Diesen Appell um Unterstützung ihres Anliegens bei den zuständigen Stellen hat Nuzzaci in ihrem Bericht über das Gerichtsjahr 2020/2021 ans Oberlandesgericht Trient übermittelt. Bekanntlich verzögert sich der Bau des neuen Bozner Gefängnisses bereits seit Jahren immer wieder. Und in der völlig überalterten Bozner Haftanstalt fehlt es an allen Ecken und Enden. <BR /><BR />Zum 28. Juli 2021 saßen in Bozen 104 Häftlinge ein (zeitweise waren es im vorigen Jahr auch 114 Personen), ausgelegt ist das Gefängnis für 96. In den Zellen gibt es kein warmes Wasser, die Duschen befinden sich außerhalb der Zellen.<BR /><BR />Annarita Nuzzaci ist seit März 2019 Direktorin des modernen Gefängnisses in Spini di Gardolo bei Trient, zugleich ist sie aber interimsmäßig – und das schon seit Oktober 2019 – auch für das Bozner Gefängnis zuständig. 2 Tage in der Woche ist sie in Bozen, auch der Kommandant, der die rechte Hand der Direktorin ist, ist derzeit „ausgeliehen“: Der Vizekommandant von Trient kommt an 2 Tagen pro Woche nach Bozen – und fehlt dann wie die Direktorin in Trient. <BR /><BR />Auch wenn dort nicht alles perfekt ist – die personelle Unterbesetzung ist auch in der Vollzugsanstalt in Spini di Gardolo ein Problem –, so liegt in der Bozner Haftanstalt vieles mehr im Argen. Anders als in Trient, wo den Insassen weitläufige Grünanlagen und etliche Räume für Schulungen, Sport, Arbeit und Kurse zu Verfügung stehen, gibt es in Bozen einen einzigen Innenhof, nur 2 Räume für schulische Tätigkeiten in Ex-Lagerräumen, eine Bibliothek, 2 Trainingsräume und eine Kapelle – der einzige Raum, in dem etwa 80 Personen Platz finden. <BR /><BR />Nur jeweils 30 Häftlinge können sich zeitgleich beispielsweise in der Küche, bei der Essensverteilung, bei Reinigungs- und Renovierungsarbeiten nützlich machen, für andere konstruktive Tätigkeiten gibt es keinen Platz. <BR /><BR />Nur ein einziger Erzieher/Betreuer sei im Dienst, der Arzt sei 6 bis 9 Stunden am Tag im Haus, vorgesehen wären 12 Stunden. Immer wieder komme es zu Aggressivität bei den Häftlingen, zunehmend mehr Insassen hätten psychische Probleme und bräuchten Betreuung durch spezialisiertes Personal. Doch ein Psychiater stehe in Bozen nur 4 Stunden pro Woche zur Verfügung, und statt 75 Vollzugsbeamten sind nur 61 im Dienst. <BR /><BR />„Wenn man die Dinge wirklich ändern möchte, muss man eingreifen, wo es am dringendsten nötig ist und die besten Mittel an den schlimmsten Orten einsetzen – ansonsten wird man nur einen Blitzableiter hinsetzen, dem man Verantwortung überträgt, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, irgendetwas zu bewegen“, sagt Nuzzaci.<BR /><BR /> Es brauche motiviertes und ausreichend Personal, „damit sowohl für die Insassen als auch für jene, die dort arbeiten, Sicherheit und Würde gewährleistet werden kann“.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/der-blick-hinter-die-gitterstaebe-bericht-aus-dem-bozner-gefaengnis" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Den Bericht von Bruno Bertoldi, der sich seit über 50 Jahren freiwillig um die Häftlinge in Bozen kümmert, lesen Sie hier.</a><BR /><BR />