Samstag, 04. Juli 2020

Pandemie: Kostenexplosion in der Sanität

10,1 Millionen Euro hat Corona den Südtiroler Sanitätsbetrieb bis Ende Mai allein an Schutzmaterial gekostet. 6 Millionen Euro kosteten bis dahin die Tests. Das zeigen die Zahlen, die den „Dolomiten“ exklusiv vorliegen. Neben den immensen Mengen an Schutzmänteln und -masken waren es auch die Stückpreise, die am Höhepunkt der Pandemie die Kosten in die Höhe getrieben haben.

Viel Geld wurde bisher für Corona-Schutzausrüstung ausgegeben; die „Dolomiten“ berichten darüber exklusiv in ihrer Wochenendausgabe.
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Viel Geld wurde bisher für Corona-Schutzausrüstung ausgegeben; die „Dolomiten“ berichten darüber exklusiv in ihrer Wochenendausgabe. - Foto: © shutterstock
55.000 Masken werden im Normallfall vom Sanitätsbetrieb jährlich gebraucht. Zu Corona-Hochzeiten waren es 20.000 am Tag. „Allein daran sieht man, warum der Weltmarkt für Schutzausrüstungen zusammengebrochen ist. Das erklärt auch die prekäre Situation, in der wir uns im Februar befunden haben“, sagt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann.

Die Zahlen, die er vorlegt, sind beeindruckend. So wurden von Jänner bis Ende Mai mit fast 2,1 Millionen Stück 10 Mal so viel chirurgische Masken gebraucht, als im selben Zeitraum des Vorjahres. Bei Schutzmasken vom Typ FFP2 und FFP3 waren es mit einer knappen Million Masken gar 40 Mal so viel (siehe Grafik). Selbst die Menge an verwendetem Desinfektionsmittel hat sich fast verdoppelt. 271.042 Liter wurden von Jahresanfang bis Ende Mai gebraucht.

Fast 9,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr kostete den Sanitätsbetrieb allein das Material und die Schutzausrüstung in den ersten 5 Monaten des Jahres. Mit 6,8 Millionen Euro das dickste Plus scheint bei Schutzmänteln auf. Gab der Sanitätsbetrieb zwischen Jänner und Ende Mai des Vorjahres 2900 Euro dafür aus, wurde heuer Material für 6.811.672 Euro gebraucht. Knapp 2 Mio. Euro mehr waren es bei FFP2- und FFP3-Masken.

„Wenn man die Zahlen genauer anschaut, haben wir noch relativ günstig eingekauft“, sagt Widmann. Klar ist nämlich, dass die Corona-Pandemie, die eine enorme weltweite Nachfrage nach Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel zur Folge hatte, die Preise in die Höhe schnellen ließ. Liegt der Stückpreis für eine chirurgische Maske normal bei 12 Cent, wurden heuer dafür bis zu 70 Cent verlangt. Im Schnitt kostete die einzelne chirurgische Maske den Sanitätsbetrieb 40 Cent. Ähnlich das Bild bei den Schutzmänteln: Zu Normalzeiten schlugen diese mit 15 Euro pro Stück zu Buche, während der Corona-Hochzeit wurden bis zu 48 Euro verlangt (siehe Grafik).

Insgesamt hat der Sanitätsbetrieb bis Ende Mai Schutzausrüstung für knapp über 18 Millionen Euro bestellt. Ein Teil des Materials – unter anderem auch ein Teil der aus China importierten und beanstandeten Ware (eigene Meldung) – liegt noch im Lager. „Noch sind wir mitten in der Pandemie, und wir wollen für eine eventuelle zweite Welle bestmöglich gerüstet sein“, sagt Widmann.

Neben den gut 10 Millionen Euro, die für die bereits verbrauchte Schutzkleidung ausgegeben wurde, musste der Sanitätsbetrieb weitere knapp 6 Millionen Euro für Ankauf und Auswertung der verschiedenen Tests aufbringen: Für serologische Tests wurden knapp 2,8 Mio. Euro, für PCR-Tests fast 1,5 Mio. Euro ausgegeben. Die Hälfte der PCR-Tests wurden in Labors des Sanitätsbetriebes ausgewertet, die andere Hälfte in Labors in Österreich und Padua. Dafür fielen 1,5 Mio. Euro an Kosten an.

Diese Kosten sollen aber die Bilanz des Sanitätsbetriebes nicht zusätzlich belasten: Aus dem Landeshaushalt wurden 71 Millionen Euro für coronabedingte Mehrausgaben bereitgestellt – darunter fallen auch Kosten für Personal, Überstunden und den Ausbau an Intensiv-Plätzen. Ein Teil des Geldes hofft man, vom Staat zurückzubekommen. „Wir haben Rückforderungen über 34,9 Millionen Euro nach Rom geschickt“, sagt Widmann. Ob man dieses Geld auch bekommt, ist fraglich.

em