Mittwoch, 30. September 2015

Papst Franziskus am Scheideweg – Synode zu den großen Streitthemen

Der Umgang mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen, Abtreibung und Verhütung: Die Bischofssynode soll sich mit einer Reihe heikler Themen beschäftigen. Die Einen hoffen auf eine Öffnung der Kirche, die Anderen wünschen sich eine klare Absage an Reformideen: Bei der Familiensynode in Rom prallen auch zwei Lager aufeinander. Welche Beschlüsse tatsächlich am Ende der dreiwöchigen Beratungen stehen werden, scheint fraglich.

Was ändert sich mit dem neuen Papst? – Diese Frage treibt Katholiken und Nicht-Katholiken, Gläubige wie auch Ungläubige um, seit der Argentinier Jorge Mario Bergoglio im März 2013 zum Oberhaupt der römischen Kirche gewählt wurde.
Was ändert sich mit dem neuen Papst? – Diese Frage treibt Katholiken und Nicht-Katholiken, Gläubige wie auch Ungläubige um, seit der Argentinier Jorge Mario Bergoglio im März 2013 zum Oberhaupt der römischen Kirche gewählt wurde. - Foto: © APA/DPA

Drei Wochen lang werden etwa 300 Bischöfe aus aller Welt bei der Familiensynode über heikle Themen rund um die Vorstellungen der Kirche zu Ehe und Sexualität diskutieren. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem mit Spannung erwarteten Bischofstreffen in Rom:

Worum geht es bei der Synode?

Die Bischofssynode soll sich mit einer Reihe heikler Themen beschäftigen. Das Vorbereitungsdokument, in das die Ergebnisse einer Umfrage unter Katholiken in aller Welt und die Ergebnisse der Synode im vergangenen Jahr eingeflossen sind, lässt viel Raum für Diskussionen. Es schließt eine teilweise Öffnung der Kirche nicht aus, macht aber auch konservativen Kreisen Hoffnung.

Was ist Anlass des Treffens, warum findet die Synode statt?

Papst Franziskus hat entschieden, das Thema Ehe und Familie auf die Agenda zu setzen. Schon im vergangenen Jahr hatten bei einer außerordentlichen Synode in Rom 200 Teilnehmer aus aller Welt über Fragen von Sexualität und Ehe diskutiert. Das galt als Vorbereitung für das nun stattfindende Treffen, das nach dem Willen des Papstes auch konkrete Lösungen liefern soll. Im vergangenen Jahr konnten sich die Teilnehmer auf keinen Konsens bei umstrittenen Fragen einigen.

Wer nimmt an der Synode teil?

Die nationalen Bischofskonferenzen entsenden Delegierte nach Rom. Je nach Zahl der Katholiken können bis zu vier Vertreter an der Synode teilnehmen. Aus Deutschland werden das der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie die Bischöfe Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Heiner Koch (Berlin) sein.

Wie sieht der Sitzungsalltag aus?

Der Alltag der Synode ist strikt organisiert. Nach der Eröffnung beginnen die Beratungen, für die drei Wochen Zeit vorgesehen sind. Zunächst folgt eine mehrtägige Phase, in der sich alle Teilnehmer mit Statements zu Wort melden können. Anschließend beraten die Teilnehmer in kleineren, meist nach Sprachen geordneten Gruppen. Die Ergebnisse werden dann in einem Abschlussdokument zusammengefasst. Ob es veröffentlicht wird, kann der Papst entscheiden.

Welche Beschlüsse sind zu erwarten? Könnte sich etwas ändern?

Konkrete Entscheidungen sind von der Synode nicht zu erwarten, sie ist ein reines Beratungsgremium. Dennoch gilt das Abschlussdokument als wegweisend für die weitere Haltung der katholischen Kirche in heiklen Fragen. Das letzte Wort dürfte Papst Franziskus haben, in den viele Befürworter von Reformen große Hoffnungen setzen.

Wer will eine Reform und warum?

Viele Gläubige wünschen sich von der Kirche eine Öffnung. Sie finden sich in den Moralvorstellungen und Positionen nicht mehr wieder, ergab eine Umfrage zur Vorbereitung der Synode. Auch unter den deutschen Bischöfen wächst die Zustimmung, etwa für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen und die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion in bestimmten Einzelfällen und nach genauer Prüfung. Der Papst selbst will eine offene Diskussion.

Was sagen die Gegner von Reformen?

Während etwa in Deutschland die Zustimmung für eine Änderung der kirchlichen Lehre wächst, ist die Stimmung in anderen Ländern völlig anders. Bei vielen Kirchenvertretern in anderen Erdteilen wie Afrika ist mehr Toleranz kein Thema.

Aber auch in Europa gibt es ein großes Lager von Konservativen und Reformgegnern. Aus ihrer Sicht darf es keine Veränderungen innerhalb der Lehre geben, an traditionellen Auffassungen der Kirche soll festgehalten werden.

dpa

stol