Sonntag, 12. April 2020

„Urbi et Orbi“ ohne die Anwesenheit der Gläubigen

Papst Franziskus hat angesichts der Corona-Pandemie ein weltweites Ende des Egoismus gefordert und die Europäische Union zu mehr innerer Solidarität ermahnt.

Fast ganz alleine fand sich Papst Franziskus am Sonntag zur Ostermesse im Petersdom ein. - Foto: © APA/afp / ANDREAS SOLARO
In seiner Osterbotschaft sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag im fast leeren Petersdom: „Gleichgültigkeit, Egoismus, Spaltung und Vergessen sind wahrlich nicht die Worte, die wir in dieser Zeit hören wollen.“ Anschließend spendete Franziskus den Segen „Urbi et Orbi“ – der Stadt und dem Erdkreis.
Die Zeremonie wurde – wie auch die Messe – in Internet und in TV-Sendern übertragen. Wegen der Gesundheitskrise waren Pilger in diesem Jahr nicht zugelassen.

An die Adresse der Politiker gewandt, die in den EU-Staaten Verantwortung tragen, sagte der 83-jährige Papst aus Argentinien: „Die Europäische Union steht heute vor einer epochalen Herausforderung, von der nicht nur ihre Zukunft, sondern die der ganzen Welt abhängt. Lasst uns nicht die Gelegenheit versäumen, einen weiteren Beweis der Solidarität zu erbringen, auch wenn wir dazu neue Wege einschlagen müssen.“

In der EU hatte es harte Debatten über Finanzhilfen gegeben, um die Folgen der Krise zu bewältigen. Die Regierungen erzielten vergangene Woche eine Einigung. Doch Rom und Berlin sind etwa über gemeinsame EU-Anleihen weiter uneins.

Der Pontifex feiert üblicherweise mit Zehntausenden Gläubigen aus aller Welt auf einem mit Blumen geschmückten Petersplatz die Ostermesse. Anschließend spendete er in anderen Jahren von der Loggia des Doms den wichtigsten katholischen Segen „Urbi et Orbi“, verbunden mit dem Sündenerlass. Doch in diesem Jahr war alles anders. Die Festlichkeiten waren in die Basilika verlegt worden und hatten ohne Gläubige nicht die gewohnte Atmosphäre.

dpa