssen.

Patienten mit Kodex Blau und Grün müssen zahlen

Künftig ist es so, dass der Patient bei seinem Zugang zur Notaufnahme gemäß Manchester-Triage-System eingeordnet wird.

Das heißt, innerhalb kurzer Zeit wird der Patient beispielsweise nach den Symptomen zu „Lebensgefahr“, „Schmerzen“, „Blutverlust“, „Bewusstsein“, „Temperatur“ und „Krankheitsdauer“ eingeschätzt und entsprechend dieser Einschätzung einer von 5 Stufen der Dringlichkeit zugewiesen.

Rot heißt sofort behandeln, Kodex orange ist sehr dringend mit maximaler Wartezeit von 10 Minuten, gelber Kodex heißt dringend – Wartezeit eine halbe Stunde – sowie die Kodices Grün und Blau bzw. normal und nicht dringend.

Genau diese letzten 2 Patientengruppen müssen künftig zahlen. 35 Euro Strafe für die nicht notwendige Gesundheitsleistung plus 15 Euro zusätzlich für alle nicht-ticketbefreiten Patienten. „Ich wollte eigentlich bei den 50 Euro für alle bleiben, wie wir das früher schon einmal beschlossen hatten, aber das geht mit den Regelungen für die Ticketbefreiten nicht konform“, erklärte gestern Gesundheitslandesrätin Martha Stocker.

Ausnahmen für Kinder und Schwangere

Neu ist auch, dass Kinder bis 14 Jahre von dieser Regelung ausgenommen sind, „wenn der Kinderarzt nicht im Dienst ist wie beispielsweise an den Wochenenden oder aber es vor Ort keinen Kinderbasisarzt gibt wie derzeit in Innichen oder Sterzing“, erklärt Stocker. Ausgenommen sind zudem beispielsweise Schwangere oder psychiatrische Notfälle.

„Es ist wichtig, dass die Landesregierung so eine Maßnahme ergriffen hat, weil wir in den Notaufnahmen leider Gottes viele nicht gerechtfertigte Zugänge haben, die besonders die Notaufnahmen in Bozen und Meran verstopfen und so dafür sorgen, dass andere Patienten lange auf Leistungen warten müssen“, sagt der Chef des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer.

Eigentlich hätte diese schärfere Gangart für Patienten, die die ärztliche Abkürzung in die Notaufnahme nehmen, schon ab dem 1. Jänner 2019 in Kraft treten sollen. „Wir haben aber den Termin auf Mai verschoben, weil mit 1. Jänner schon die Sanktionen für nicht abgesagte Facharztvisiten starten, das Personal geschult werden muss, und zudem soll bis zum 1. Mai das Hausärzte-Projekt ,Vernetzte Gruppenmedizin‘ besser verankert sein“, sagt Stocker. Dieses sieht vor, dass ein Hausarzt der Gruppe zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar ist.

Der Sanitätsbetrieb wird die Bevölkerung über die Neuregelung informieren. „Zudem bekommen alle jene Patienten, die zwischen dem 1. Jänner und 30. April 2019 die Notaufnahmen ungerechtfertigt aufsuchen ein Infoblatt ausgehändigt, dass sie künftig Strafe bezahlen müssten“, sagt Zerzer.

D/lu

stol