Donnerstag, 21. April 2022

Olga Barisheva: Neue Fahndung nach der Kronzeugin?

Thomas Ladurner muss weiter bangen: Das von der Kassation verfügte neue Verfahren wegen Übervorteilung einer 92-Jährigen, deren Sachwalter er war, musste gestern auf 20. Juli vertagt werden. Bis dahin will das Richterkollegium des Oberlandesgerichts Trient entscheiden, wie es weitergeht.

Olga Barisheva hatte den Meraner Anwalt Thomas Ladurner schwer belastet – dennoch war er 2-mal freigesprochen worden. Jetzt soll sie in einem neuerlichen Prozess in Trient gegen ihn aussagen; allerdings ist sie Ukrainerin und laut Recherchen von Interpol hält sie sich seit längerem auch dort auf – unter falschem Namen.

Der Generalstaatsanwalt besteht nämlich darauf, wie es das Orlando-Gesetz vorsieht, dass Kronzeugin Olga Berishova, der bei einer Einreise nach Italien ihre Festnahme droht, angehört wird. Das Kassationsgericht hatte den Freispruch des Bozner Oberlandesgerichts aus dem Jahr 2020 annulliert und verfügt, dass das Oberlandesgericht in Trient einen neuen Prozess anberaumen muss – mit Einvernahme der „Kronzeugin“.

Gestern hat der Generalstaatsanwalt in Trient erneut auf diese Einvernahme gepocht, während die Verteidigung von Thomas Ladurner, Anwalt Fabrizio Francia, erneut seinen Freispruch forderte.

Suche nach Kronzeugin in Kriegswirren?

Das Richterkollegium hat sich gestern bis zum 20. Juli Zeit genommen, über die verschiedenen Anträge der Parteien zu entscheiden. So kann auch Zeit gewonnen werden, Barisheva zu finden: Die gebürtige Ukrainerin dürfte laut Interpol bereits seit längerem in der Ukraine leben – unter anderem Namen. Sie konnte im Herbst für den damals anberaumten Prozess nicht ausfindig gemacht werden, während der aktuellen Kriegswirren wird dieses Unterfangen wohl völlig unmöglich sein. Es muss also entschieden werden, ob eine neuerliche Fahndung nach der Frau ausgeschrieben wird.

Thomas Ladurner wird hingegen nach dem Kassationsentscheid vor dem Trienter Oberlandesgericht erneut beweisen müssen, dass er sich der Übervorteilung nicht schuldig gemacht hat. Bekanntlich wurde er 2017 vom Bozner Landesgericht und 2020 vom Bozner Oberlandesgericht von den Vorwürfen freigesprochen.

Barisheva, die die 92-jährige Frau pflegte, für die Ladurner Sachwalter war, hatte den Meraner Anwalt schwer belastet – und auf diese Aussagen hatte sich die Anklage vornehmlich gestützt. Wegen dieser entsprechend den bisherigen Urteilen falschen Anschuldigungen wird sich Barisheva verantworten müssen. Es ist bislang allerdings nicht gelungen, ihr die Vorladung zur Vorverhandlung in diesem Fall zuzustellen. Bei einer Einreise nach Italien riskiert Barisheva allerdings auch ihre Festnahme, da die 3 Haftstrafen, die sie sich während ihrer Zeit in Südtirol eingehandelt hatte, rechtskräftig sind.

uli

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