„Ich gebe nicht auf, ich verliere die Hoffnung nicht“, sagt Mutter Patrizia. <BR />Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, hat sie wie jeden Tag ihren „kleinen Kämpfer“ besucht und mit den Ärzten gesprochen. Zuletzt kamen jedoch sehr schlechte Nachrichten aus dem römischen Kinderkrankenhaus Bambino Gesù, das um eine externe Einschätzung gebeten worden war. Dort halten die Mediziner eine zweite Transplantation derzeit für kaum möglich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1277307_image" /></div> <BR /><BR />Der Grund sind schwere Komplikationen nach fast zwei Monaten Behandlung mit einer Maschine für künstliche Atmung und extrakorporale Zirkulation: Hirnblutung, eine unkontrollierte Infektion sowie Nieren-, Lungen- und Leberversagen führen zu einem extrem hohen Sterberisiko — auch wegen der notwendigen immunsuppressiven Medikamente gegen eine mögliche Organabstoßung. Gleichzeitig würden sich diese Erkrankungen ohne funktionierendes Herz weiter verschlechtern.<h3> Ermittlungen laufen weiter</h3>Parallel zur medizinischen Entscheidung ermittelt die Staatsanwaltschaft Neapel. Sechs Mitarbeiter des Monaldi-Krankenhauses — Ärzte und Pflegepersonal — stehen wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Verdacht. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/panne-bei-organtransport-unterlagen-und-kuehlbox-beschlagnahmt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(STOL hat berichtet)</a><BR /><BR />Im Fokus steht der 23. Dezember: An diesem Tag reiste ein spezialisiertes Team nach Bozen, um ein Spenderherz zu entnehmen. Noch am selben Nachmittag wurde es dem Kind in Neapel eingesetzt — obwohl das Organ in einem unbrauchbaren Zustand angekommen sei.<BR /><BR />Nach Angaben der Familie wurde das Spenderherz aus Südtirol beim Transport „beschädigt“, weil Trockeneis statt herkömmlichem Eis verwendet worden sein soll. Die Schäden am Organ seien vor der Operation nicht erkannt worden. Die Ermittlungen sind komplex, da mehrere Teams aus verschiedenen Regionen an der Organentnahme beteiligt waren.<BR /><BR />Am Dienstag hört die Staatsanwaltschaft einen möglicherweise entscheidenden Zeugen an: den Kardiologen, der für die Nachsorge nach der Transplantation zuständig war. Er hatte sechs Tage nach dem gescheiterten Eingriff seine Entlassung eingereicht.<h3> Sanitätsbetrieb meldet sich erneut zu Wort</h3>Der Südtiroler Sanitätsbetrieb (Sabes) hat sich am Montag gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zu dem tragischen Fall erneut geäußert: „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb arbeitet eng mit den Behörden zusammen und bekräftigt sein volles Vertrauen in deren Arbeit. Es liegt im Interesse aller, so schnell wie möglich vollständige Klarheit über den Vorfall zu schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt wird der Südtiroler Sanitätsbetrieb jedoch keine weiteren Erklärungen abgeben, die über das hinausgehen, was bereits zuvor mitgeteilt wurde.“<BR /><BR /> Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat bereits kurz nach Bekanntwerden des „angeblich fehlerhaften Transport eines Spenderorgans vom Landeskrankenhaus Bozen“ nach Neapel reagiert. Organspenden und -transplantationen seien hochspezialisierte und komplexe Verfahren, die strengen Prozeduren und normativen Vorgaben unterliegen, hieß es damals in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur ANSA.<h3> „Verantwortung liegt beim empfangenden Transplantationszentrum“</h3>„Die Kompetenz und volle Verantwortung für die Organentnahme von Herzen, die adäquate Konservierung für den Transport und die nachfolgende Transplantation liegt beim Team des empfangenden Transplantationszentums. Generell werden Organentnahmen für Transplantationen nämlich durch spezialisierte Teams der Transplantationszentren durchgeführt. Die Spender betreuenden Krankenhäuser stellen lediglich die Infrastruktur für die Entnahmeoperation zur Verfügung. Eventuelle Untersuchungen von Seiten der Behörden werden selbstverständlich unterstützt“, so der Sanitätsbetrieb.<h3>Hoffnung trotz dramatischer Lage</h3>Indes ist der Zustand des 2-jährigen Kindes in Neapel weiterhin stabil — allerdings auf extrem kritischem Niveau. Jeder weitere Tag könnte die Situation dauerhaft verschlechtern.<BR /><BR />Am Montagabend versammelten sich vor dem Krankenhaus Angehörige transplantierter Kinder zu einem Fackelzug und Gebet. Auch Gesundheitsminister Orazio Schillaci äußerte sich: Man hoffe weiterhin auf eine Lösung, gleichzeitig müsse man die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. Das Ministerium werde eigene Inspektoren einsetzen.<BR /><BR />Die entscheidende Frage bleibt jedoch die medizinische:<BR />Das morgige Expertentreffen soll klären, ob es überhaupt noch eine Chance auf eine zweite Herztransplantation gibt — und damit auf das Überleben des Kindes.