„Bereits vor Corona haben wir einen Anstieg in diesem Bereich festgestellt. Die Pandemie hat das Ganze noch einmal ordentlich gepusht, und in diesem Jahr sind die Zahlen förmlich explodiert“, weiß Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart, in dem auch Spielsüchtige behandelt werden. <BR /><BR />Nun liegen erstmals Daten vor, wie viel Südtirol allein im Internet fürs Glücksspiel riskiert. Laut der Agentur für Akzisen, Zölle und Monopole waren es 2022 sagenhafte 356,98 Millionen Euro. Damit sind die Einsätze hierzulande im Vergleich zu 2021 um weitere 4,4 Prozent angestiegen. Zwar ist der Anstieg klar geringer ausgefallen als im Trentino (+12,4 Prozent) und dem Durchschnitt im restlichen Staatsgebiet (+8,8 Prozent). Bei der Gesamtsumme, die im Vorjahr fürs Online-Glücksspiel eingesetzt wurde, liegt Südtirol aber nach wie vor knapp 17,4 Mio. Euro klar vor der Nachbarprovinz.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="946462_image" /></div> <BR /><BR />Höher als im Trentino fällt auch die Summe aus, die die Südtiroler dabei verloren haben: nämlich über 20 Mio. Euro gegenüber 18,2 Mio. Euro. Und auch bei den Pro-Kopf-Einsätzen fürs Glücksspiel im Netz – errechnet auf die Bevölkerung zwischen 18 und 74 – hat Südtirol mit knapp 950 Euro die Nase vor dem Trentino. Sogar noch einmal 300 Euro pro Kopf mehr sind es laut den für die Provinzhauptstädte veröffentlichten Daten in Bozen. Demnach hat jeder Bürger Bozens 2022 über 1200 Euro beim Online-Glücksspiel eingesetzt.<BR /><BR />Zum Thema haben wir mit Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart, gesprochen.<BR /><BR /><b>Gibt's in Südtirol besonders viele Glücksritter?</b><BR />Dr. Martin Fronthaler: Der Begriff Glücksritter ist zwar im Grunde positiv besetzt, bezeichnet in diesem Fall aber wohl immer eine traurige Figur. Dasselbe gilt für den Begriff Gewinn. Unterm Strich zahlt man beim Glücksspiel nämlich immer drauf.<BR /><BR /><b>Sind Meldungen wie jene vom Millionen-Gewinn mit einem Rubbellos in Sterzing in der Vorwoche kontraproduktiv?</b><BR />Fronthaler: Im Grunde ja. Solche Gewinne sind höchst selten, und dem stehen viele Fälle von Menschen gegenüber, für die das Spiel im Desaster endet. <BR /><BR /><b>Wird in Südtirol besonders viel gespielt?</b><BR />Fronthaler: Wenn man bedenkt, dass hier pro Kopf und Jahr insgesamt fürs Glücksspiel, also nicht nur online, 1300 Euro eingesetzt werden: ja. Aber nicht alle Spieler sind automatisch spielsüchtig. 4 bis 5 Prozent jener, die spielen, sind spielsüchtig oder haben einen problematischen Umgang mit dem Glücksspiel. Nicht zu vergessen ist, dass im Umfeld von Spielsüchtigen im Schnitt weitere 7 bis 8 Personen von der Spielsucht betroffen sind, ohne selbst süchtig zu sein. <BR /><BR /><b>Wie steht's ums Online-Glücksspiel im Land?</b><BR />Fronthaler: An erster Stelle liegen nach wie vor Rubbellose, gefolgt von Spielautomaten. Aber mit zunehmender Häufigkeit spielen unsere Patienten auch im Netz. Das Problem beim Online-Angebot ist, dass auch solche spielen, die bis dahin keinen problematischen Umgang damit hatten. <BR /><BR /><b>Worin liegt die Gefahr des Online-Glücksspiels?</b><BR />Fronthaler: Im erleichterten Zugang. Mit dem Smartphone hat man das Spiel-Casino sozusagen jederzeit bei sich. Weiterer „Vorteil“: Es fällt praktisch nicht auf, wenn man spielt. Raus kommt das ganze erst, wenn man in finanzielle Schwierigkeiten gerät.<BR />