Weniger Neuinfektionen, aber mehr Kinder, die wegen Covid-19 im Spital landen. Hat Südtirol die Omikron-Welle bereits hinter sich, oder kommt es noch schlimmer? Die Prognose von Biostatistiker Markus Falk. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="728735_image" /></div> <BR />In den letzten 2 Tagen hat sich in Südtirol aber erstmals eine mögliche Trendumkehr abgezeichnet: Die Inzidenz ist gesunken, so auch die Zahl der aktiven Fälle und der Isolierten. <BR /><BR /><b>Wochensumme an Ansteckungen könnte bald unter 18.000 sinken</b><BR />Es sehe danach aus, „dass wir den vorläufigen Höhepunkt des Omikron-Ausbruchs erreicht haben“, meint Biostatistiker Markus Falk. „Der Reproduktionsfaktor liegt zwar noch über der 1, der kurzfristige aber bereits darunter, sodass in der aktuellen Woche nun weniger als 18.000 Neuinfektionen zu erwarten sind.“ <BR /><BR />Allzu optimistisch gibt sich der Brunecker aber nicht, denn bis zum vergangenen Wochenende sind hierzulande über 19.000 Ansteckungen pro Woche nachgewiesen worden. Mittlerweile ist diese Summe wieder gesunken – und immer noch fast 4 Mal höher als während der letzten 4 Infektionswellen. <BR /><BR /><b> „EM-Welle“ in Italien – „November-Welle“ in Südtirol</b><BR />Apropos Infektionswellen: Laut Markus Falk haben wir insgesamt 4 hinter uns: „Jede Welle entspricht einem klar umrissenen Ausbruchsgeschehen und wir befinden uns in der 5. Welle.“ <BR /><BR />Das wird auch anhand der Wochensummen an Neuinfektionen ersichtlich: Nach einer kleinen ersten Welle zu Beginn der Pandemie bäumten sich 2 größere im Spätherbst 2020 und in den ersten Monaten von 2021 auf, um im Sommer wieder abzuflachen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="728624_image" /></div> <BR /><BR />Noch kürzer als zwischen den beiden letztgenannten Wellen scheint der Abstand zwischen der aktuellen und der sogenannten vierten Welle zu sein. <BR />Interessant dabei ist, dass es sich um ein Südtiroler Phänomen handeln könnte, zumal es „im restlichen Italien keine November-Welle gab, dafür aber die Europameisterschafts-Welle, sodass auch dort nun Nummer 5 ansteht“, erklärt Falk. <BR /><BR /><b>Varianten bestimmen das Infektionsgeschehen</b><BR />Alternativ dazu lassen sich die letzten Monate auch „in eine anfängliche Delta-Welle plus spätere Omikronwelle unterteilen“, greift der Biostatistiker die entscheidende Rolle, die auch die Varianten beim Anstieg der Infektions- und Krankenhauskurve spielen. <BR /><BR />Was die Hospitalisierungen anbelangt, könnte das Land in den kommenden Tagen mit den Folgen der hohen Infektionszahlen konfrontiert werden. In mehreren italienischen Regionen steigt die Zahl der an Corona erkrankten Kinder im Spital. <BR /><BR />Allein in den letzten 7 Tagen seien laut der Vereinigung der italienischen Kinderärzte 400 Kinder zwischen 0 und 9 Jahren aufgrund von Covid-19 stationär aufgenommen worden.<BR /><BR /><b>Über 5000 infizierte Kinder in 3 Wochen</b><BR />Auch in Südtirol werde „die Hospitalisierung bei den Kindern steigen“, weiß Falk. Allerdings sei die Omikron-Variante bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen weniger invasiv, sodass ein geringerer Anteil im Krankenhaus versorgt werden müsse. <BR /><BR />Dennoch könnte es ausgehend von den Pädiatrie-Abteilungen zu Engpässen in der Sanität kommen, zumal „die Betten dort noch knapper als bei den Erwachsenen sind“, sagt Falk.<BR /><BR /> Außerdem entfielen allein in den letzten 3 Wochen über 5000 Fälle auf die 0- bis 9-Jährigen, das entspricht etwa 10 Prozent der Personen, die zu dieser Altersgruppe gehören. „Etwa 25 bis 50 davon könnten aufgenommen werden müssen“, lautet die Prognose. <BR /><BR />Schwerwiegender sei aber der Umstand, dass „wir nicht wissen, was Omikron bei den Kindern längerfristig gesehen anrichten kann“, gibt Falk zu bedenken. <BR /><BR /><b>Omikron infiziert Zellen, die in hoher Zahl im Hirn vorkommen</b><BR />Es gebe erste Hinweise, dass Long Covid nun zunehmen könnte, weil Omikron „besser persistieren kann“, also länger im Körper des Wirts überlebt. <BR /><BR />Beunruhigend sei vor allem die Tatsache, dass Omikron „mit Vorliebe etwas andere Zellen infiziert, die auch im Hirn in großer Zahl vorkommen“, erklärt der Biostatistiker und ruft dazu auf, „vorsichtig zu sein, solange wir nicht entwarnen können.“ <BR /><BR />Man müsse bedenken, dass eine Infektion nicht rückgängig gemacht werden kann – das sei auch die einzige Gemeinsamkeit, die eine Ansteckung mit der Impfung habe, meint Falk abschließend: Erstere bringe „ansonsten nur Nachteile.“<BR /><BR /><BR />