Mittwoch, 24. Februar 2016

Organspende: Wenn Fremde neue Hoffnung schenken

"Hoffnung geben": Dies war wohl die zentrale Botschaft eines bewegten Abends im Zeichen der Organspende am Dienstag im Filmclub in Bozen. Persönlichkeiten aus Medizin, Wissenschaft, Film und Medien berichteten im Bozner Filmclub über ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Thema und brachten ihre außergewöhnlichen und bewegenden Erfahrungen ein.

Mit dem Einverständnis zur Organspende kann zahlreichen Menschen geholfen werden.
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Mit dem Einverständnis zur Organspende kann zahlreichen Menschen geholfen werden. - Foto: © shutterstock

Unter dem Motto "Spende Leben – Dona vita" hat das Landesressort Gesundheit vor nunmehr zehn Monaten erstmals das Thema der Organspende in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Am Dienstag lud Gesundheitslandesrätin Martha Stocker zu "einem bewegten und emotionalen Abend im Zeichen des großen Dankes".

"Die Zahlen geben uns recht: die Spenderbereitschaft in Südtirol ist durch die Informationskampagne des Landes beträchtlich gestiegen. Auch dank unserer zahlreichen Unterstützer ist es uns gelungen, innerhalb kurzer Zeit 1335 Südtiroler zur Abgabe der Willenserklärung zu bewegen", verkündete Landesrätin Stocker gleich zu Beginn der Veranstaltung.

Die Gästeliste war prominent besetzt: Theo Kelz (Briefbombenopfer und Empfänger von zwei Spenderhänden), Professor Raimund Margreiter (Wissenschaftler und Transplantationschirurg), Don Mario Gretter (Beauftragter für die Sachbereiche Ökumene und interreligiösen Dialog der Diözese Bozen-Brixen), Jutta Speidel (deutsche Schauspielerin und Botschafterin für die Organspende), Cuno Tarfusser (Vizepräsident des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag) sowie Anna Barbara Sum (Mitglied der Vereinigung "Junge Helden e.V." aus Berlin) berichteten anschließend im Gespräch mit Moderator Markus Frings über ihre persönlichen Erfahrungen und über die Hintergründe ihres Engagements für die Organspende.

"Es waren vom ersten Moment an meine Hände"

"Niemals aufgeben" war das Motto, welches das Briefbombenopfer Theo Kelz in der Zeit nach dem Attentat im Jahre 1994 begleitete. Nach dem Verlust beider Unterarme meisterte der Familienvater zunächst seinen Alltag mit zwei Handprothesen, im März 2000 wurden ihm in einer 17-stündigen Operation zwei neue Hände transplantiert. "Es waren nie fremde Hände, sondern vom ersten Moment an meine Hände", erinnerte sich Kelz an die Zeit nach dem brillanten Eingriff von Professor Raimund Margreiter an die Universitätsklinik Innsbruck.  

Über "Ängste, die Leben kosten" sprachen hingegen die Schauspielerin Jutta Speidel und der Vizepräsident des Internationalen Strafgerichtshofes in den Haag Cuno Tarfusser. Die Hauptdarstellerin des Kultthrillers "Fleisch" aus dem Jahre 1979 ging dabei insbesondere auf die Stimmungsmache, die Vorurteile und die Gesellschaftskritik zum Thema der Organspende und speziell auf den Organhandel ein.

"Nach dem eigenen Tod kann man mit einer Organspende anderen Menschen Leben schenken, vor allem aber ist die Willenserklärung zu Lebzeiten die Möglichkeit schlechthin, dem illegalen Organhandel entschieden entgegenzutreten", appellierte Jutta Speidel an die Zuschauer. 

stol

stol