Der „Kimberley-Prozess“ weigere sich, etwas gegen die klaren Verbindungen zwischen Diamanten, Gewalt und Tyrannei zu unternehmen und sei deshalb mehr und mehr überholt, teilte Global Witness am Montag in London mit und kündigte seinen Ausstieg aus dem Schema an. Die Organisation spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung des „Kimberley“-Schemas und hatte den Status eines offiziellen Beobachters.In einem „schockierenden Schritt“ habe die jüngste Konferenz die Ausbeutung der umstrittenen Marange-Minen in Simbabwe durch zwei namhafte Firmen autorisiert, erklärte Global Witness. Dadurch sei ein internationaler Anti-Konflikt-Mechanismus zu einem „zynischen Absegnungs-Mechanismus für Unternehmen“ verkommen.Im vergangenen Jahrzehnt sind der Organisation zufolge Wahlen in Simbabwe mit brutaler Einschüchterung der Wähler einhergegangen. „Das Land nähert sich erneuten Wahlen und es gibt ein hohes Risiko, dass Hardliner der Zanu PF (von Machthaber Robert Mugabe) diese Taktiken erneut anwenden und die Rechnung mit Marange-Diamanten bezahlen“, warnte Charmian Gooch von Global Witness.Die EU, auf deren Initiative hin die Einigung auf die unbeschränkte Exporterlaubnis zustande kam, verteidigte den Kompromiss. Simbabwe habe ein „erneuertes Bekenntnis“ abgegeben, die Mindeststandards des Kimberley-Prozesses in der gesamten Marange-Mine einzuhalten und unabhängigen Beobachtern Zutritt zu verschaffen.Mit „Blutdiamanten“ haben Rebellen in mehreren Ländern Afrikas in den 90er Jahren Bürgerkriege finanziert. Besonders in Sierra Leone, Liberia, Angola und der Demokratischen Republik Kongo brachten Aufständische Minen unter ihre Kontrolle und finanzierten mit Diamanten-Schmuggel ihre Waffenkäufe.Deshalb vereinbarten Regierungen, Firmen und Organisationen den im Jahr 2003 in Kraft getretenen „Kimberley-Prozess“. Mit dem System aus Herkunfts-Zertifikaten wollen 75 Länder den Weg der Edelsteine lückenlos und für den Käufer transparent belegen.„Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Verbraucher immer noch nicht sicher sein können, woher ihre Diamanten kommen, noch, ob damit Gewalt oder Unrechts-Regime finanziert werden“, sagte Gooch.Konkret habe das System in drei Punkten versagt, sagte Gooch. Neben der Entwicklung mit Blick auf Simbabwe hätten die Regierungen es nicht geschafft, den Handel mit Konflikt-Diamanten aus der Elfenbeinküste zu unterbinden. Sie hätten sich auch unwillig gezeigt, ernsthaft etwas gegen die eklatanten Regelverstöße in Venezuela zu unternehmen.dpa