Experten schlagen Alarm, denn die Betroffenen werden immer jünger. „Der Markt des Online-Glücksspiels ist völlig explodiert und das Angebot nicht mehr überschaubar“, weiß Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart. Die meisten Menschen wüssten zwar über die großen Gefahren und geringen Gewinnchancen Bescheid, nutzen das Glücksspiel jedoch dennoch gern als Zeitvertreib. „Der Wunsch nach dem großen Geld ist zunächst eher zweitrangig. Viele junge Menschen möchten sich lediglich das Taschengeld aufbessern oder ihre Langeweile vertreiben“, erklärt der Experte.<BR /><BR />Vor allem bei jungen Menschen gibt es derzeit ein neues Phänomen. Sie investieren viel Geld in Online-Trading und rutschen so in die Schuldenfalle. „Die Masche mit diesen Investitionen ist äußerst raffiniert. Die Menschen geben sich der Illusion hin, so leicht zu viel Geld zu kommen“, weiß Dr. Fronthaler. Junge Menschen kommen meist in den sozialen Medien mit Online-Trading in Berührung. <BR /><BR />Doch Achtung: „Nicht jeder, der spielt, ist gleich süchtig. Gelegentlicher und kontrollierter Konsum ist unproblematisch. Die Gefahr einer Abhängigkeit ist aber dennoch groß“, sagt er. Für die Diagnose einer Suchterkrankung sind sieben Kriterien maßgeblich: die Intensität des Konsums, die Höhe der finanziellen Verluste, wie sehr sich die Gedanken darum drehen, sozialer Rückzug, ein starkes Verlangen und ob die Person ihr Problem erkennt. „Für eine Diagnose müssen nicht alle Kriterien erfüllt sein, in der Regel genügen drei bis vier Punkte. Viele Menschen glauben irrtümlich, sie könnten nicht abhängig sein, wenn einzelne Anzeichen fehlen“, erklärt Dr. Fronthaler.<h3> In kritischen Lebensphasen ist Suchtgefahr groß</h3>Vor allem Personen, die sich in kritischen Lebensphasen befinden, seien besonders anfällig dafür, in eine Sucht abzurutschen. „Das sind häufig Menschen, die zuvor lange einen unproblematischen Konsum hatten. Sie erleben eine Trennung oder verlieren ihre Arbeit und rutschen in eine Abhängigkeit“, weiß der Experte. Zunächst wird man mit kleinen Gewinnen oder Beinahe-Treffern geködert. „Das Gehirn kann weder einordnen, wie viel Geld zuvor verloren ging, noch wie gering der Gewinn ist. Entscheidend ist der emotionale Reiz. Der kann eine Dynamik in Gang setzen, die in die Sucht führt“, erklärt er.<BR /><BR />Die Auswirkungen einer solchen wiegen schwer. Betroffene verspielen ihr ganzes Geld und häufen hohe Schuldenberge an. Sie leihen sich Geld bei Freunden, Bekannten oder Banken und überziehen ihre Konten. „Manche haben bis zu 150.000 Euro Schulden. Oft ist ihnen das gar nicht bewusst, sie verdrängen es, weil sie in ihrer Welt gefangen sind“, erklärt er. Besonders gefährlich seien nicht nur die Auswirkungen, sondern auch die Rückfallquote. Die Allgegenwärtigkeit von PCs und Smartphones macht es enorm schwierig, abstinent zu bleiben. „Bei anderen Suchtmitteln ist ein Verzicht einfacher. Meistens kommen dieselben Menschen immer wieder in Therapiezentren zurück“, weiß Dr. Fronthaler.