Samstag, 05. Mai 2018

Papi spricht kein Deutsch: Ab in die italienische Schule

Weil der Vater kein Deutsch spricht, muss das Kind deutscher Muttersprache ab Herbst die italienische Schule besuchen. So hat Anfang des Jahres erstinstanzlich das Landesgericht geurteilt und wenig später auch das Oberlandesgericht. „Hier kommt zuerst der Vater, dann das Kind. Dabei waren die Vorsitzenden beider Richterkollegien deutscher Muttersprache“, stellt Ulli Mair von den Freiheitlichen lapidar fest.

Das Kind deutscher Muttersprache muss ab Herbst die italienische Schule besuchen.
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Das Kind deutscher Muttersprache muss ab Herbst die italienische Schule besuchen. - Foto: © shutterstock

Die Eltern des Kindes sind getrennt. Die deutschsprachige Mutter wollte das Kind, das 3 Jahre einen deutschen Kindergarten besucht hat, in eine deutsche Schule einschreiben. Dagegen legte sich der Vater des Kindes, der in Mittelitalien wohnt und arbeitet, quer.

Da der Vater, laut erstinstanzlichem Urteil in den vergangenen Jahren keine Bereitschaft an den Tag gelegt habe, elementares Deutsch zu lernen „und angenommen werden müsse, dass ein gewisses Desinteresse des Vaters gegenüber der sprachlichen Identität und Kultur seines Kindes bestehe“, sei auch nicht davon auszugehen, dass er in nächster Zukunft soviel Deutsch erlernen werde, um seinem Kind bei Schulaufgaben helfen zu können, wenn es die deutsche Schule besuchen würde.

Zudem so das erste Urteil, sei es in Südtirol gang und gäbe, dass Familien ihre Kinder in Kindergärten und Schulen der anderen Landessprache einschreiben. Succus: Insgesamt sei es besser, das Kind in eine italienische Schule einzuschreiben. 

Detail am Rande: Der Vater sieht das Kind – abgesehen von den Schulferien – jedes 2. Wochenende im Monat, aber allein im Vorjahr hat er einige dieser Kind-Wochenenden sausen lassen. Zu allem Überfluss wurde die Mutter erstinstanzlich noch dazu verurteilt, die Anwaltsspesen des Ex-Partners zu zahlen.

Zweitinstanzlich wird festgestellt, dass das Kind bereits mit Urteil des Oberlandesgerichts von 2015 den deutschen Kindergarten besucht hat, aber die damaligen Argumente, sprich erste Sozialisierung des Kindes und arbeitsmäßige Bedürfnisse der Mutter, seien für die Pflichtschule nun überholt.

„Das Kind eines italienischsprachigen Vaters und einer deutschsprachigen Mutter ist zweisprachig, es lebt in einer zweisprachigen Umgebung und es sei zu hoffen, dass das Kind die zweisprachige Kultur weiterhin pflege“, heißt es im Rekurs-Urteil. Das Argument, dass das Kind ein Recht darauf habe, die deutsche Sprache perfekt zu lernen, sei nachvollziehbar, „aber es ist ebenso ein Recht des Minderjährigen, dass der Vater am Schulwerdegang teilhaben kann“, so die Rekursinstanz.

D/lu

stol