Um den Patienten kümmert sich der Carabiniere bis zur Ankunft des Rettungswagens. Ein Tag mit den Beamten auf E-Bikes auf der Seiser Alm überzeugt von der Bedeutung dieses neu eingeführten, nachhaltigen Dienstes. <BR /><BR />Zenner stellt das Rad ab, streift sich Latex-Handschuhe über und lässt sich vom Rezeptionisten aufs Zimmer bringen, in dem ein älterer Mann über Nierenschmerzen klagt. Wegen einer gesperrten Straße treffen die Weiß-Kreuz-Sanitäter erst 20 Minuten später ein – viel zu viel Zeit, selbst bei einem medizinischen Notfall. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="918448_image" /></div> <BR /><BR />Zenner ist selbst Mitglied beim Weißen Kreuz, seine Kollegen hatten ihn gebeten, mit dem E-Bike eine Abkürzung zu nehmen und nach dem Rechten zu sehen. Die Rettungskette enger knüpfen: Dazu trägt zum einen die kapillare Verteilung der Carabinieri im Land bei. Zum anderen sind viele Beamte aktive Mitglieder der Dorfgemeinschaft und stärken so noch mehr das Vertrauensverhältnis zu anderen Rettungs- und Polizeikräften. <BR /><BR />So war Zenner der erste, der dem älteren Mann im Hotel zu Hilfe eilte. „Wir müssen Bürgernähe zeigen“, sagt der Landeskommandant der Carabinieri, Oberst Raffaele Rivola – und er meint damit auch räumliche Nähe. Man habe beobachtet, dass viel mehr Menschen nun das ganze Jahr über in die Berge gehen. Die Carabinieri müssten diesen „touristischen Migrationsflüssen“ folgen. Denn dort, wo sich viele Menschen aufhalten, lauern Gefahren wie Unfälle und Kriminalität. <h3> „Dort sein, wo sich die Menschen aufhalten“</h3>„Um Bürgernähe umzusetzen, müssen wir uns auch anpassen. Und dafür brauchen wir die geeigneten Mittel“, so Rivola. Auch solche, um sich fortzubewegen. So habe man mit dem E-Mountainbike das perfekte Gefährt gefunden, um als Freund und Helfer auch im Sommer in den Bergen schnell da zu sein – und das auch klimafreundlich. <BR /><BR />Traf man im Winter in den meisten Skigebieten auf Carabinieri-Beamte auf Motorschlitten und Skiern, übersieht nun keiner der zahlreichen Sommerurlauber die E-Mountainbike-Streifen am Berg: „Die Carabinieri müssen dort sein, wo sich die Bürger aufhalten“, lautet das Rivolas Credo.<h3> Von Kastelruth bis zur Seiser Alm mit E-Bike und Bahn </h3>Täglich steigen Hauptfeldwebel Erhard Zenner und Stabsgefreiter Davide Teodori in Kastelruth auf ihre E-Mountainbikes, treten in die Pedale zur Seiser Alm Bahn, die sie samt Drahtesel – und um 9 Uhr Früh auch Dutzenden Wanderern und Radfahrern – auf die größte Hochalm Europas bringt. „Kein SUV, kein Motorrad“, so Rivola – Es ist der wohl emissionsärmste Dienst der Carabinieri. <BR /><BR />„Wir legen im Schnitt 30, manchmal aber sogar 50 Kilometer am Tag zurück“, erklärt Zenner. An diesem Freitagvormittag dauert es allerdings fast eine Stunde, ehe Teodori und Zenner einen Kilometer zurücklegen: Neben Wanderern und Radfahrern gibt es am Berg weitere Hindernisse, „die eine Gefahr für Personen darstellen könnten, die es nicht gewohnt sind, mit E-Mountainbikes zu fahren – oder bisher nur in der Stadt gefahren sind“, weiß Zenner. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="918451_image" /></div> <BR /><BR />So bleiben die Carabinieri immer wieder stehen, um E-Bike-Fahrer über das richtige Verhalten am Berg aufzuklären. Obwohl gesetzlich nicht verpflichtend, empfehlen sie allen Radfahrern, einen Helm aufzusetzen. „Bei der Abfahrt wird es nämlich gefährlich“ und viele verlieren die Herrschaft über das schnelle, aber meist auch schwere elektrische Fahrrad, so der Hauptfeldwebel. So sieht Oberst Rivola Prävention auch als Teil der Bürgernähe an – und damit als zentrale Aufgabe der Carabinieri. <BR /><BR />Zenner und Teodori bleiben plötzlich vor einem engen Weg stehen, der weit über das Hochplateu zum Teil über Holzstege führt. In der Ferne haben sie 3 E-Radfahrer gesehen, die genannten Weg befahren – viele Wanderer weichen im letzten Moment erschrocken aus. An der Abzweigung, die den engen mit einem breiteren Weg verbindet, halten die Carabinieri die 3 Deutschen auf. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="918454_image" /></div> <BR /><BR />„Wir lassen uns gerne belehren“, sagen die 3 Männer, nachdem sie beklagt hatten, dass kein Schild darauf hinweist, dass man mit dem Fahrrad enge Wege meiden sollte. Strafen werden keine ausgestellt, lediglich die Personalien der 3 Männer aufgenommen. <BR />„Personenkontrollen gehören zur Arbeit dazu. Das geht jetzt viel schneller dank Tablets“, sagt Teodori. Aus der E-Bike-Tasche holt er ein Tablet heraus, mit dem alle Ordnungshüter seit einigen Jahren auch im Streifendienst Zugriff auf die Datenbank, ohne die Zentrale einschalten zu müssen. <h3> Radfahrer-Beamte als Ratgeber und Fotomotiv </h3>Während der Personenkontrolle bitten die Urlauber Zenner um einige Tipps zu E-Bike-Touren im Schlerngebiet. Darüber hinaus werden die Beamten immer wieder gefragt, ob sie etwas gegen ein Foto hätten: „Wir haben Carabinieri auf Pferden gesehen – aber auf E-Bikes noch nie“, wundert sich eine Urlauberin aus Rom. <BR /><BR />Die Personenkontrollen werden auch in den Betrieben durchgeführt – dabei wirken die Carabinieri überhaupt nicht einschüchternd auf Personal und Gäste. Sie werden vom Inhaber beim Namen genannt und freundlich begrüßt und die Gäste haben keinerlei Problem damit, ihren Ausweis zu zeigen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="918457_image" /></div> <BR />Kurz nachdem sie die 3 Deutschen „belehrt“ haben, sehen sich die beiden Beamten gezwungen, als Wasserprediger und Weintrinker dazustehen: Zenner beobachtet in der Ferne einen Rettungswagen des Weißen Kreuzes – 7 Minuten später hat er mit dem E-Bike talwärts über enge Wege, die zwischen Hütten, Bäumen und Zäunen verlaufen, ein Hotel erreicht, in dem es einen medizinischen Notfall gab. Zenner betreut den Patienten, ehe die Sanitäter wegen einer gesperrten Straße 20 Minuten später eintreffen. <BR /><BR />Geschwindigkeit und Können sind ein Muss in diesem Job, weiß Zenner. Im Sommer radelt er auf der Seiser Alm, im Winter patrouilliert er auf Motorschlitten und Skiern seit rund 30 Jahren die Pisten. Sicherheit gehe aber immer vor: „Hätte ich nicht die Erfahrung, die ich habe, würde ich das Risiko nicht eingehen“, weist er auf eine der häufigsten Unfallursachen bei E-Bike-Unfällen am Berg hin: Mangelnde Erfahrung und Ausrüstung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="918460_image" /></div> <BR />„Es ist anders als in der Stadt“, wiederholt Zenner. Und das zeigt sich auch immer wieder im Laufe des Streifendienstes auf der Seiser Alm. Zwar dürfen Fahrzeuge dort nur mit Genehmigung fahren – man trifft aber immer wieder auf große Milchwagen. <BR /><BR />Diese sind wiederum ein Hinweis auf die Präsenz von Tieren – und die können plötzlich die Straße oder einen Weg überqueren. „Man muss die Augen immer offen halten“, rät Zenner, während er wartet, bis die letzte Kuh die Straße überquert hat.<BR />